The Mighty 5 – Die schönsten Nationalparks im Westen der USA

Arches Nationalpark im WinterIm Frühjahr 2013 hat das Utah Office of Tourism kräftig die Werbetrommel gerührt. “The Mighty 5® – five iconic parks, one epic experience“. Die fünf Nationalparks des US-Bundestaats Utah sollten bald in aller Munde sein und das vorzugsweise weltweit! Arches, Bryce, Zion, Canyonlands und Capitol Reef – einer schöner als der andere! Bekannt waren sie auch schon vor der Kampagne, jetzt haben die Besucherzahlen aber erneut einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht und die Probleme in den Parks spitzen sich langsam zu, zumindest bei den drei Erstgenannten. In den Canyonlands (wenn man mal vom morgendlichen Tumult am Mesa Arch absieht…) verlaufen sich die Besucher meist recht gut und dasselbe gilt auch für den Capitol Reef Park, der nicht zwangsweise auf der Route eines jeden Südwest-Reisenden liegt.

Dieses Jahr zum Memorial Day Weekend (letztes Wochenende im Mai) hat sich die Kehrseite der großen Popularität der “Mighty 5®” gezeigt: Über 300 Autos versuchten sich im Arches NP auf den nur 190 Parkplätzen in der Devils Garden Area zusammenzuquetschen und die parkenden Autos am vollbelegten Delicate Arch Trailhead reihten sich dann auch noch fast einen Kilometer zurück beidseitig der Zufahrtsstraße. Es war noch nicht Mittag und es ging an der Einfahrt in den Park gar nichts mehr: Die Ranger sahen sich gezwungen die Tore zum Nationalpark zu schließen, was zur Folge hatte, dass die Fahrzeuge dann auch noch den Hwy 191 verstopften. Hinweisschilder wurden angebracht, dass die Besucher vorzugsweise vor 9 Uhr oder erst nach 17 Uhr in den Park hineinfahren sollen. So mancher Tourist hatte sich seinen Besuch im Arches NP sicherlich anders vorgestellt. Hinzu kommen dann meist noch die hoffnungslos ausgebuchten (und auch immer mehr überteuerten) Unterkünfte in Moab.

Ähnlich die Situation im Zion, wo man an Tagen mit derartigem Besucheraufkommen den Angels Landing Trail unbedingt vermeiden sollte, und sich mit über 100 anderen Tagesgästen zeitgleich auf nur 68 Shuttle-Bus-Plätze verteilen kann. Anhand der Graphik (siehe unten) lässt sich gut erkennen, wie die Beliebtheit der betroffenen Nationalparks während der letzten zwei Jahre nochmals ordentlich zugenommen hat. Im Arches stieg die Besucherzahl von 2013 auf 2014 um fast 20%, ebenso im Capitol Reef und im Zion immerhin auch um 14%.

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Es ist ein feiner Balanceakt, zwischen Naturschutz und den ökonomischen Interessen der umliegenden Gemeinden, die natürlich enorm von solch einem Aufschwung profitieren. Die Konsequenzen könnten allerdings schon bald keine erfreulichen sein. Nicht nur die Natur wird massiv darunter leiden, sondern möglicherweise auch die Besucher.

Der National Park Service sucht bereits nach Lösungen. Bis zum 19. August wird nun eine öffentliche Befragung durchgeführt (Link), in der es u.a. darum geht, ob im Arches mehr Straßen asphaltiert und weitere Parkzufahrten geschaffen werden sollen, um den Andrang etwas besser zu verteilen. Größere RVs könnten schon bald verboten werden, auch über die Einführung von Shuttle-Bussen wird nachgedacht sowie über zeitlich beschränkte Parkplätze. Sogar die Debatte um eine “timed entry” mit Reservierungssystem steht im Raum. Das eigentliche Ziel dieser Aktion (“improving the visitor experience”) könnte da schnell auf der Strecke bleiben…

Der Start der Pflicht-Shuttle-Busse liegt im Zion schon etliche Jahre zurück, auch im Bryce Canyon gab es bereits erste Konsequenzen. Diesen Frühling wurden RVs länger als 25 Fuß von den allermeisten Parkplätzen innerhalb der Nationalparkgrenze verbannt und auch die anderen Besucher werden animiert in den kostenlosen Shuttle-Bus umzusteigen. Im Canyonlands NP stehen ebenfalls Veränderungen an: Ab 1. September 2015 wird die Besucherzahl im Elephant Hill Gebiet (Needles District) sowie auf der White Rim Road begrenzt. Zusätzlich zur Campingbewilligung muss nun auch noch ein day-use Permit 24 Stunden vorher beantragt werden (Quelle). Nur 50 Fahrzeuge/Tag werden auf diesen Pisten zukünftig gestattet sein!

Wenn man den Statistiken trauen darf, beläuft sich der Anteil der internationalen Besucher in Moab auf 30%. Neuerdings mischen auch immer mehr Chinesen mit, aber Deutsche, Briten und Italiener machen dort noch den Löwenanteil aus. Wir reisesüchtigen Europäer sind also zum Teil selber schuld an diesem ganzen Schlamassel! ;)

Diese Problematik betrifft allerdings bei Weitem nicht nur die “Mighty 5®”. Ebenso weit oben auf der Liste der meistbesuchten Nationalparks steht der Yellowstone. Dort verzeichnete man heuer bislang einen Zuwachs von 20% gegenüber dem Vorjahr. Mit 780.768 Besuchern allein nur im Monat Juni wurde ein neuer Allzeitrekord aufgestellt. Und der Juli ist in der Regel sogar noch um eine Spur beliebter…

Man kann aber trotz dieser Zahlen und Negativschlagzeilen noch wunderschöne Tage in all diesen Nationalparks verbringen. Eines sollte man dabei aber vielleicht beachten: Wochenenden und Feiertage im Arches und Zion möglichst vermeiden und Quartiere in Moab sowie Springdale oder Hurricane nicht in letzter Sekunde, sondern langfristig im Voraus buchen! Denn wer dort zu spät dran ist, hat nur noch eine sehr beschränkte Auswahl unter den teuersten Häusern oder bekommt gar nichts mehr. Und Hochsaison ist in diesen Orten fast immer, außer im Winter. Aber gerade die kühlere Jahreszeit könnte auch eine gute Option sein – vielleicht nicht gerade für den Erstbesuch im Westen der USA, aber wer vieles schon vom Frühling, Sommer oder Herbst kennt, der könnte auch bald an der Ruhe während der Wintermonate Gefallen finden. Die kalifornische Küste südlich von San Francisco ist ein Traum zu dieser Zeit (Monarchfalter, herrliche Sonnenuntergänge bei Big Sur und vieles mehr), für das Death Valley ist es die ideale Jahreszeit, angesichts der angenehmen Temperaturen und Blütenpracht zu Neujahr in San Diego vergisst man schnell dass man sich noch mitten im Winter befindet, in Sedona herrscht viel weniger Trubel und die Red Rocks rund um Moab sind mit einer kleinen Schneehaube fast noch fotogener als sonst. Es gibt natürlich auch einige Nachteile (unpassierbare Passstraßen und Backroads, etliche Locations die man zu der Jahreszeit nicht besuchen kann, unter Schneemassen versunkene Coyote Buttes usw.), aber wir waren die letzten zwei Jahre im Winter in den USA und werden das wohl (hoffentlich) noch öfters wiederholen.

Weiterführende Links:
www.visitutah.com und den Utah Travel Guide unter “View Now” zum Blättern mit einem als “Washerwoman” (beim Mesa Arch) ausgewiesenen “Marlboro Point” auf Seite 21/22 und einem schönen Winterbild aus dem Capitol Reef auf der darauffolgenden Doppelseite (wobei wir gleich wieder beim Thema oben wären…  :x )