Die Moritzburger Teiche – Frühlingserwachen vor der Haustür (Teil 1)

Auf den Feldern und Wiesen rund um die Moritzburger Teiche gab es die letzten Wochen über immer viel zu beobachten: hier ein Storch der sich gerade eine Maus geschnappt hat.Was macht man, wenn man sich vorübergehend kaum von zu Hause entfernen darf? Erstaunlich viel zu unserer Überraschung! In Zeiten von “Social Distancing” haben wir uns der Natur in unserer Umgebung umso mehr genähert. Als chronisch Fernsüchtige hat es wohl einen 150 nm kleinen Coronavirus gebraucht, damit die großartigen Dinge vor der eigenen Haustür endlich richtig wahrgenommen werden. Und es wartete tatsächlich auch fast jeden Tag ein neues Highlight auf uns. Mit Fischadlern waren wir gut vertraut aus Übersee (“ospreys“), aber hier saß plötzlich ein Pärchen in seinem Nest nur wenige Kilometer Luftlinie von zu Hause entfernt. Auch durften wir miterleben, wie ein einsamer Fischadler nach vielen Wochen des Wartens doch noch zu seinem Glück fand und wie er dann gemeinsam mit seiner neuen Lebensgefährtin das Abendmahl auf einem Strommasten genoß. Herrlich wie frech die vergleichsweise kleinen Nebelkrähen gegenüber dieser Greifvögel sein können und wie sie sie beim Verspeisen der Fische mehrfach störten! Zwischen Bussarden und Turmfalken herrschte offensichtlich ebenfalls Dauerzwist. Auch Rotmilane schnappten im Sturzflug nach Spatzen und wurden dabei von Mäusebussarden überrascht. Kleine Mäuse starrten mit ihren übergroßen Augen und Ohren wohl nicht nur uns an, auch Meister Adebar fand Gefallen an ihnen und dann hingen sie aus seinem Schnabel. Genau wie der Storch suchten wir im Gras und unter der Blättern auch nach leuchtend grünen Zauneidechsen. Und dann ronn aus einem grusligen Pilz noch rote “Marmelade” heraus!

Die Stadt Dresden hatte deutschlandweit mit die strengsten Verordnungen und wir durften uns ab 23. März vorübergehend nur in einem Radius von 5 km von zu Hause aufhalten, ab 8. April dann zum Glück wieder bis zu 15 km. “Social Distancing” war vor unserer Haustür am Elbufer eher ein Ding der Unmöglichkeit, die Sonne lockte auch alle anderen dorthin. Auf Bewegung wollten wir dennoch nicht verzichten und so fuhren wir auf der Flucht vor den “Menschenmassen” einfach mal ins Blaue. Es ging nordwärts raus aus der Stadt und bei einem der letzten Parkplätze innerhalb unserer 15 km hielten wir dann ganz spontan. Dieser stellte sich schon bald als Volltreffer heraus und sollte uns zu Coronazeiten viele schöne Stunden bescheren. Und da sich dort ein kleiner Verkaufsstand befand, wurden wir obendrein immer mit frischgestochenem, regionalem Spargel versorgt… hmmm! :sun:

Besonders hübsch war unser Corona-Wäldchen nicht, aber immerhin in Naturdenkmal!
Und ab und an boten sich interessante Lichtstimmungen und Motive, die ich allerdings anfangs nur mit dem Handy fotografiert habe (entsprechend die Qualität...)
Auch die frischen Triebe waren z.T. sehr schön, hier die ersten Ahornblüten und -blätter.

Ziellos und ohne Plan sind wir ausgehend von diesem Parkplatz einfach in den Wald hineinspaziert und mussten bald feststellen, dass er sogar Teil eines Landschaftsschutzareals war, dem Friedewald und Moritzburger Teichgebiet. Wir hatten anfangs bei unseren Ausflügen meist nichts dabei, nicht mal das Handy. Daher wird vieles einfach so in unserer Erinnerung bleiben müssen (und drum auch der viele Text hier… B) ). Gegen Ende der Beschränkungen haben wir dann aber doch immer mehr Fotos mit dem Handy oder sogar mit der Kamera gemacht.
Die 1,5-3 Stunden in dieser feuchten Wald- und Wiesenlandschaft waren immer Erholung pur und so abwechslungsreich, dass wir uns jeden Abend – nachdem Steffen sein Homeoffice beendet hatte – schon darauf freuten. Fasziniert haben wir der Natur beim Erwachen zugesehen. Tag für Tag wurden die anfangs winzig kleinen grünen Triebe eine Spur größer – wie schön die neuen Buchenblätter sind und wie wunderbar der Ahorn gleich zu Beginn blüht! Und plötzlich ging alles ganz schnell und das Grün im Wald explodierte regelrecht. Zudem schmückten sich ständig weitere Blumen mit neuen Farbtupfern. Erstaunlich was es da nicht alles an uns bislang unbekannten botanischen Namen gab! Und welch wunderbare Düfte oft in der Luft lagen! Gute, sehr gute, aber auch absolut scheußliche! Wer die Blüten der Vogelbeeren noch nie gerochen hat, sollte sich das für nächsten Mai vornehmen! Irre über welche Entfernungen die ihren Urin- und Aas-Gestank verbreiten können! Etwas weniger intensiv, aber dennoch nicht viel besser die Weißdornblüten.
Auch um den Hahnenfuß, der von einem anderen Besucher tatsächlich als Blumenstrauß (!) gepflückt wurde, machten wir lieber einen großen Bogen… Die Arme, die damit beglückt wurde… ;)

Vieles duftete in unserem Wäldchen wunderbar, aber die Vogelbeeren bzw. ihre Blüten waren horrende Stinker!
Nicht viel besser der Geruch, mit dem der blühenden Weißdorn Käfer und Fliegen anlockt...
Auch sie ergrünt im Frühling, die männliche Zauneidechse
Zauneidechsen sind zwar flink und scheu, aber wenn man sich ihnen ganz langsam nähert, lassen sie einen doch erstaunlich nahe ran. Hier im Auge erkennt man hier sogar Steffen und mich. :-)
Auch sehr farbenprächtig ist die Raupe des Weidenbohrers. Aber die Falter, die nach ein paar Jahren aus ihnen entstehen, sind dann weniger hübsch (graubraune mottenartige Nachtfalter...).
Davon gab es an sonnigen Wegen besonders viele: Zitronenfalter. Diese Schmetterlinge sind erstaunlich, sie leben rund 1 Jahr lang, überstehen den Winter und sind somit die langlebigsten in Europa.

Und zwischen den farbenfrohen Blümchen am Wegesrand zeigte sich sogar noch mehr Buntes. Smaragdeidechsen kannte ich von Österreich, aber Steffen – als großer Fan von Halsbandleguanen im amerikanischen Südwesten – war begeistert, was für hübsche Echsen “vor unserer Haustür” leben. Im Frühjahr zur Paarungszeit schmücken sich männliche Zauneidechsen erwartungsvoll mit grellgrüner Farbe. Sie sind in vielen deutschen Bundesländern selten bzw. stark gefährdet und wurden daher vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) offiziell zum “Reptil des Jahres 2020” gewählt. Wie passend auch für uns, hatten wir sie zuvor doch noch nie gesehen! ;)
Anders verhält es sich mit Ringelnattern und Blindschleichen, die waren uns wohlbekannt – wenn vielleicht aber nicht in dieser Anzahl! An einem Tag sind wir sogar mehrfach über sie “gestolpert”.
Auch außerhalb der Wälder bei den Wiesen musste man aufpassen, dass man den Schmetterlingen nicht zu nahe kam. Sie flatterten nicht nur friedlich zwischen den Blumen hin und her, sondern spreizten auf den Wegen ihre Flügel der Sonne entgegen. Neben Pfauenaugen, Kleinen und Großen Füchsen und Zitronenfaltern war da für uns noch eine ganz neue Schmetterlingsart dabei, die hübschen Aurorafalter mit ihren orangefarbenen Flügelenden. NABU hat eine schön übersichtliche Seite, mit denen man die einzelnen Arten schnell identifiziert hat (-> Link).

Und wir erweitern unsere Sprachkenntnisse und lernten neue Vokablen. Mitte Mai hatten die Förster an allen Zugängen neue Plakate angebracht mit Hinweisen zur “Brut- und Setzzeit”. Rehen sind wir bei unseren abendlichen Spaziergängen das ein oder andere Mal begegnet, nur beim “Setzen” (=gebären) haben wir sie dann doch nicht beobachten dürfen. Plural im Übrigen nur deshalb, weil ich “das” Vokabel (österr.) und Steffen “die” Vokabel sagt. Wir konnten uns nicht einigen. ;-)

Schilder an denen wir eine Zeitlang praktisch jeden Abend vorbeikamen
Dieser Frühling hatte neue Vokabeln für uns parat: die SETZZEIT.
Bei uns *saß* das Reh aber einfach nur so im Feld. ;-)
Die sitzen gern auf Bäumen und man hört sie schon von Weitem, entweder durch ihre eigenwilligen Rufe oder durch ihr Hämmern. Im Friedewald leben Schwarz-, Grün- und Buntspechte.
Eine der wenigen Vogelarten, die selbst wir nach kurzer Zeit am Gesang erkannt haben: Der Buchfink hat zum Glück nur eine recht kurze Melodie und die jodelt er immer auf und ab.
Für unsere Ohren nicht zu identifizieren, aber dafür lassen sie sich gut an ihrem Gefieder erkennen: Anfang April waren ganze Scharen von Goldammern auf den frisch umgepflügten Feldern unterwegs, im Mai wurden sie dort dann allmählich von den Staren abgelöst.

Noch gerade in dem 15-km-Umfeld lag mitten in unserem Wäldchen der Johann-Georgen-Teich und Steingrundteich. Stockenten und Blässhühner waren auf diesen Gewässern allgegenwärtig, Haubentaucher, Reiherenten und Schellenten ebenso. Letztere haben eine auffällig weiße “Wange” und wir kannten sie bisher nicht. Am meisten hat uns dort aber der seltsame Schleimpilz fasziniert, dem ich schon einen extra Blog gewidmet habe. Einmal entdeckten wir auch ein Kranichpaar im Schilf, sonst hielten diese eleganten Tiere eher auf den frisch umgepflügten Feldern Ausschau nach kleinen Leckerbissen. Viel öfter im Acker anzutreffen waren Störche und große Gruppen von Goldammern, die im Lauf der Wochen dann aber von Starenschwärmen abgelöst wurden.

Den ganzen April über waren bei den Feldern auch immer viele Greifvögel anwesend, mit zunehmender Graslänge sind sie dann allmählich in andere Reviere abgewandert. Schade, aber die ersten Wochen waren echt toll!
Mit Turmfalken ist man auch als Städter wohlvertraut. Einen, der beim Biergarten bei uns gleich um die Ecke im Dachstuhl zur Welt kam, durften wir ja vor ein paar Jahren sogar ganz offziell auf den Namen “Neupieschner” taufen (-> Turmfalken beim Brauhaus Watzke). Und immer wieder kann man am Weg in die Stadt auf den Elbwiesen einen der vielen hier beheimateten Turmfalken beim Jagen beobachten. Sehr scheu sind sie nicht. Aber so nah wie südlich von Moritzburg sind wir dann doch noch nie an diese kleinen Vögel rangekommen. Abgelenkt durch die etwas übergroße Beute (eine rieisge Maus oder Ratte) in seinen Krallen flog er direkt über unsere Köpfe hinweg. Und es verging kein Tag an dem wir nicht mindestens 3-4 Turmfalken gleichzeitig bei ihren mehr oder weniger erfolgreichen Jagdversuchen beobachten konnten.
Auch auf die deutlich größeren Mäusebussarde war Verlass. Die zogen regelmäßig ihre Kreise am Himmel und meist sogar in Gruppen von 4 oder 5. Herrlich war vor allem auch – wie oben schon geschildert – die Interaktion der unterschiedlichen Greifvogelarten. Leider haben unsere zwei Fischadler-Pärchen in ihre schon von weitem sichtbaren Nester auf den Strommasten dieses Jahr keine Eier gelegt. Oder es ist während der Brut irgendetwas schief gelaufen (Nestplünderung o.ä.). Es soll aber häufig vorkommen, dass sie für das Folgejahr auch nur “üben”. Wir werden das 2021 verfolgen! ;)

Mehrfach durften wir beobachten wie die Fischadler mit ihrem Abendmahl angeflogen kamen, hier wahrscheinlich mit einer Rotfeder bzw. Plötze.
Ab 20. April durften wir uns wieder etwas weiter weg von zu Hause entfernen und dehnten unsere Ausflüge in den nördlicheren Bereich der Moritzburger Teiche aus, dort drehten wir u.a. eine Runde um den Frauenteich.
Auf den Feldern nördlich vom Frauenteich haben wir an einem Nachmittag 17 Kraniche gezählt.

Als am 20. April endlich die 15-km-Beschränkung wegfiel, erweiterten wir auch sofort unser Bewegungsradius und erkundeten dann den nördlicheren Teil der Moritzburger Teiche. Auf den Feldern zwischen dem Naturschutzgebiet Frauenteich und dem Berbisdorfer See zählten wir gleich am ersten Tag 17 Kraniche auf einen Schlag. Den mancherorts angepriesenen 7-km-Rundweg um den Frauenteich kann man unserer Meinung nach nicht so recht empfehlen. Er ist leider landschaftlich nur soso und verläuft obendrein meist recht weit vom Seeufer entfernt und gegen Ende auf einer vielbefahrenen engen Landstraße. Dafür steht aber in der Südwestecke des Sees ein toller Aussichtsturm, von dem man häufig aus dem Wasser springende Riesenfische, etliche Enten, Schwäne und Reiher, Rot- und Schwarzmilane sowie einige Kraniche beobachten kann. Zur Draufgabe drehte eines Abends (am 3. Mai) noch ein Seeadler seine Runden über das relativ große Gewässer. :x

In der Südwestecke des Frauenteichs steht ein Aussichtsturm, von dem man gut Wasser- und Greifvögel beobachten kann.
Auffällig sind in den Wäldern der Moritzburger Teiche die vielen Kiefern, die zu DDR-Zeiten zur Harzgewinnung genutzt wurden. Sie tragen bis heute diese typischen Narben (Harzlachten) in ihrer Rinde.
Auch die Anzahl an umgefallenen Bäumen ist rund um Moritzburg auffällig. Der sandige Boden bietet wahrscheinlich keinen besonders guten Halt. Es gab sogar noch weitaus größere Wurzelballen, die dort in die Luft ragten.

Der Frauenteich-Turm lässt sich auch direkt ab den Parkbuchten an der Kalkreuther Straße ansteuern (kurzer Fußweg, keine 500 m) oder über die landschaftlich etwas spannendere Runde um den ebenfalls recht großen Mittelteich. Wer das Auto beim offiziellen Parkplatz (GPS: 51.169931, 13.673658) bei der Nordwestecke des Schlossteichs abstellt, kann von dort z.B. die Engstelle zwischen Sophien- und Mittelteich anvisieren und dann auf einem engen, etwas versteckten Waldpfad (nicht bei Google Maps eingezeichnet!) dem Westufer des Mittelteichs bis zur Kalkreuther Straße folgen. Dort geht es dann für 400 m auf der Fahrbahn nach Süden (rechts), bis der Zugang zum Frauenteich nach links abzweigt. Nach dem Beobachtungsturm spaziert man am besten durch die teils engen schönen Waldalleen im hinteren Bereich des Moritzburger Schlossparks vorbei am Hellhaus wieder zurück in Richtung Schloss und Parkplatz (in Summe sind das ca. 6 km).

Wer sich hinter dem Sophienteich nach links wendet, folgt dessen Ostufer (leider meist ohne viel Sicht) bis zum sog. “Königsweg”, einer gut ausgeschilderten 11 km langen Rundtour durch die Moritzburger Wälder. Nach rechts geht es dort auch zur Kalkreuther Straße und dem Frauenteich, nach links führt der Königsweg zum Unteren Altenteich. Dort kann man den nördlichen Weg zum Oberen Altenteich nicht empfehlen. Das war hier die Forstwirtschaft aufführt, ist eines Naturschutzgebiets echt unwürdig! Mal abgesehen, dass man den Unteren Altenteich so nie zu Gesicht bekommt. Schön ist dann erst der Picknicktisch unterhalb einer uralten Buche am Ostufer des Oberen Altensee. Bei unserem Besuch hielten sich in diesem Gewässer gleich etliche Graureiher und Haubentaucher auf. Am Südostufer des Unteren Altenteichs steht ein weiterer Picknicktisch neben einer Wanderhütte, die guten Schutz bei überraschend aufziehendem Regen bietet. Die Forststraße mit dem wunderbaren Namen “X-Weg” führt von dort wieder zurück zum Parkplatz. Wir fanden die Umrundung des Mittelteichs mit Aufenthalt am Beobachtungsturm des Frauenteichs aber um einiges interessanter als diese Variante.

Ein ziemliches Lowlight für uns war der Dippelsdorfer Teich. Für ein erfrischendes Bad im Sommer mag er vielleicht ganz ok sein, aber jetzt im Frühling war er für uns gänzlich uninteressant. Anstatt Vogelgezwitscher erwarteten uns dort viele Menschen und wunderbar laute Musik aus den Boxen. Da wir ja in die Natur wollten, mieden wir auch die Gegend rund um den Niederen Großteich, wo das Fasanenschlösschen und ein hübschen Leuchtturm steht. Das an sich nett angelegte Wildgehege und der Kletterpark hatten ohnehin coronabedingt geschlossen.

Worauf wir uns noch freuen: Besonders toll muss es bei den Moritzburger Teichen im Herbst zugehen, wenn diese abgelassen und abgefischt werden. Das lockt dann auch Unmengen anderer Tiere an. Angeblich hielten sich zu der Zeit sogar schon mal über 100 Grau- und Silberreiher gleichzeitig am Frauenteich auf  – Traumbedingungen wie in Florida und das fast vor der Haustür! Das befindet heuer noch ganz oben auf unserer TO DO-Liste! :x

 

So das war Teil 1 unserer Frühlingsodyseen, hier geht es zum zweiten Blog:
-> Auf den Spuren der Eisvögel und Seeadler in Sachsen