Crystal Geyser – Waiting for the water

Crystal Geysir bei Green RiverDas berühmte „waiting for the light“ war bei der diesjährigen Frühlingstour leider nur allzu oft das Motto. Nur selten versteckte sich die Sonne in der Früh zur golden hour nicht hinter einer Wolkendecke und nur wenige Male war der Himmel am Abend nicht zu dunstig. Auch großflächige Gewitterfronten stellten unsere Geduld immer wieder auf die Probe und ließen uns so manchen Felsbogen oder Aussichtspunkt gleich mehrmals aufsuchen. Heute, am vorletzten Urlaubstag, war der Himmel beim Dead Horse Point schon vor Sonnenaufgang komplett wolkenlos. Es war fast ein ungewohntes Gefühl so ganz ohne Warten, aber wir wussten uns „Abhilfe“ zu verschaffen… ;;)
Wer von uns beiden diese Schnapsidee hatte, weiß ich nicht mehr O:-) , aber wir unternahmen am Weg nach Denver noch einen „kurzen“ Abstecher zum Crystal Geyser…
Zuerst schnell beim John Wesley Powell Museum die Anfahrtsskizze geholt und so gegen 9:30 Uhr standen wir vor dem 1,5 m hohen, rosafarbenen Rohr, das sich linkerhand der Straße aus den orangebraunen Sinterterrassen erhebt.

Das lange Rohr...

Die Sinterterrassen des Crystal Geysirs

Die erste Flutwelle

Crystal Geyser ist ein Kaltwassergeysir. Nicht der Wasserdampf ist hier die treibende Kraft sondern das aufperlende Kohlendioxid, das sich unterirdisch im Grundwasser anstaut und die Fontäne nach oben treibt. Bis zu 20 m hoch kann sie derzeit werden und die Dauer des Ausbruchs variiert zwischen 5 Minuten bis hin zu einer Stunde. Entstanden ist er wie alle anderen fünf Kaltwassergeysire im Südosten Utahs durch eine Bohrung. Durch den künstlichen, engen Schlot kann nun das stark mineralhaltige Grundwasser in mehr (oder weniger) regelmäßigen Abständen entweichen. In der näheren Umgebung gibt es noch den Chaffin Ranch Geyser, der bei unserem Besuch vollkommen inaktiv war, sowie den Roadside Geyser in Woodside, den Tumbleweed Geyser in der Nähe des Horse Bench Reservoirs und den Tenmile Geyser im Salt Wash. Das Phänomen Kaltwassergeysire beschränkt sich jedoch nicht auf diesen Teil Utahs, man findet sie z.B. auch in den passiven Vulkangebieten Frankreichs, der Slowakei und in Deutschland. Der Geysir Andernach in der Eifel ist sogar der höchste seiner Art.

Die Sinterterrassen des Crystal Geysirs sahen heute Morgen ausgesprochen trocken aus, so als ob er schon sehr lange nicht mehr ausgebrochen wäre. Die Informationen, die man dazu erhält, schwanken sehr. Noch in den 1980er Jahren präsentierte er eine bis zu 30 m hohe Fontäne alle 4-6 Stunden. Mittlerweile heißt es von offizieller Seite „alle 14-16 Stunden“. Dass dies nur ein Durchschnittswert sein kann, zeigte uns das Gespräch mit einem netten Amerikaner, der am Ufer des Green Rivers gezeltet hat. Der Geysir ist gestern gleich zweimal ausgebrochen und zwar um 13 Uhr sowie um 19 Uhr. Seither ruht er. Eine schnelle Rechnung ergab 14,5 h. Er war also überfällig!
Aber noch war alles still. Es verging gut eine halbe Stunde bis er plötzlich anfing leicht zu blubbern. Dieses Blubbern wurde immer heftiger und wiederholte sich bald in regelmäßigen Abständen. Das Auffangbecken rund um das Rohr lief über und das kalte Wasser floss in Richtung Green River. Die orangefarbenen Sinterterrassen glitzerten jetzt noch farbprächtiger. Es war Zeit für ein paar Detailaufnahmen:

Fast wie ein Korallenriff

Funny Face

Just patterns

Just colors

If the water starts bubbling madly and the basin occasionally overflows, that is a good sign!“ In uns erwachte die Hoffnung, dass bald DER Moment kommen würde. Jetzt konnten wir doch nicht sofort wieder aufbrechen und beschlossen unseren Xterra etwas aufzuräumen. Die „Car“campingsachen mussten alle wieder in den Koffer verstaut werden, denn morgen früh hieß es leider Abschied vom Südwesten nehmen. Wir waren eine gute Stunde beschäftigt und dann gab es noch ein nicht gerade ausgiebiges Frühstück. Alles das noch übrig geblieben war: ein Stück trockenes, steinhartes Brot, ein Whip, einen Apfel, so das eine oder andere Bier und ein “kleines Schlückchen” Jose Cuervo. :lala:

Irgendwie verringerten sich die Abstände zwischen den einzelnen Blubbervorgängen rund um das Rohr des Geysirs. Zumindest bildeten wir uns das ein! ;;)

Das schlammpool

Es blubbert...

Und schon ist alles wieder vorbei...

Der Amerikaner hatte mir aber erzählt, dass erst das Schlammpool neben der Straße ebenfalls zum „Werken“ anfangen muss. Es handelt sich um einen kleinen Nebenschlot, wo der Geysir etwas „Dampf ablassen“ kann. Pünktlich zur Mittagszeit (dann wann wir eigentlich allerspätestens wieder weg wollten…) war es auch so weit: unzählige kleine Blasen wölbten den Schlamm und eine kleine Wasserfontäne trat aus einem Loch aus. Jetzt musste es also jederzeit losgehen!
Inzwischen war die Zahl der neugierig Wartenden auf fünf angestiegen: ein nettes Ehepaar aus der Tschechei sowie ein fleißiger Bayer, der mit dem eigenen Radl durch den Südwesten tourte. Die Zeit verging schneller, als man glaubt, und zwei weitere Amerikaner sorgten dann noch für etwas Unterhaltung.

Ein neugieriger Blick hinein

Eine sportliche Herausforderung

Man posiert für ein Foto...

Beim Geysir stellte sich ein regelmäßiger Rhythmus ein: er schäumte ca. 10 Minuten lang zwischen 10 und 40 cm hoch, bis sein Becken wieder überlief. Darauf fing das kleine Schlammpool zum Blubbern an, bis sich das Becken rund um das Rohr wieder deutlich verringerte, und dann ging das Spielchen aufs Neue los. Dass sich das Wasser immer mehr zurückzog bei diesen Vorgängen, ließ unsere Hoffnung nicht versiegen…
Aber wie oft sollte sich das noch wiederholen, bis endlich der große Moment kam?!? :(

Mittlerweile war es 14 Uhr! Wie kann man bloß soviel Zeit vor so einem ausgesprochen hässlichen Rohr verbringen?!? Uns fünf hat ziemlich gleichzeitig die Lust verlassen, hier noch länger zu verweilen. Die Tschechen machten sich zum zweiten Mal auf in Richtung Canyonlands N.P. Nun waren sie auch mit einer richtigen Karte ausgerüstet! Unglaublich, aber auf ihrer alten Indian Country Map war die Straße zwischen dem Dead Horse Point Abzweig und dem Nationalpark nicht vorhanden! Nur die Potash Road schien in den Island of the Sky District zu führen, ein Unterfangen, von dem sie mit ihrem low clearance PKW bald wieder absehen mussten. Mir schleierhaft wie eine Straßenkarte so arg falsch sein kann und schlimm was das für Folgen haben kann! :(
Kurz darauf schwang sich auch der Deutsche auf sein Radl. Und wir hatten Hunger! Steffen und ich fuhren zurück nach Green River und holten uns eine Kleinigkeit zum Essen. Jetzt schon nach Denver? Die Neugierde ließ uns noch einmal hinunter zum Fluss fahren. Es war inzwischen schon nach 3 Uhr… Der Geysir und das Schlammbecken? Nach wie vor ein Crystal „Whirlpool“… und die Sinterterrassen waren auch noch nicht feuchter als zuvor.
Das Einzige, das sich geändert hatte, war eine Gruppe von acht Motorradfahrern, die auf den Sinterterrassen so lange rauf und runter kurvten, bis einer von ihnen eine Reifenpanne hatte. Diese wurde dann auch gleich vor Ort auf den filigranen, orangefarbenen Ablagerungen geflickt. Ist ja schon das zu Fuß darauf Herumgehen nicht das Gelbe vom Ei, aber das!??? Eine „Freude mit anzusehen“… aber wenigstens blieben unsere Ohren jetzt vom Lärm verschont, während sie mit dem Reifenflicken beschäftigt waren…

Waiting for the water...

Kurz nach 3 Uhr hatte sich das Wasser schon fast vollkommen aus dem Becken zurückgezogen.

Motocross auf den Sinterterrassen des Crystal Geyser

Der kaputte Reifen wird repariert

F.A. Barnes schreibt in seinem Buch „Canyon Country Explorer #2“, dass in der Vergangenheit von Besuchern sogar schon mal ein großes Stück der Travertinterrasse entfernt und mit nach Hause transportiert wurde. Irgendwie erinnerte uns hier leider so einiges an den gestrigen Tag bei der Aztec Butte Granary. :(
Unsere Augen wollten sich das nicht länger anschauen… ebenso wenig wie das klägliche Geblubber rund um das Rohr! Um halb 4 räumten wir das Feld. Es war nun 20,5 Stunden her, dass der Crystal Geysir zum allerletzten Mal ausgebrochen war…

Fazit: Das „waiting for the water“ kann ich eigentlich niemanden empfehlen. Es ist pures Glück, ob der Geysir gleich losgeht oder ob er auch nach fast einem Tag noch immer kraftlos vor sich hin blubbert…
Auch eine kleine Echse leistete uns Gesellschaft.Im Yellowstone ist man wenigstens von vielen Tieren und einer großartigen Landschaft umgeben. Hier brennt einem nur die Sonne auf den Kopf und man sieht nichts außer einem kargen, grauen Hügel und einem schmutzig braunen Green River. Im nahegelegenen Dinosaur Quarry gibt es zahlreiche Riesenechsen (in fossiler Form), und auf den heißen Steinen rund um den Geysir lauert so die eine oder andere Miniaturausgabe (wenn es wenigstens collared lizards gewesen wären…). Auch die Form und Farbenpracht der Sinterterrassen steht in keiner Relation zu jenen im Nationalpark! Es ist eine Abwechslung zum wüstenhaften San Rafael Swell, aber ohne einen richtigen Ausbruch, auch nicht viel mehr als das.
Wir haben uns jedenfalls geärgert, dass wir stattdessen nicht länger in der Mesa Mall in Grand Junction verweilen konnten (bei Gymboree Sachen für Kleinhuschel kaufen :) ). Außerdem habe ich am Weg nach Denver am Straßenrand in der Umgebung der Utah Milemarkers 170 bis 180 unzählige Präriehunde entdeckt, die alle Männchen machend am Rand ihrer Erdlöcher standen. Unendlich süß! Nächstes Mal muss dort unbedingt länger angehalten werden! :)
Ob es ein Wiedersehen mit dem Blubberbecken gibt, darüber sind wir uns noch nicht einig. Bestenfalls als netten Platz um abends mal das Auto zum Carcampen abzustellen! ;)

Lage: knapp 9 mi südöstlich von Downtown Green River, UT

Anfahrt: Da die handgezeichnete Karte, die man derzeit im John Wesley Powell Museum erhält, nur mäßig überzeugend ist und sich der PKW unmittelbar vor uns sogar verfahren hat, hier noch eine kurze Übersicht zur Route. Verlässt man die I-70 in Green River beim Exit 164 so geht es nicht nach Nordwesten über die Main St. ins Stadtzentrum sondern für wenige Meter in die entgegengesetzte Richtung, d.h. nach Süden und dann nach links auf eine relativ schlechte, alte Asphaltstraße (GPS: 38°58’26″N, 110°07’17″W; NAD83). Dieser folgt man für ca. 2,3 mi nach Osten und biegt dann auf die Little Valley Rd. nach rechts ab (38°57’24″N, 110°05’17″W). Diese gute Schotterpiste führt durch eine farbige Badlandslandschaft in Richtung Süden auf den Green River zu. Den ersten Abzweig nach rechts unmittelbar nach einigen engeren Kurven sollte man ignorieren. Erst nach 3,5 mi gravel road zweigt man nach rechts ab (38°56’05″N, 110°07’47″W) und erreicht nach weiteren 0,5 mi das nicht übersehbare rosarote Metallrohr des Geysirs (38°56’17″N, 110°08’08″W). Das Auto kann man in unmittelbarer Nähe abstellen, entweder auf der Anhöhe davor oder auch dahinter direkt am Flussufer.
Bei Trockenheit sollte die Anreise in der Regel auch mit einem PKW unproblematisch sein.

Links: Hier zum Abschluss noch einen Link zu ein paar schönen Bildern vom Crystal Geysir in Aktion und hier gibt es näheres zum Thema Kaltwassergeysire und zur bedeutenden Dinosaurierfundstelle Crystal Geyser Quarry.