Blaue Moorfrösche in der Oberlausitz

Nur für wenige Tage im Jahr verfärben sich die männlichen Moorfrösche tiefblau.Heute auf den Tag genau vor einem Jahr hatte es endlich geklappt! Schon lange wollten wir mal das kurze Naturspektakel fotografieren. 2025 hat das Timing gepasst. Jedes Jahr so gegen Mitte/Ende März sorgen die kleinen Moorfrösche für herrliche Farbtupfer im graubraunen Einerlei des ausklingenden Winters. Dann legen sich die männlichen Tiere ein tiefblaues “Balzkleid” zu und begeben sich auf Brautschau im seichten Uferbereich der Gewässer. Das bunte Treiben dauert in der Regel nur wenige Tage, meist nicht mal eine Woche. Und so kommt es, dass wir es bis dato nie geschafft hatten zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Am 20. März 2025 war mir durch Zufall auf Facebook ein “Bläuling” aufgefallen, ein Foto von Mario Trampenau das das Oberlausitzer Biospärenreservat am Vortag veröffentlicht hatte. Wie wir später erfuhren, hatte sogar er als Ranger seit 10 Jahren die Frösche nicht mehr so wunderbar aus nächster Nähe gesehen. Bloß gut, dass wir gleich tags darauf, am 21. März, bei den Guttauer Teichen unser Glück versucht haben. Dort angekommen ging ich nur den kurzen Weg vom Haus der Tausend Teiche bis zum ersten Gewässer und schon traute ich meinen Augen und Ohren kaum. :x :x :x

Aus allen Ecken kommen die männlichen Moorfrösche Mitte/Ende März angekrochen und versammeln sich dann an sonnigen Gewässern um eine Partnerin zu finden.
Eine sächsische BLUE MAN GROUP :-)
Die Moorfrösche sehen schon herrlich aus mit ihren großen Augen und bunten Farben.

Da saßen sie, die Kleinen! So ein herrliches Kunterbunt! Der sonnige seichte Uferbereich des Langteichs war voller blauer, glucksender Moorfrösche! Und im Rausch der Hormone hatten sie dort sogar ihre Scheu vor anderen Lebenwesen vorübergehend verloren. Ich habe stundenlang an dem Ufer verbracht, gemeinsam mit 4-5 anderen Fotografen. Steffen kam abends dazu, denn er hatte sich tagsüber seinen Eisvögeln gewidmet. Und am darauffolgenden Tag saßen wir dann gemeinsam im Norden des Schilfteichs, denn beim Langteich war kaum mehr etwas los. Am 23.3 war Steffen alleine noch einmal vor Ort, aber die Menge an blauen Fröschen hatte sich da schon deutlich reduziert.

Perfekt für Fotos war auch der Kontrast zwischen den blauen Moorfröschen und dem Schilf, das durch die tiefstehende Sonne golden leuchtete und sich im Wasser spiegelte.
Durch leichte Windstöße bewegte sich dann noch die Spiegelung. Das erinnerte mich fast an ein impressionistisches Gemälde - und mittendrin der herrlich blaue Frosch.
An dem Abend habe ich wirklich Unmengen an Fotos von den kleinen Moorfröschen gemacht

Die Intensität der Färbung variiert ohnehin enorm. Der “Blaumann” wird gerade mal für 5-7 Tage angelegt und er wirkt selbst im Verlauf eines Tages unterschiedlich intensiv. Mittags in der Wärme ist das Azur schöner als abends, wenn es wieder kühler wird. Auch an trüberen Tagen sind die Frösche nicht so farbintensiv und sie glucksen und blubbern weniger lebhaft. An sonnigen Tagen beginnen sie damit schon vormittags. Kurioserweise waren sogar leicht lilafarbene und rosarote Frösche dabei.

Die (braunen) weiblichen Moorfrösche haben wirklich keine Probleme einen Partner zu finden.
Kaum angekommen beim Teich, wird sie schon von allen Seiten besprungen, bis sich dann einer der männlichen Frösche durchsetzt und nicht mehr von ihr ablässt.
Und immer mit einem Nebenbuhler im Nacken... :-)

Wer am meisten auffällt, hat die besten Chancen die Frauen(frosch)welt zu beeindrucken – so dachte ich zumindest, bis ich die offiziellen Broschüren zum “Lurch des Jahres 2025” gelesen habe. Zitat: “In Versuchen hat man herausgefunden, dass die Moorfrösche mit der auffälligen blauen Farbe nicht die Damen beeindrucken, sondern sich lästige Männchen vom Hals halten wollen.” (-> PDF).
Funfact also: Die armen Kerle versuchen da wohl nur ihresgleich abzuwehren. Die Hormone spielen verrückt und die Artgenossen sind so liebestoll, dass alles was nicht blau ist blitzschnell angehüpft und untergetaucht wird. :D
Letzteres haben auch wir beobachten dürfen, als ein weiblicher Moorfrosch auf der Bildfläche erschien. Die beiden sind dann gefühlt eine Ewigkeit zusammen geblieben und immer wieder zur Eiablage abgetaucht.

Es dauert nicht lange bis man den Laich der Moorfrösche sieht.
Stellenweise bedeckt der Frosch-Laich die ganze Wasseroberfläche.
Feierabend - nach getaner Arbeit hängen sie dann ab, die Männer ... ;-)

Die übrige Zeit des Jahres sieht man gut, warum er zu den Braunfroscharten zählt. Außerhalb der Paarungszeit sind Moorfrösche von den Spring- und Grasfröschen nicht ganz so leicht zu unterscheiden. Nur im direkten Vergleich könnte es gelingen: Moorfrösche sind etwas zierlicher (nur 4-6 cm groß) und haben eine kürzere, zugespitzte Kopfform. Außerdem besitzen sie einen deutlich größeren Fersenhöcker, aber welcher Laie soll das erkennen können. ;)

Und auch jeden Abend, sobald die Sonne tiefer steht, wird es wieder ruhiger an den Teichen. Der hier hockte auf einem Schilfhalm, der noch angeleuchtet wurde.Moorfrösche sind weitverbreitet – von Nordfrankreich bis zum Baikalsee und von Nordfinnland bis nach Kroatien. In Deutschland steht er auf der Roten Liste und gilt als “stark gefährdet”. Mancherorts ist er sogar “vom Aussterben bedroht”. Moorfrösche kommen vor allen in den neuen Bundesländern vor. Die Moore, Feuchtwiesen, Auwälder oder die amphibienfreundlich bewirtschafteten Fischteiche der Oberlausitz in Sachsen sind ein perfektes Revier für sie. Ihr lateinischer Name “Rana arvalis” bedeutet zwar “auf dem Feld lebender Frosch”, aber die deutsche Bezeichnung trifft da eher zu. Mit der Wanderung zu den Laichgewässern beginnen sie bei Tagestemperaturen um die 10-12 °C, sind dabei aber überwiegend nachts bei  5-8 °C unterwegs. In den Teichen halten sie sich zur Laichablage dann etwa 2-3 Wochen auf, üblicherweise an einem sonnigen Fleckchen, wo die Wassertemperatur etwas höher ist. Ein Laichballen kann 500-2.000 Eier enthalten. 2-3 Wochen später schlüpfen kleine Kaulquappen. Die komplette Metamorphose bis zum kleinen Frosch dauert in unseren Breitengraden meist über zwei Monate, andernorts geht es mitunter auch deutlich schneller.

Neben der Oberlausitz gibt es in Sachsen noch ein zweites vielversprechendes Gebiet: die Flussauen der Mulde, Weißen Elster und Luppe (im Speziellen die Papitzer Lehmlachen in der Luppeaue bei Schkeuditz nordwestlich von Leipzig ). Infos dazu hier oder hier.
Wo immer ihr lebt, haltet Ende März die Augen und Ohren offen! :x
Hier abschließend noch drei superkurze Handy-Videos, damit ihr den Balzruf bzw. das typische Glucksen der Moorfrösche erkennt: