Grenzübertritt USA / Kanada auf dem Landweg

Wer eine Reise in den Nordwesten der USA oder in den Südwesten von Kanada plant, der liebäugelt nicht selten mit einem Abstecher ins Nachbarland. Nur rund 200 km Autobahn trennen die zwei Metropolen Seattle und Vancouver, spannend ist auch die Fährfahrt nach Vancouver Island durch die San Juan de Fuca Islands ab Anacortes oder von der Olympischen Halbinsel zum Hafen im Zentrum von Victoria. Ähnliches gilt für den Glacier Nationalpark im US-Bundesstaat Montana, auch dort lockt eine Stippvisite in den angrenzenden Waterton Lakes NP in Kanada (der Red Rock Canyon z.B. zählt zu unseren Lieblingsschluchten im Südwesten… Kanadas! ;) ). Da wir letztes Jahr gleich an mehreren Border Controls ein- und ausgereist sind und festgestellt haben, dass im Internet die Infos zum Thema “I-94 und ESTA” etwas unübersichtlich sind, gibt es hier einige Tipps zum Grenzübertritt “USA / Kanada”.

Voraussetzung für die Einreise in die USA

(Stand April 2026)
Staatsbürger eines Visa-Waiver-Lands benötigen für einen USA-Urlaub, der nicht länger als 90 Tage dauert, bei der Einreise mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff in der Regel nur:

  • einen gültigen biometrischen Reisepass,
  • eine ESTA-Registrierung (Electronic System for Travel Authorization) sowie
  • ein Rückflugticket innerhalb der 90-Tage-Frist.

Es gibt aber auch Ausnahmen (bei Doppelstaatsangehörigkeit usw.), alle Infos dazu u.a. hier (mit Liste der Visa-Waiver-Länder) oder unter den FAQs auf der offiziellen Webseite der Homeland Security.
Weitere Voraussetzung ist die Übermittlung der APIS-Zusatzdaten, die bei der Buchung automatisch gespeichert werden oder spätestens am Airport vor dem Abflug anzugeben sind. Dieses sog. “Advance Passenger Information System” dient zum Abgleich mit Watchlisten und beinhaltet die Angabe der ersten Adresse während des USA-Aufenthalts (z.B. vom gebuchten Hotel), der Reisepassnummer sowie des Landes mit dem Hauptwohnsitz.
Signifikant beschleunigen lässt sich die Einreise seit 2024 per MPC-App. Alle Infos dazu hier im Blog unter -> “Mobile Passport Control bei der Einreise in die USA“.

Bei der Einreise auf dem Landweg oder mit der Fähre war bis Oktober 2022 ESTA nicht erforderlich, mittlerweile ist auch dann ESTA Pflicht! Zusätzlich muss für die Einreise ein I-94-Formular vorhanden sein und eine Gebühr von 30 USD per Kreditkarte oder PayPal entrichtet werden (2025 wurde die Gebühr von 6 USD auf 30 USD erhöht!). Bei Ankunft mit dem Flieger an einem US-Airport erledigt das die Fluggesellschaft, am Landweg muss man sich selber daraum kümmern. Das I-94-Formular kann vor Ort oder bis zu 7 Tage vorher online ausgefüllt werden (Link).

Im Sommer 2017 sind wir gleich an unserem ersten Reisetag von Vancouver auf der Interstate 5 in Richtung Seattle gefahren. Beim “Port of Entry” am Peace Arch wurden wir schon damals sofort nach einer vorhandenen ESTA-Bewilligung gefragt. Unser Immigration Officer meinte sogar, dass uns bei vorhandener ESTA-Bewilligung die längere Einreiseprozedur erspart geblieben wäre, weil man bei ihm dann kein I-94 mehr ausfüllen hätte müssen. Warum er das gesagt hat, weiß ich nicht. Denn auch heute in 2026 ist es auf dem Landweg noch so, dass man I-94-Formular vorweisen muss. Erspart bleibt einem das nur, wenn man während der letzten 90 Tage schon mal in die USA eingereist ist.
Aber unsere Einreise im Sommer 2017 war sowieso sehr seltsam. Der US-Grenzbeamten hat unser vorab im Internet bewilligtes I-94-Formular bei sich im System gefunden, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass jeder von uns ein neues ellenlanges I-94-Einreiseformular mit den üblichen Fragen (bis hin zum “Namen der Großmutter”…) in die Hand gedrückt bekam.
Das I-94 Formular beim Peace Arch (doppelseitiges A4-Blatt) enthielt dann weitaus mehr Fragen als die Online-Version, die wir nur wenige Tage zuvor ausgefüllt hatten, und es ähnelte eher dem ESTA-Antrag. Vielleicht hatten die gerade ihr System umgestellt? Wie auch immer, zum Glück mussten wir uns nach dem Ausfüllen des I-94-Formulars nicht wieder ganz hinten anstellen. Denn die Warteschlange war in der Zwischenzeit ganz schön lang geworden…

Während man die Formalitäten erledigt, kontrollieren die Beamten übrigens stichprobenartig die Fahrzeuge. Bei einigen Anwesenden dauerte der Aufenthalt an der Grenzstation dadurch noch länger. Man sollte also genau auf die Zollbestimmungen achten (siehe unten).

Ist alles OK, bekommt man einen Aufenthaltsstempel sowie einen grünen Zettel in den Pass geheftet und darf zurück zum Auto. Dann gilt es nur noch bei der Ausfahrt im letzten Grenzhäuschen die Mitteilung vom US-Officer vorzuweisen und gleich darauf heißt es “Welcome to the United States”.
Alles in allem, hat das ganze Prozedere bei uns fast eine Stunde gedauert. Und das trotz des geringen Verkehrsaufkommens am Sonntagmorgen und praktisch null Wartezeit vor dem ersten Grenzhäuschen.

Voraussetzung für die Einreise nach Kanada

(Stand April 2026)
Analog zu den USA, benötigen deutsche, österreichische und schweizer Staatsbürger bei die Einreise nach Kanada mit dem Flugzeug (auch im Transitverkehr!) einen biometrischen Reisepass, APIS sowie eine elektronische Einreisegenehmigung (eTA = Electronic Travel Authorization), die schnell und unkompliziert online beantragt werden kann -> Link. Die Gebühr wurde während der letzten 10 Jahrem  nicht erhöht und beträgt nach wie vor 7 CAD.
Vor Ort läuft dann – mit etwas Glück – alles etwas schneller als in den USA ab. Fingerabdrücke werden gescannt, Foto wird geschossen und dann hat der Officer der CBSA (Canada Border Services Agency) ev. noch ein paar Fragen und schon darf man weiter.

Bei der Einreise per Auto, Bus oder Zug auf dem Landweg sowie mit der Fähre auf dem Seeweg ist derzeit in Kanada noch keine elektronische Erlaubnis (eTA) erforderlich.

Die Wiedereinreise nach Kanada oder in die USA

Generell gilt: Man kann beliebig oft in die USA und Kanada ein-/ausreisen, sofern man sich noch innerhalb des bei der ersten Einreise bewilligten Zeitrahmens von 90 Tagen befindet. Nach 30 Tagen im “Ausland” muss man allerdings – sofern man nicht mit ESTA unterwegs ist – das I-94-Formular erneut ausfüllen.

Die mehrfachen Ein- und Ausreisen während unserer 4-wöchigen Tour gestalteten sich bei uns auch äußerst unkompliziert. Nach einem kurzen Abstecher zum Mount Rainier ging es über das Okanogan Country zurück nach Kanada. Beim Grenzposten in Oroville / Osoyoos schaute man nur kurz in unsere Pässe und ließ uns weiterfahren. Sie hatten uns ja schon im System und nicht mal nach mitgebrachten Lebensmitteln oder anderen Waren wurden wir gefragt. Fast noch flotter ging die Wiedereinreise in die USA beim Waterton/Glacier Nationalpark. Bei der Chief Mountain Station ist man gut auf Touristen eingestellt, und auf die Frage “Wohin wollen Sie in den USA?” werden sie wohl in fast allen Fällen “Glacier Nationalpark” als Antwort hören. Entsprechend schnell sind wir nach dem Reisepass-Check auch durchgewunken worden.

Tipps zu den Grenzstationen

Eine gute Hilfe ist die Webseite mit den Border Entry Times. Ihr kann man entnehmen, welche Grenzstationen offen haben, wie viele Fahrspuren dorthin führen und mit welchen Wartezeiten zu rechnen ist. Interessant sind vor allem die zwei “Ports of Entry” bei Blaine an der Strecke zwischen Seattle und Vancouver, denn die Station “Pacific Highway” befindet sich nur wenig landeinwärts und ist eine Option, die man in Betracht ziehen kann, sollte es Verzögerungen bei der Einreise über die Interstate (“Peace Arch” Station) geben. Ggf. kommt bei Ziel “Mount Baker Wilderness (Straße #542) auch “Lynden” oder “Sumas” in Frage. Das kanadische Pendant mit den Öffnungs- und Wartezeiten findet man unter https://www.cbsa-asfc.gc.ca/bwt-taf/menu-eng.html.

Als “Wait Time” wird auf beiden Portalen allerdings die Zeit genannt, die die eigenen Staatsbürger benötigen, um die Grenze zu passieren. Ausländische Touristen müssen nach dem ersten kleinen Grenzpostenhäuschen ihr Fahrzeug abstellen und in das Einreisegebäude hineingehen. Ich schreibe das hier so explizit, denn vor Ort beim “Peace Arch” war nichts ausgeschildert und es wird einem auch rein gar nichts erklärt. Man darf “erahnen”, was man zu tun hat. Den Klebezettel, den man vom ersten US-Grenzbeamten erhält, der kommt an die Windschutzscheibe, das Auto parkt man im überdachten Bereich und geht dann hinein in das große Gebäude. Dort drinnen bietet sich dasselbe Bild, das man schon von Flughäfen kennt. Eine Reihe von US Immigration Officers und davor die üblichen Warteschlangen, nur dass diese (hoffentlich! ;) ) hier deutlich kürzer sind.

Einreise mit der Fähre

Wie bereits oben erwähnt, wird bei der Einreise nach Kanada mit der (Auto-)Fähre keine eTA benötigt. Wer von Kanada nach Port Angeles oder Seattle fahren möchte, braucht ESTA und sollte außerdem unbedingt darauf achten überpünktlich beim Check-in zu erscheinen. Man wird von den US-Beamten der Homeland Security noch in Kanada ge”clear”t (ich muss immer über dieses Wort schmunzeln :) ). D.h., die ganze Einreise-Prozedur muss in Victoria erledigt werden und bevor man an Bord des Schiffes darf. Daher dort unbedingt extra Zeit einplanen!
In der Gegenrichtung läuft alles viel entspannter ab. Beim Ticketabholen wurden in Port Angeles die Pässe nur kurz angeschaut und nach der Landung in Victoria mussten wir nicht mal das Auto verlassen. Von der Fähre führten die Fahrbahnen zu mehreren Drive-tru-Grenzhäuschen, ein schneller Blick in unsere Pässe und schon wurden wir durchgewunken. So gefällt mir eine Grenzüberquerung am besten! ;)

Ähnliches trifft übrigens auch bei der Zugfahrt von Vancouver nach Seattle zu. Hier findet die “US Immigration” bereits am Bahnhof von Vancouver statt.

Zollbestimmungen bei der Einreise auf dem Landweg

Woran mancher vielleicht beim “kurzen Abstecher” über die Grenze nicht denkt:
Beschränkungen gibt es nicht nur bei der Einfuhr von Alkoholika, Zigaretten, Geschenken oder Bargeld, sondern auch bei Obst, Gemüse und Fleischwaren. Je nach Grenzübergang gelten mitunter unterschiedliche Restriktionen. Am besten liest man sich die Regeln genau durch (oder isst alles Bedenkliche vorher auf…):

Wer sich nicht daran hält, dem drohen hohe Strafen. Das Geld investiert man besser woanders. ;)

Auch manche Sorten von US-Bärenspray sind bei der Einreise nach Kanada ein Problem, da das Mitführen von Pfefferspray-Dosen in Kanada gemäß Waffengesetz illegal ist.

Und noch wichtig für Camper: Feuerholz darf nicht ins Nachbarland mitgenommen werden (-> Link). Zum besseren Schutz vor Schädlingen, sollte man es eigentlich nicht einmal innerhalb einer Provinz oder eines US-Bundesstaates weit herumtransportieren.

Tipps zu USA-KANADA-Rundreisen

An dieser Stelle noch eine Empfehlung für alle, die demnächst eine Rundreise durch beide Länder planen:
Das Vergleichen der Flug- und Mietautopreise an grenznahen Stationen lohnt sich! Wir hatten für letztes Jahr zunächst einen Flug nach Seattle reserviert, uns dann aber durch die Nachrichten hinsichtlich eines möglichen “Kamera-Verbots” im Handgepäck verunsichern lassen, so dass wir noch Vancouver als Ausgangspunkt der Reise in Betracht gezogen haben. Und siehe da: “Flug und Auto” kosteten ab Vancouver zu unseren Reisedaten um ganze 300 Euro weniger! In der Vergangenheit war das eher selten der Fall, meist kam die Anmietung des Fahrzeugs in Kanada um einiges teurer als in den USA.
Auch wenn das für uns dann zwei Grenzübertritte mehr sowie ein Plus an Kilometern bedeutet hat, fiel uns die Entscheidung nicht schwer, denn so ließ sich Vancouver Island plötzlich deutlich besser in die Reiseroute einbauen.

Reiseführer Kanada Südwest / USA NordwestUnd dann last but not least noch ein Tipp zum Thema “Reiseführer“: Für alle, die nächstes Jahr einen Urlaub in den Nordwesten der USA und/oder Südwesten Kanadas planen, erscheint Anfang Dezember (noch pünktlich vor Weihnachten! :) ) im Reise Know-How Verlag ein neuer Reiseführer. Er beinhaltet nicht nur alle wichtigen Sehenswürdigkeiten an der Pazifikküste zwischen San Francisco und Prince Rupert, im Kaskadengebirge und im Bereich der Rocky Mountains zwischen Jasper und Denver, sondern beschreibt auch Routen durch eher entlegenere, weniger bekannte Gebiete im Südosten Oregons sowie die herrlichen Badlands von South/North Dakota, Wyoming und Alberta.
Reiseführer Kanada Westen mit AlaskaUpdate Dezember 2018: Es ist ab sofort im Handel erhältlich, z.B. unter amazon.de (mit Klick auf diesen Affiliate-Link unterstützt ihr uns, danke! :) ). Mehr Details zu diesem Buch hier im Blog unter -> “Kanada Südwest/USA Nordwest“.
Update Februar 2020: Das Thema “Einreise auf dem Landweg” spielt meist auch eine große Rolle beim Urlaub im “hohen Norden”. Auf den üblichen Rundtouren muss man dort gleich mehrfach die Alaska-/Yukon-Grenze überqueren. Mit diesem Reisegebiet beschäftigt sich das ebenfalls im Reise Know-How Verlag erschienene Buch “Kanada Westen mit Alaska” (18. Auflage, 2020), bei dem ich auch als Autorin mitwirken durfte (erhältlich u.a. bei amazon.de; mit Klick auf diesen Affiliate-Link unterstützt ihr uns, danke! :) ).