Galleta Meadows – die Skulpturen von Borrego Springs

Unser kleiner Midsize SUV bedroht von einem Riesenskorpion - eine der tollen Metallskulpturen auf den Galleta Meadow Estates in Borrego Springs, die auch im Sommer Besucher in diese trostlose Gegend locken sollen.Die meiste Zeit des Jahres über wirkt das südkalifornische Borrego Springs fast wie ausgestorben. Nur kurz erwacht die Ortschaft aus ihrem Dornröschenschlaf, wenn sie zum Ziel zahlreicher “Snowbirds” wird, Teilzeit-Nomaden die den Sommer im Norden des Landes oder in Kanada verbringen und hier dann die milde Wintersonne genießen wollen. Und wenn sich in feuchteren Jahren im Februar/März prächtige Wildblumenteppiche auf dem kargen Wüstenboden ausdehnen, gesellen sich zu ihnen noch jede Menge Schaulustige und Fotografen. Sie alle suchen aber spätestens ab April das Weite, wenn das Thermometer wieder regelmäßig die 40°C-Marke überschreitet. Auch Mitte März hatten wir dort vor einigen Jahren bereits dieses “Vergnügen”…

Der mexikanische Künstler Ricardo Breceda sorgte aber dafür, dass der Ort nun über eine (sehenswerte!) Ganzjahresattraktion verfügt: eine Outdoor-Galerie mit mittlerweile über 130 Kunstwerken. Ein Seeungeheuer, Raptoren, Säbelzahntiger, Riesenskorpion und -grashüpfer sowie andere überdimensionale Metalltiere und -skulpturen harren auch dann der Dinge, wenn die gnadenlose Sonne und die sengende Hitze tagsüber alles Leben aus der Anza-Borrego Wüste weichen lassen. Gefördert wurde das Projekt vom leider 2012 verstorbenen Dennis Avery, Eigentümer der Galleta Meadows Estates auf denen die Skulpturen in und rund um Borrego Springs heute zu sehen sind. Und was mir persönlich am besten gefallen hat: Die Tiere wurden gut eingebettet in die Natur und man muss manchmal auch etwas genauer schauen!

Immer zu einem Kampf aufgelegt sind die (männlichen! ;-) ) Dickhornschafe am nördlichen Ortsrand von Borrego Springs.

Es sind aber seit einigen Jahren auch ein paar recht ungewöhnliche Tiere in Borrego Springs beheimatet, wie zum Beispiel dieser afrikanische Elefant.

Selbst das längst ausgestorbene Gomphoterium wurde dort wieder zum Leben erweckt.

Zum Glück hatten wir bei unserem Besuch Mitte Januar zwei Autos. Nach einem schönen Sonnenaufgang am Font’s Point im Anza-Borrego Desert State Park sind die Männer in den Slot Canyons verschwunden (darüber gibt es vielleicht auch mal einen Bericht! ;) ) und ich habe mich – bewaffnet mit der Sky Art Map – auf “Safari” begeben. Diesen Übersichtsplan sollte man unbedingt dabei haben! Wer im Hotel keine Broschüre ausgehändigt bekommt, sollte sich die im Anza Borrego Desert Nature Center besorgen (652 Palm Canyon Drive) oder am besten gleich dieses jpg-file ausdrucken bzw. am Smartphone/Tablet abspeichern.

Ausgehend vom “Christmas Circle”, dem großen Kreisverkehr im Ortszentrum, führt die SR-3 bzw. Borrego Springs Road in die zwei Hauptbereiche mit Skulpturen. Nach nicht ganz 4 mi in Richtung Süden sieht man wie zwischen den Büschen rechter Hand der Straße gerade Wildpferde von einigen Säbelzahntigern angegriffen werden und etwas südlich davon lauern sogar noch weitere Raubtiere. Linker Hand präsentiert sich ein “Wind God Bird” auf seinem Nest, ein prähistorischer Riesencondor (Aiolornis incredibilis) mit bis 5 m Flügelspannweite, der einst in dieser Gegend lebte. Die Piste nördlich parallel zur Borrego Springs Road passiert weitere Wildpferde sowie etliche Mammuts und auf der gegenüber liegenden Straßenseite, am Anzio Drive, hat ein zweiter Riesenvogel soeben erfolgreich ein Wildschwein erbeutet. Wer der Sandstraße von dort nach Süden und anschließend zurück nach Westen folgt, kann noch einen kleinen “Jurrasic Park” bewundern und eventuell das eine oder andere lustige Foto machen, z.B. wie der T-Rex oder Spinosaurus das Auto “attackiert”. Mehr Dinos befinden sich dann auch noch zwischen den Häusern direkt an der Hauptstraße weiter in Richtung Südosten.

Etliche der Skulpturen in Borrego Springs stellen Tiere dar, die auch heute noch durch die nordamerikanischen Wüsten streifen wie z.B. diese Peccaries (Wildschweine).

Einige von ihnen nehmen aber sicherlich nur hier in Borrego Springs solche Dimensionen an, z.B. dieser riesige Grashopper (Grashüpfer)... ;-)

Skorpione kann man nachts mit UV-Lampen ausfindig machen. Sie leuchten dann! Hier aber nur mal ein schneller Schnappschuss im Licht der Autoscheinwerfer... ;-)

Am interessantesten fand ich aber den nördlichen Bereich. Rund 2 mi vom Christmas Circle entfernt streifen rechter Hand der Straße wie vor einigen Millionen von Jahren etliche elefantenähnliche Gomphotherium-Exemplare durch die Gegend und unmittelbar dahinter noch zwei Camelops, Grasfresser die etwas später während des Eiszeitalters in Nordamerika lebten. Noch weiter rechts an der Big Horn Road folgen dann zwei meiner Lieblingsskulpturen, der Riesenskorpion gleich neben dem Giant Grasshopper. Und an der Ecke Big Horn/Di Giorgio Road war eine Gruppe “Farm Workers” gerade mit der Weinlese beschäftigt. Denen musste ich gleich mal ein wenig unter die Arme greifen… ;)

Sehr nett ist auch die Farm Workers Installation an der Di Giorgio Road in Borrego Springs.

Aber anstatt die Farm Workers nur zu fotografieren wie andere Paparazzi, ...

... habe ich beschlossen ihnen ein wenig bei der Weinlese zu helfen. ;-)

Brav und friedlich stehen in der Nähe ein paar Kamele herum.

Sogar sie kapitulieren angesichts der sengenden Hitze im Sommer...

Da möchte ich lieber gar nicht wissen, wie sich die ordentlich bewollten Lamas dann so fühlen... ;-)

Wer sich auf Safari begibt, sollte das übrigens besser nicht in einem Pkw machen, die Eingrabspuren von so manchem Besucher waren noch gut sichtbar! Dann lieber 3 Schritte mehr zu Fuß gehen... ;-)

Zurück auf der Borrego Springs Road verstecken sich nur wenig nördlich schon die nächsten Kamele und Lamas zwischen den Sträuchern sowie zwei Arten von Riesenfaultieren aus dem Pleistozän, das Shasta Ground Sloth und Harlan’s Ground Sloth, deren Fossilien u.a. mitten in Downtown L.A. in den blubbernden Teergruben “La Brea Tar Pits” gefunden wurden. Gut 3 m groß waren sie einst, hier also nicht ganz originalgetreu… ;-)

Kurz vor dem San Ysidro Drive (dort stehen noch weitere lama- oder kamelartige Wesen) windet sich eine gut 100 m lange “Serpent” unter der Straße hindurch, eine Mischung aus Drachen (Kopf) und Klapperschlange (Rassel am Schwanz). Dieses Fantasiegebilde soll wohl ein Seeungeheuer darstellen und ist nicht nur die größte, sondern sicherlich auch eine der meistfotografierten Skulpturen. Eigentlich ein “Must See” in Borrego Springs!

Manchmal fühlte man sich aber im Auto schon etwas sicherer. Recht furchteinflößend die Größe der Riesenfaultiere, die hier auf dem Wüstenboden herumkrabbelten...

Und als dieses Exemplar sich plötzlich vor meinem Auto auftürmte, floh ich schnell ins Gebüsch... ;-)

Schon deutlich friedlicher waren die Gomphotherium, die den kleinen schwarzen KIA nur neugierig aus sicherer Entfernung betrachteten.

Das riesige Seeungetüm *Serpent* windet sich beidseitig der Borrego Springs Road aus dem sandigen Wüstenboden.

Gut 100 m lang soll die Serpent Skulptur sein.

Da ergreift selbst der tapferste Wüstenforscher schnell die Flucht...

Von dort geht es weiter nach Norden vorbei an zwei afrikanischen Elefanten (rechts) und linker Hand der Straße befindet sich Willys Jeep. Es handelt sich hierbei um den Nachbau eines der Modelle, mit denen hier in den späten 1940er Jahren herumgekurvt und die Anza Borrego Wüste erkundet wurde. Bevor es in einer scharfen Kurve nach rechts auf die Henderson Canyon Road geht, führt eine Piste zu einer weiteren Skulptur, einem Padre, der gemeinsam mit dem spanischen Eroberer Juan Bautista de Anza 1774 erstmals die Pazifikküste über den Landweg erreichte. Der gleich dahinter etwas deplatziert wirkende Saguaro Kaktus (er kommt ja nur in der Sonora Wüste vor) soll den langen Weg, den die Expeditionstruppe bereits zurückgelegt hatte, symbolisieren. Auch Anza selbst galoppiert heutzutage irgendwo durch die Ortschaft auf seinem Metallross, ich habe ihn aber leider nicht vor die Linse bekommen.

Unmittelbar beim Indianerhäuptling, der Anza bei seiner Wüstendurchquerung behilflich war, und den hübsch platzierten Riesenschildkröten biegt man auf eine breite Allee nach links in die “Indian Head Ranch” ab (sieht wie “Privatbesitz” aus und ich habe mich da zuerst gar nicht reingetraut). Zur Rechten hocken gleich nach der Einfahrt wieder ein paar Säbelzahntiger im Gebüsch und auf der Weiterfahrt gibt es noch etliche Tapire zu sehen. Auch diese beiden Tierarten lebten tatsächlich einst in dieser Gegend.

Apropos tapfer... dieser Padre zählte wohl zu den ersten weißen Pionieren, die 1774 gemeinsam mit Juan Bautista de Anza auf dem Landweg die Pazifikküste erreichten.

Behilflich dabei soll ihnen dieser einst in der Anza Borrego Wüste lebende Indianer gewesen sein.

Heute war es relativ stark bewölkt, aber diese Desert Tortoise versteckt sich wohl ganzjährig vor der gnadelosen Sonne.

Linker Hand der Straße folgen kurz darauf noch einige Velociraptoren und Pekaris (neuweltliche Wildschweine, die auch heute in Nordamerika beheimatet sind) und abschließend geht es auf dem Stagecoach Way zu dem legendären Goldgräber Thomas “Pegleg” Smith (=Holzbein). Ihm wird nachgesagt, dass er mit einer (fiktiven?) Goldmine und den dazu gehörigen Schürfrechten ein kleines Vermögen verdient hätte. Passend zu seinen Lügengeschichten wurde in Borrego Springs ein kleines “Liar Monument” errichtet.

Gleich dahinter stehen ein paar kämpferische Bighorn Sheeps herum. Von ihnen leitet sich übrigens der Name der Ortschaft und des State Parks ab. Borrego ist das spanische Wort für Schaf. Ich hatte dort versucht zwei dieser “Dickschädel” etwas zu besänftigen und voneinander fernzuhalten, musste dann aber irgendwann entnervt aufgeben. Ich glaube fast, die streiten auf ewig weiter… ;)

Und dieser Velociraptor war vielleicht auch schon mal glücklicher... ;-)

Ein ganz besonderer *Pechvogel*: Pegleg Smith war in der Anza Borrego Bergen auf eine große Goldader gestoßen, konnte sich dann aber nicht mehr an deren genauen Standort erinnern. Im Hintergrund sieht man hier übrigens schon ein paar Dickhornschafe...

Ich habe versucht den Streit zwischen zwei bighorn sheeps zu schlichten. Das ist mir leider nicht gelungen und ich fürchte fast, die kämpfen da jetzt noch ewig weiter... ;-)

Und als ich dann plötzlich auf die Uhr sah, ein kleiner Schock! Weit über 3 Stunden war ich da schon unterwegs, die Zeit ist nur so verflogen. Und ich hatte meine Mühe dann am ausgemachten Treffpunkt noch rechtzeitig zu erscheinen… O:-)
Wer zwischendurch mal aussteigt um Fotos zu machen und so manche kurze, sandige Piste lieber zu Fuß geht, der ist schnell mal einen halben Nachmittag mit Sightseeing beschäftigt. Es hat aber richtig Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den nächsten Galleta Meadows Besuch! Und am besten dann aber zu zweit, damit man viel mehr (und viel leichter) Blödsinnfotos machen kann… =:)
Und vielleicht gibt es bis dahin ja auch noch die eine oder andere Skulptur mehr zu entdecken! :stern:

Übernachtung: Borrego Springs, der einzige Ort weit und breit, verfügt nur über eine begrenzte Infrastruktur, darunter aber einige nette Spa-Hotels wie das Borrego Springs Resort, wo wir fürs wirklich tolle DZ nur $105 über booking.com gezahlt haben. Auf dem Portal liegen “Special Rates” manchmal (aber nicht immer!) deutlich unter den Preisen, die man sonst am Check-in angeboten bekommt. Zum Zelten gibt es in der näheren Umgebung einige Campingplätze, man kann aber auch kostenlos an der Zufahrt zum Clark Dry Lake im Anza-Borrego Desert State Park übernachten (hier noch mehr zum Thema -> “Boondocking“).

Restaurantempfehlung gibt es von uns diesmal keine. Für die Nr.1 von Tripadvisor, den “Carmelita’s Mexican Grill” in Borrego Springs, konnten wir uns nur wenig begeistern… Am ersten Abend hat es Steffen und mir gar nicht geschmeckt, da aber die anderen Restaurants einen noch deutlich schlechteren Eindruck machten und Tony dem Essen dort nicht ganz so abgeneigt war, gab es auch am zweiten Abend erneut mexikanische Enchiladas und Burritos.