Thousand Pockets – Thousands Wells

Thousand Pockets near Greenhaven, ArizonaInspiriert durch das Buch “Der Wasserkartograph – Unterwegs im Südwesten der USA” von Craig Childs, das uns Wolfgang letztes Jahr geschenkt hatte, begaben wir uns heute Nachmittag in ein für uns bis dato noch unbekanntes Gebiet auf die Suche nach geheimnisvollen Wassertaschen. Das Wort “Pocket” übt seit den herrlichen Sandsteinformationen rund um White Pocket und Whitney Pocket eine magische Anziehungskraft auf uns aus und die Beschreibung dieser Gegend klang im Buch sehr vielversprechend. So sehr, dass wir von Wolfgang den “Auftrag” erhielten, diese Gegend mal etwas genauer unter die “Linse” zu nehmen (ein großes Danke nochmals an dieser Stelle! :) ).
Im Kapitel “Wartendes Wasser – Thousand Wells” hieß es: “Ich betrat einen der Grate – und schaute auf das Meer der Wassertaschen hinab! Eine Sekunde stand ich so. Dann ging ich in die Hocke. Unter mir befanden sich über hundert Wassertaschen! So etwas hatte ich noch nie gesehen. Schon die Felsformationen selbst waren höchst bemerkenswert. Sie sahen aus wie offene Eierschalen, in deren runden Kelchen sich Wasser befand.”“. Bereits Major Powell soll sie in seinen Tagebüchern erwähnt haben, die Thousand Wells. Ein Blick auf Google Earth und es war klar, wo sich dieses Gebiet in etwa befinden könnte. Es heißt auf topographischen Karten offiziell Thousand Pockets und auf den Satellitenbildern sieht man sie schon ganz deutlich, die unzähligen kleinen wells bzw. natürlichen Wasserreservoirs.

Ursprünglich wollten wir uns Thousand Pockets über die kürzeste Verbindung nähern, über eine bei Google Earth schön sichtbare Straße, die etwa 2 mi nördlich des Glen Canyon Damm nach links abzweigt. Die Realität vor Ort sah leider – wie so oft – etwas anders aus: eine Absperrung… :(
Also blieb uns nichts übrig als den altbewährten Abzweig in Richtung Stud Horse Point südlich von Greenhaven zu nehmen (GPS: 36°59’02”N, 111°33’07”W; WGS84; ca. 5,6 mi vom Glen Canyon Damm entfernt). Nach bereits 0,8 geht es nach links, ebenso an der nächsten Straßengabelung nach weiteren 1,5 mi. An der Y-Kreuzung bei der GPS-Koordinate 36°58’22”N, 11°35’29” wendet man sich allerdings jetzt nicht wie gewohnt nach rechts zum Stud Horse Point, sondern nach links. Dieser rel. guten SUV-Piste folgt man nun weiter in Richtung Süden, bis wir 5,2 mi vom Hwy. 89 entfernt bei 36°56’17″N, 111°35’41″W den Parkplatz der Thousand Pockets erreichen (siehe hierzu auch unsere Topo). Am Horizont zeigten sich schon die vom Weather Channel angekündigten Gewitterwolken. Die Neugierde trieb uns aber trotzdem voran, wenigstens kurz mussten wir heute noch hinauf zu den Pockets schauen.

Topo map Thousand Pockets
 

Entlang eines alten Jeep Trails geht es vom Parkplatz für knapp 800 m nach Südwesten und dann sucht man sich einen guten Aufstieg auf das Plateau (linkerhand). Der (nicht vorhandene) Weg ist nicht sehr steil und sicher für jedermann (und -frau) machbar. Kaum waren wir oben auf dem Zwischenplateau angelangt, begann es auch schon leicht zu regnen. Es folgten Blitz und Donner und wir suchten schnell Unterschlupf in einer Höhle. Wobei es vielmehr eine kleine Alcove war, aber es reichte um nicht nass zu werden. Ein genauer Blick auf die Wand, an die wir uns angelehnt hatten, sorgte für Beschäftigung. Der helle Sandstein war herrlich gesprenkelt und übersät von roten Flecken, fast wie Blutspritzer sahen sie aus. Steffen fand recht schnell den passenden Namen, Tony und ich grinsten: Wir saßen in der “Massacre Cave”. Dazu blitze und donnerte es wild um uns herum. Stephen King lässt grüßen… :)

Der Hourglass Double Arch bei Thousand Pockets

Die Massacre Cave bei Thousand Pockets

Die bunte Wand in der Massacre Cave

Nach knapp 2 Stunden war das (erste) Unwetter vorbei, es kündigte sich am Horizont aber bereits das zweite an. Die Zeit durfte nicht ungenutzt bleiben und so “krochen” wir wieder aus unserer Höhle. Die Lichtstimmung hier oben am Plateau war absolut grandios. Dunkelschwarze Wolken lagen über dem Lake Powell, ein doppelter Regenbogen erstreckte sich am Horizont, aber nirgendwo war auf die Schnelle ein Motiv zu finden. Es gab hier wirklich kaum beeindruckende Formationen. So fiel Steffen seine Wahl auf einen winzigen Arch in unmittelbarer Nähe der Massacre Cave, der ihn an einen Hourglass Double Arch erinnerte sowie auf einen knorrigen Baum, der unter widerwilligen Umständen aus einer Sandsteinspalte herauswuchs. Beide befinden sich am Massacre Cave Plateau (36°55’36″N, 111°36’18″W) in unmittelbarer Nähe der Alcove.

Regenbogen, Steffen, unsere Rucksäcke und Tony in der Massacre Cave

Gewitterstimmung bei Thousand Pockets

Isa "krabbelt" zwischen den Wassertaschen herum...

Die Sonne beendete alsbald wieder ihr kurzes Intermezzo und als wir nach wenigen Minuten endlich die pocketartigen Sandsteinerhebungen (36°55’42″N, 111°36’24″W) erreichten, versteckte sie sich bereits wieder hinter dunklen Regenwolken. Es war gar nicht so leicht auf diesen Unebenheiten zu gehen und in die pockets hineinzuschauen. Steffen und Tony hatten kein Problem damit, aber ich verspürte hier angesichts der großen Löcher und der tiefen Rillen zwischen den einzelnen Wassertaschen schon wieder einen leichten vertigo. Die Beschreibung von Childs passte nur allzu gut: “Wir […] liefen kreuz und quer auf Felsbändern umher, die diese Taschen wie Gewebe umgaben. […] Manche lagen dermaßen tief im Gestein, dass sich am Rand Wülste bildeten wie überschüssiger Lehm auf Töpferscheiben.

Unser Blick schweifte sehnsüchtig hinüber zum Stud Horse Point...

Nach knapp 3 Stunden war der Nieselregen und vor allem das nächste heranrollende Gewitter Tony und mir doch etwas zu ungemütlich geworden. Er nahm noch einige letzte abstrakte Sandsteinfotos auf und dann ging es schnellen Schrittes zurück zu den Autos. Knapp 1,5 km liegen die Pockets vom Parkplatz entfernt. Es war bereits recht finster, nicht nur die Gewitterwolken dunkelten den Himmel ab, auch die Dämmerung brach langsam herein.
Ich plauderte noch ein wenig mit Tony und entfernte alles unnötige von der Liegefläche im Kofferraum unseres SUVs. Dann kam auch schon Steffen zurück. Weiter hinten hatte er noch einige vielversprechende Felsbögen gefunden, die aufgrund des miesen Wetters vorerst aber nicht den Weg in sein Portfolio fanden. Es gibt bei den Thousand Wells also noch etliches zu “exploren” und das ist auch gut so, denn irgendwann wollen wir bei Schönwetter hierher zurückkehren und das Gebiet weiter in Richtung Horseshoe Bend noch etwas genauer erkunden.

To be continued… ! :)