Grenzübertritt USA / Kanada auf dem Landweg

Wer eine Reise in den Nordwesten der USA oder in den Südwesten von Kanada plant, der liebäugelt nicht selten mit einem Abstecher ins Nachbarland. Nur rund 200 km Autobahn trennen die zwei Metropolen Seattle und Vancouver, spannend ist auch die Fährfahrt nach Vancouver Island durch die San Juan de Fuca Islands ab Anacortes oder von der Olympischen Halbinsel zum Hafen im Zentrum von Victoria. Ähnliches gilt für den Glacier Nationalpark im US-Bundesstaat Montana, auch dort lockt eine Stippvisite in den angrenzenden Waterton Lakes NP in Kanada (der Red Rock Canyon z.B. zählt zu unseren Lieblingsschluchten im Südwesten… Kanadas ;) ). Da wir letztes Jahr gleich an mehreren Border Controls ein- und ausgereist sind und festgestellt haben, dass im Internet die Infos zum Thema “I-94 oder ESTA?” nicht leicht zu finden sind, und Freunden von uns heuer im August ähnlich ging, gibt es an dieser Stelle einige aktuelle Tipps zum Grenzübertritt “USA / Kanada”.

Voraussetzung für die Einreise in die USA

(Stand November 2018)
Staatsbürger eines Visa-Waiver-Lands benötigen für einen USA-Urlaub, der nicht länger als 90 Tage dauert, bei der Einreise mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff in der Regel nur:

  • einen gültigen biometrischen Reisepass,
  • eine ESTA-Registrierung (Electronic System for Travel Authorization) sowie
  • ein Rückflugticket innerhalb der 90-Tage-Frist.

Es gibt aber auch Ausnahmen (bei Doppelstaatsangehörigkeit usw.), alle Infos dazu u.a. hier (mit Liste der Visa-Waiver-Länder) oder unter den FAQs auf der offiziellen Webseite der Homeland Security.
Weitere Voraussetzung ist die Übermittlung der APIS-Zusatzdaten, die bei der Buchung automatisch gespeichert werden oder spätestens am Airport vor dem Abflug anzugeben sind. Dieses sog. “Advance Passenger Information System” dient zum Abgleich mit Watchlisten und beinhaltet die Angabe der ersten Adresse während des USA-Aufenthalts (z.B. vom gebuchten Hotel), der Reisepassnummer sowie des Landes mit dem Hauptwohnsitz.

Bei der Einreise auf den Landweg oder mit der Fähre, so heißt es überall, entfällt ESTA und man muss vor Ort ein I-94-Formular ausfüllen. Auch besteht die Option, das schon vorab zu erledigen (Link) und dabei gleich die Gebühr von 6 USD per Kreditkarte oder PayPal zu entrichten. Dass dies jedoch nicht an jeder Grenzstation sinnvoll ist, haben wir 2017 gleich an unserem ersten Reisetag gemerkt, als wir von Vancouver auf der Interstate #5 in Richtung Seattle unterwegs waren. Beim “Port of Entry” am Peace Arch wurden wir sofort nach einer vorhandenen ESTA-Bewilligung gefragt. Wir zeigten dem US-Grenzbeamten unser vorab im Internet bewilligtes I-94-Formular, das er auch bei sich im System wiederfinden konnte. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass jeder von uns ein neues ellenlanges I-94-Einreiseformular mit den üblichen Fragen (bis hin zum “Namen der Großmutter”…) bekam. Das I-94 Formular beim Peace Arch (doppelseitiges A4-Blatt) enthielt interessanterweise auch weitaus mehr Fragen als die Online-Version, die wir nur wenige Tage zuvor ausgefüllt hatten, und es ähnelte eher dem ESTA-Antrag. Das Einzige, das uns erspart geblieben ist, war im Prinzip der Weg hinüber zur Kasse, denn die “fee” von 6 USD/Person hatten wir bereits zu Hause gezahlt. Laut I-94-Webseite sollte man ab 2017 vor Ort eigentlich kein weiteres Formular mehr ausfüllen müssen, wenn man das – so wie wir – schon vorab online erledigt hat und mit diesem 7 Tage gültigen provisorischen I-94 einreist. Warum das bei uns nicht so war, kann ich leider nicht sagen. Inzwischen frage ich mich allerdings, ob das an unterschiedlichen Grenzstationen vielleicht anders gehandhabt wird?

Dass sich US-Grenzbeamte bei der Einreise auf dem Landweg nicht für die ESTA interessierten, wie ich das zuvor im Internet gelesen hatte, können wir also nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil, unser Immigration Officer meinte, dass uns bei vorhandener ESTA-Bewilligung diese längere Einreiseprozedur erspart geblieben wäre.
Wer auf dem Landweg eine gültige ESTA-Registrierung vorweisen kann, macht also sicher nichts falsch!
Auch wir werden beim nächsten Mal gleich ESTA beantragen, denn auf die 8 USD mehr kommt es eigentlich nicht an. Hinzu kommt, dass ESTA 2 Jahre gültig bleibt (I-94 nicht!).

Zum Glück mussten wir uns aber nach dem Ausfüllen des I-94-Formulars nicht hinten wieder anstellen bei der Warteschlange. Diese hatte in der Zwischenzeit doch etwas an Länge gewonnen…
Während man die Formalitäten erledigt, kontrollieren die Beamten stichprobenartig die Fahrzeuge. Das war auch bei einigen Anwesenden der Fall. Man sollte also genau auf die Zollbestimmungen achten und nicht zuviel Alkohol oder kein verbotenes Gemüse/Obst mitführen (bzw. dieses möglichst noch rechtzeitig aufessen…).

Ist alles OK, bekommt man einen Aufenthaltsstempel sowie einen grünen Zettel in den Pass geheftet und darf zurück zum Auto. Dann gilt es nur noch bei der Ausfahrt im letzten Grenzhäuschen die Mitteilung vom US-Officer vorzuweisen und gleich darauf heißt es “Welcome to the United States”.
Alles in allem, hat das ganze Prozedere fast eine Stunde gedauert. Und das trotz des geringen Verkehrsaufkommens am Sonntagmorgen und praktisch null Wartezeit vor dem ersten Grenzhäuschen.

Voraussetzung für die Einreise nach Kanada

(Stand November 2018)
Analog zu den USA, benötigen deutsche, österreichische und schweizer Staatsbürger bei die Einreise nach Kanada mit dem Flugzeug (auch im Transitverkehr!) einen biometrischen Reisepass, APIS sowie eine elektronische Einreisegenehmigung (eTA = Electronic Travel Authorization), die schnell und unkompliziert online beantragt werden kann -> Link.
Vor Ort läuft dann – mit etwas Glück – alles etwas schneller als in den USA ab. Fingerabdrücke werden gescannt, Foto wird geschossen und dann hat der Officer der CBSA (Canada Border Services Agency) ev. noch ein paar Fragen und schon darf man weiter.

Bei der Einreise auf dem Landweg oder mit der Fähre ist nach derzeitigem Stand der Dinge in Kanada ebenfalls keine elektronische Voraberlaubnis (eTA) erforderlich.

Die Wiedereinreise nach Kanada oder in die USA

Generell gilt: Man kann beliebig oft in die USA und Kanada ein-/ausreisen, sofern man sich noch innerhalb des bei der ersten Einreise bewilligten Zeitrahmens von 90 Tagen befindet.

Die mehrfachen Ein- und Ausreisen gestalteten sich bei uns auch äußerst unkompliziert. Nach einem kurzen Abstecher zum Mount Rainier ging es über das Okanogan Country zurück nach Kanada. Beim Grenzposten in Oroville / Osoyoos schaute man nur kurz in unsere Pässe und ließ uns weiterfahren. Sie hatten uns ja schon im System und nicht mal nach mitgebrachten Lebensmitteln oder anderen Waren wurden wir gefragt. Fast noch flotter ging die Wiedereinreise in die USA beim Waterton/Glacier Nationalpark. Bei der Chief Mountain Station ist man gut auf Touristen eingestellt, und auf die Frage “Wohin wollen Sie in den USA?” werden sie wohl in fast allen Fällen “Glacier Nationalpark” als Antwort hören. Entsprechend schnell sind wir nach dem Reisepass-Check auch durchgewunken worden.

Tipps zu den Grenzstationen

Eine gute Hilfe ist die Webseite mit den Border Entry Times. Ihr kann man entnehmen, welche Grenzstationen offen haben, wie viele Fahrspuren dorthin führen und mit welchen Wartezeiten zu rechnen ist. Interessant sind vor allem die zwei “Ports of Entry” bei Blaine an der Strecke zwischen Seattle und Vancouver, denn die Station “Pacific Highway” befindet sich nur wenig landeinwärts und ist eine Option, die man in Betracht ziehen kann, sollte es Verzögerungen bei der Einreise über die Interstate (“Peach Arch” Station) geben. Ggf. kommt bei Ziel “Mount Baker Wilderness (Straße #542) auch “Lynden” oder “Sumas” in Frage. Das kanadische Pendant mit den Öffnungs- und Wartezeiten findet man unter https://travel.gc.ca/returning/border-times.

Als “Wait Time” wird auf beiden Portalen allerdings die Zeit genannt, die die eigenen Staatsbürger benötigen, um die Grenze zu passieren. Ausländische Touristen müssen nach dem ersten kleinen Grenzpostenhäuschen ihr Fahrzeug abstellen und in das Einreisegebäude hineingehen. Ich schreibe das hier so explizit, denn vor Ort beim “Peach Arch” ist nichts ausgeschildert und es wird einem auch rein gar nichts erklärt. Man darf “erahnen”, was man zu tun hat. Den Klebezettel, den man vom ersten US-Grenzbeamten erhält, der kommt an die Windschutzscheibe, das Auto parkt man im überdachten Bereich und geht dann hinein in das große Gebäude. Dort drinnen bietet sich dasselbe Bild, das man schon von Flughäfen kennt. Eine Reihe von US Immigration Officers und davor die üblichen Warteschlangen, nur dass diese (hoffentlich! ;) ) hier viel kürzer sind.

Einreise mit der Fähre

Wie bereits oben erwähnt, wird bei der Einreise mit der (Auto-)Fähre ebenfalls keine ESTA/eTA benötigt. Wer von Kanada nach Port Angeles oder Seattle fahren möchte, sollte allerdings unbedingt darauf achten überpünktlich beim Check-in zu erscheinen. Man wird von den US-Beamten der Homeland Security noch in Kanada ge”clear”t (ich muss immer über dieses Wort schmunzeln :) ). D.h., die ganze Einreise-Prozedur muss in Victoria erledigt werden und bevor man an Bord des Schiffes darf. Daher dort unbedingt extra Zeit einplanen!
In der Gegenrichtung läuft alles viel entspannter ab. Beim Ticketabholen wurden in Port Angeles die Pässe nur kurz angeschaut und nach der Landung in Victoria mussten wir nicht mal das Auto verlassen. Von der Fähre führten die Fahrbahnen zu mehreren Drive-tru-Grenzhäuschen, ein schneller Blick in unsere Pässe und schon wurden wir durchgewunken. So gefällt mir eine Grenzüberquerung am besten! ;)

Ähnliches trifft übrigens auch bei der Zugfahrt von Vancouver nach Seattle zu. Hier findet die “Immigration” bereits am Bahnhof von Vancouver statt.

Tipps zu USA-KANADA-Rundreisen

An dieser Stelle noch eine Empfehlung für alle, die demnächst eine Rundreise durch beide Länder planen:
Das Vergleichen der Flug- und Mietautopreise an grenznahen Stationen lohnt sich! Wir hatten für letztes Jahr zunächst einen Flug nach Seattle reserviert, uns dann aber durch die Nachrichten hinsichtlich eines möglichen “Kamera-Verbots” im Handgepäck verunsichern lassen, so dass wir auch Vancouver als Ausgangspunkt der Reise in Betracht gezogen haben. Und siehe da: “Flug und Auto” kosteten ab Vancouver zu unseren Reisedaten um ganze 300 Euro weniger! In der Vergangenheit war das eher selten der Fall, meist kam die Anmietung des Fahrzeugs in Kanada um einiges teurer als in den USA.
Und auch wenn das für uns dann zwei Grenzübertritte mehr und auch ein Plus an Kilometern bedeutet hat, so fiel uns die Entscheidung nicht schwer, denn so ließ sich Vancouver Island plötzlich besser in die Route einbauen! Ganz herzlichen Dank im Übrigen noch an Rainer für die tolle Beratung und super Abwicklung, Flywest bleibt unser Lieblingsreisebüro! ;)

Reiseführer Kanada Südwet / USA NordwestUnd dann last but not least noch ein Tipp zum Thema “Reiseführer“: Für alle, die nächstes Jahr einen Urlaub in den Nordwesten der USA und/oder Südwesten Kanadas planen, erscheint Anfang Dezember (noch pünktlich vor Weihnachten! :) ) im Reise Know-How Verlag der bereits lang angekündigte, neue Reiseführer “Kanada Südwest/USA Nordwest“. Er beinhaltet nicht nur alle wichtigen Sehenswürdigkeiten an der Pazifikküste zwischen San Francisco und Prince Rupert, im Kaskadengebirge und im Bereich der Rocky Mountains zwischen Jasper und Denver, sondern beschreibt auch Routen durch eher entlegenere, weniger bekannte Gebiete im Südosten Oregons sowie die herrlichen Badlands von South/North Dakota, Wyoming und Alberta. Das Buch befindet sich derzeit im Druck und ist schon vorbestellbar z.B. unter amazon.de. Sobald es dann im Handel erhältlich ist, folgt noch ein ausführlicherer Blog dazu. :)