Eishöhlen in Island – Ice Cave Touren beim Vatnajökull

Die Northern Lights Cave unter dem Vatnajökull während unserer Eishöhlen-Tour im März 2015; absichtlich mit ein paar Personen als GrößenvergleichDer Vatnajökull, einer der mächtigsten Gletscher Europas, beeindruckt nicht nur durch seine Größe. Sein dicht zusammengepresstes, mehrere hundert Jahre altes Eis kann unglaubliche Farben aufweisen und an seinen Zungen bilden sich immer wieder hell- bis tiefblaue Höhlen aus. Jeden Herbst machen sich die Einheimischen auf die Suche nach neuen Highlights im Nationalpark, denn die Eishöhlen aus dem Vorjahr existieren dann meist schon nicht mehr (bereits eingestürzt oder zumindest einsturzgefährdet) oder sie sind deutlich kleiner geworden und somit nicht mehr so sehenswert.

Last Update: 10.03.2015

 

Wo genau befinden sich die Eishöhlen des Vatnajökull?

Jeden Herbst werden andere/neue Ice Caves für Touristen geöffnet. In manchen Jahren sind es nur 1-2 Höhlen, oft können aber gleich mehrere zur Auswahl stehen. Und dann hat man die “Qual der Wahl”, sofern man eine “Personal Tour” bucht und sich nicht einer der regulären anschließt. Eine wirklich gute Hilfe bei der Entscheidungsfindung sind die Facebook-Seiten der Touranbieter, auf denen sie regelmäßig neue Fotos aus den Eishöhlen veröffentlichen (siehe Verweise unten). So kann sich jeder leicht ein Bild davon machen, in welche er/sie am liebsten möchte. Manchmal können die Höhlen mehrere 100 m tief hinein in den Gletscher führen, bei einigen ist bereits nach wenigen Metern schon wieder Schluss. Das ist dann eher eine Frage des Glücks, in welchem Winter man gerade dort ist!

Und hier steht unser Guide in der Northern Lights Eishöhle beim Breidamerkurjökull. Deren Besuch war eines unserer Highlights während der Winterour 2015.Auch die Lage der einzelnen Höhlen variiert meist stark von Jahr zu Jahr. Während 2013 Ice Caves in der Nähe des Skaftafell Besucherzentrums am Programm standen, so führten 2014 und 2015 die meisten Touren von der Eislagune zum breiten Breidamerkurjökull. Auch im Fjallsjökull hinter der gleichnamigen Gletscherlagune sollen sich immer wieder Eishöhlen ausbilden, ebenso wie im Gebiet rund um die Gletscherzunge Kverkjökull im Norden des Vatnajökull, das aber im Winter zu gut wie unzugänglich ist.

 

Die Ice Cave Guides beim Vatnajökull:
  • GLACIER ADVENTURE: Haukur (“Hawk”) und Vésteinn sind zwei ausgesprochen nette Ice Cave Guides, die seit Herbst 2014 ihre Touren ausgehend vom Hali Country Hotel anbieten. Buchbar sind sie direkt über ihre Webseite. Dort kann man auch selber nachsehen, ob es noch freie Vakanzen gibt. Den Sommer über machen sie “Glacier Walks”.
  • LOCAL GUIDE: Einar und sein Sohn Aron waren bis 2013 noch die einzigen Anbieter und verfügen über entsprechend viel Erfahrung. Sie starten immer von ihrem “Headquarter” in Fagurhólsmýri an der Ringstraße, für Hali-Übernachter (oder in den Guesthouses nebenan) ist das nicht ganz so praktisch… Im Sommer bieten die beiden Gletscherwanderungen sowie Papageientaucher-Touren nach Ingolshöfdi an. Alle Services sind online buchbar.
  • ICE GUIDE: Auch Óskar hat den passenden Superjeep sowie das nötige Know-How und Equipment um Besuchern die Eishöhlen des Vatnajökull näher zu bringen. Wir haben ihn bislang nur kurz mal gesehen, er machte aber ebenfalls einen netten Eindruck.
  • EXTREME ICELAND: Ein großes Unternehmen aus Reykjavik, das auch Eishöhlentouren anbietet. Hier starten die Guides von dem kleinen Icelagoon Café bei der Jökulsárlón oder am Gerdi Guesthouse (gleich neben dem Hali Country Hotel).

Ich könnte mir vorstellen, dass die Liste der Touranbieter in den kommenden Jahren noch etwas länger wird. Über Hinweise, Tipps und Ergänzungen freue ich mich immer! Lieben Dank schon im Voraus!

Und last but not least, auch bei der Eiskappe weiter westlich an der Ringstraße, der deutlich kleinere Mýrdalsjökull in der Nähe der Ortschaft Vik, können besuchbare Eishöhlen entstehen. Hierfür kontaktiert man am besten die “Icelandic Mountains Guides“, die u.a. Ausflüge auf den Sólheimajökull anbieten. Das wäre eventuell ein Plan B, sollten die Touren rund um den Vatnajökull bereits ausgebucht sein!

 

Reservierung – JA oder NEIN?

Das ist inzwischen eine heikle Angelegenheit. Die Nachfrage ist derzeit so groß, dass man eigentlich ohne Reservierung zur “Eishöhlen-Hauptsaison” (Februar/März) so gut wie keine Chance hat einen Platz zu ergattern. Wer also auf Nummer sicher gehen will, muss schon langfristig im Voraus buchen. Leider ist das Wetter in Island im Winter extrem launisch und es kann schon mal passieren, dass selbst die Ringstraße aufgrund von Glatteis und Schneeverwehungen für längere Zeit nahezu unpassierbar ist. Und genau da ist der Haken… Wenn die Straße von offizieller Seite nicht als unpassierbar (=ROT) gekennzeichnet wird, hat man schlechte Karten. Und man ist das viele Geld los, ohne je eine Höhle betreten zu haben… Leider einem Bekannten von uns schon passiert! :(
Bei starkem Wind sind bereits “weiße” oder selbst “blaue” Straßen nicht so ohne, vor allem wenn der Mietwagen keine Reifen mit Spikes hat! Mit anderen Worten: Wer vorbucht, sollte lieber vor der geplanten Tour in Skaftafell oder Hali schlafen und nicht erst aus Vik anreisen. Sicher ist sicher! ;)

 

Kosten und Dauer der Tour:

Ab 15.000 ISK (keine 100 Euro) für die kürzeren, ca. 3-stündigen Touren, längere kosten derzeit ab 20.000 ISK p.P. (ca. 130 Euro; Stand März 2014). Den Preis für individuelle Touren muss man mit dem jeweiligen Guide aushandeln. Bezahlung mit Kreditkarte ist – wie fast überall in Island – vor Ort möglich und kein Problem.
Die Dauer des Ausflugs hängt zum Teil nicht nur von der Verweilzeit in der Höhle ab (1-1,5 Stunden oder bei individuellen Touren auch länger), sondern mitunter von ihrer Zugänglichkeit. Manchmal kann eine längere Anfahrt oder Wanderung erforderlich sein.

 

Was muss auf eine Eishöhlen-Tour mitgebracht werden?

Das Fotografieren kann in Island recht ungemütlich werden, selbst in Eishöhlen im Schutz vor Wind und Wetter. In den eisigen Gletscherflüssen sind Gummistiefel oder noch besser Neoprenwathosen wirklich Gold wert!Mitnehmen muss man in eine Ice Cave nichts außer warme Kleidung, Wanderschuhe und Fotoequipment (Stativ!). Helme, Steigeisen und ggf. Eispickel werden immer von den Touranbietern zur Verfügung gestellt. Und wer eine Neoprenwathose hat, der wird sie beim Fotografieren in Eishöhlen, durch die ein (eiskalter!) Gletscherfluss fließt, schnell zu schätzen wissen. Und unglaublich “schick” sieht man(n) darin obendrein noch aus… ;)

 

Beste Jahreszeit:

Dafür kann das was man durch den Sucher sieht, umso schöner sein. Das Eis im Inneren einer Eishöhle kann unglaubliche Farben und Formen aufweisen.Ganz klar von November bis Ende Februar, denn solange es draußen richtig kalt ist, erscheinen auch die Eishöhlen meist deutlich blauer. Gegen Ende der Saison – meist Mitte/Ende März – dringt mit zunehmender Temperatur und UV-Strahlung mehr Luft in das Eis ein und es wird sichtbar weißer. Zudem stiegt dann auch die Anzahl an Höhlen, die aufgrund von Einsturzgefahr für Besucher für immer geschlossen werden. Es gibt aber selbst im Winter keine 100%ige Garantie, dass die gebuchte Tour tatsächlich stattfindet. Anfang des Jahres war eine der Höhlen bereits länger gesperrt, weil ein Fotograf dort einen Herzinfarkt erlitten hatte. Auch Regenfälle, unwetterartige Schneefälle oder andere Wetterkapriolen können einem in Island immer einen Strich durch die Rechnung machen.

Der Monat März hat allerdings noch mehr Nachteile, die man nicht verschweigen sollte: Es kommen bereits deutlich mehr Touristen auf die Insel und da die Zahl der Eishöhlen und Guides doch recht begrenzt ist, sind die Touren zu so manchem Wunschtermin dann möglichweise schon oft wochenlang im Voraus ausgebucht.

 

Wie sicher ist eine Eishöhlen-Tour?

Da Gletscher kontinuierlich in Bewegung sind, bleibt auch in Begleitung eines Guides ein gewisses Restrisiko. Dieses ist aber im Winter, wenn die Temperaturen niedrig sind und das Eis kompakt bleibt, am geringsten. Im Sommer hingegen ist das Betreten von Eishöhlen absolut lebensgefährlich. Der Gletscher bewegt sich dann um vieles schneller und es können sich nicht nur Eisbrocken im Eingangsbereich loslösen, sondern mitunter ganze Bereiche im Inneren der Höhle einstürzen und jeden, der sich zu dem Zeitpunkt darin befindet, lebendig begraben.

Die Nationalpark-Guides überwachen den ganzen Winter über aufmerksam den Eingangsbereich, die Dicke der Decke und ob sich diese langsam senkt oder nicht. D.h., eine Ice Cave, in der gestern noch zahlreiche Leute standen, kann heute schon gesperrt sein. Die Touranbieter lassen nur dann Besucher in die Höhlen, wenn es einigermaßen sicher ist. Und manchmal – wie am heutigen Tag – sieht man das mitunter erst vor Ort… Dass unser ursprünglicher diesjähriger Favorit, die Waterfall Ice Cave, bereits geschlossen war (die Decke hatte sich Anfang März etwas gesenkt), wussten wir. Aber leider zeigte sich auch die auf dem Ersatzprogramm stehende Crystal Cave heute ebenfalls von ihrer unzugänglichsten Seite. Der Gletscherfluss durch die Höhle war aufgrund der Regenfälle und der relativ milden Temperaturen über Nacht zu einem reißenden Gewässer angeschwollen. Im Winter war dieser meist zugefroren oder man konnte ihn nur mit Hilfe von kleinen improvisierten Brücken queren und sehr weit ins Innere der Eishöhle eindringen. Heute half da leider nicht einmal das Boot…

Ein etwas frustierter Blick in die Crystal Ice Cave beim Vatnajökull im Südosten Islands: Der Gletscherfluss war dort über Nacht so angeschwollen, da waren selbst das Boot und das Seil, mit denen Besucher normalerweise sicher auf die andere Uferseite und ins Innere der Höhle kommen, keine Hilfe.Unser Guide Þröstur (er hatte 2014 ein eigenes Unternehmen “Ice Walk”, arbeitet aber nun für “Extreme Iceland”) und der kurz später mit einer größeren Reisegruppe eintreffende Aron, den wir aus dem Vorjahr von der Cafe Latte Cave kannten, waren sich recht schnell einig, dass es leider nicht möglich war, die Leute sicher über den Fluss zu bringen und richtig in die Höhle hineinzugehen. Die Fotografen, die mit Aron unterwegs waren, knipsten um die Wette, bei uns hielt sich die Begeisterung jedoch schwer in Grenzen, vor allem weil der Mini-Bereich beim Eingang (auf der falschen Uferseite…) nicht sonderlich fotogen war und zudem so dermaßen bevölkert, dass man sich kaum rühren konnte. Außer ein Souvenirfoto (siehe links oben) war da leider nichts zu machen… Da wird dieses grandiose Bild aus dem Inneren der Crystal Cave oder ein kurzes Video schon eher der Schönheit dieser Eishöhle gerecht. ;) Auf dem Foto sieht man übrigens das Boot, das normalerweise bei der Flussüberquerung geholfen hat, sowie den kleinen Bereich unterhalb der Eisdecke am linken Flussufer, wo Steffen und ich heute standen. Und rechts war bei uns nichts außer Wasser, Wasser und nochmal Wasser… :((

 

Wie BLAU sind Eishöhlen tatsächlich?

Das Eis im Inneren von Eishöhlen ist oft kristallklar und tiefblau, hier ein ausgesprochen fotogener canyonähnlicher Spalt in der Decke der Gold Mine Ice Cave.Die Unterschiede in den Blautönen von Eishöhlen können beachtlich sein. Es hängt alles in erster Linie davon ab, wie dicht gepresst das Eis wurde und wie viel Luft darin noch/schon enthalten ist. Eis, das sich tief im Inneren eines Gletschers befindet und durch das Gewicht der darüber liegenden Schneeschichten jahrhundertelang komprimiert wurde, ist meist nahezu frei von Lufteinschlüssen und glasklar. Es nimmt dann die herrlichsten Blautöne an. Aber nur solange die Temperaturen nicht steigen und UV-Strahlen auf das Eis einwirken. Beides begünstigt die Bildung von blasenförmigen Lufteinschlüssen, die das Eis dann milchig bzw. weiß erscheinen lassen.

Die Bilder in diesem Bericht stammen aus 2013 und 2015, auf den zwei Fotos ganz oben ist die “Northern Lights Cave” zu sehen, auf den Fotos Nr. 3+4+7 die “Cafe Latte Ice Cave” und hier rechts ein Detail aus der “Gold Mine Cave”. Die Guides lassen sich da jedes Jahr neue, mehr oder weniger kreative Namen einfallen… :)

Die Cafe Latte Cave war vermutlich keine 50 m tief, gefiel uns aber dennoch nicht so schlecht aufgrund ihrer regelmäßigen Strukturen auf der Decke und dem kleinen Flüsschen, das sich recht gut im Vorderrund machte. Die Gold Mine Cave war nur mit Steigeisen zu betreten, sehr verwinkelt und recht dunkel. Ihr Eis war teilweise schon fast schwarz und auch der riesige Eiszapfen im Inneren hat uns nicht so ganz überzeugen können. Aber dafür haben wir einen Bereich für uns entdeckt in der Nähe des Eingangs, der uns begeisterte: eine schmale canyonartige Öffnung nach oben. So tiefblaues Eis hatten wir überhaupt noch nie gesehen! Wobei das zugegebenermaßen – je nach Weißabgleich – auf Fotos schon noch ein Quäntchen intensiver wirken kann.

Dieses Bild entstand Ende März 2013 während der Tour in die Cafe Latte Eishöhle beim Vatnajökull Gletscher, die aufgrund des schönen, warmen Wetters schon deutlich weniger blau war.Und last but not least:
Die Northern Lights Cave im März 2015 war ein absoluter Traum (-> die ersten beiden Bilder hier im Bericht; weitere Impressionen in unserer “Icescapes”-Galerie)! Die blauen Streifen auf ihrer Decke erinnerten aufgrund ihrer schwungvollen Form tatsächlich an Polarlichter. Vulkanasche hatte sich zwischen den Eisschichten abgelagert und sorgte für die dunklen Abschattierungen. Auch die glasklaren blauen “Säulen” mitten drinnen waren “nicht von dieser Welt”.
Wir wünschen Euch bei Euren Eishöhlen-Besuchen viel Spaß und eine Wintersaison mit möglichst vielen schönen Ice Caves!
Isa & Steffen