Auf den Spuren der Eisvögel und Seeadler in Sachsen (Teil 2)

An ruhigen Flussläufen und kleinen Teichen in Sachsen sind wunderschöne Vögel beheimatet. Auf diesem Foto erkennt man gut die orangeroten Fußerln (nur während der Brutzeit so!) und dass es sich um eine adrette Eisvogel-Dame handelt (nur sie hat eine bunte Schnabelunterseite).Ab Ende April schwärmten wir innerhalb der sächischen Landesgrenzen auch etwas großräumiger aus. Steffen träumte von seinem “ersten Eisvogel”, ich kannte diese herrlich bunt schillernden Vögel bereits aus den Auen in Österreich. Da wir die Wochen zuvor bei den Moritzburger Teichen noch keine gesehen/gehört hatten, versuchten wir unser Glück an der Großen Röder unmittelbar östlich des Radeburger Stausees. Nach ein paar Besuchen hatten wir zwar ihre markanten Pfiffe (Audiodatei) mehrfach gehört, aber gesehen haben wir trotzdem leider nie einen. Dabei heben sie sich mit ihrem kobaldblauem Gefieder gut vom Hintergrund ab und sind – egal wo – im Vorbeiflug eher nicht zu verwechseln. Wenn sie aber ruhig auf einer ihrer Sitzwarten, auf über dem Wasser hängenden Ästen ausharren, sind sie erstaunlich unauffällig. Oder einfach nur zu klein (ca. 16-18 cm hoch, Flügelspannweite bis zu 25 cm).

Richtig Erfolg bei der Eisvogel-“Pirsch” hatten wir erst nördlich von Bautzen im UNESCO-Biosphärenreservat. Nachdem wir ihn an einem recht idyllischen Abschnitt der Spree auf- und abfliegen sahen, suchten wir nach seiner Bruthöhle und wurden fündig. Diese wird vom Eisvogelpärchen gemeinsam bzw. abwechselnd mit ihren Schnäbeln in die steinarmen, lehmigen Steilwände am Ufer gehackt. Sie “stehen” dabei anfangs fast in der Luft, ähnlich wie Kolibris. Das Graben der 30-80 cm langen Röhre und die Fertigstellung des Nistkessels dauert gut 2-3 Wochen. Sicher herrlich zu beobachten! Das haben wir aber heuer leider versäumt, ebenso ihre Partnersuche, die meist im Februar und März stattfindet. Zu der Zeit sind ihre Rufe und Verfolgungsjagden wohl kaum zu überhören. Das Gleiche gilt für das recht auffällige Balzritual, bei dem der Auserwählte sein Fischgeschick unter Beweis stellt und dem Weibchen Brautgeschenke (kleine Fische) überreicht. :x
Den Besuch im ausklingenden Winter nehmen wir uns mal für 2021 vor! :)

In der Röderau bei Radeburg haben wir zwar mehrfach die schrillen Pfiffe des Eisvogels vernommen, aber gesehen haben wir ihn dort leider nie.
Wenn wir bei Radeburg schon keinen Eisvogel fotografieren konnten, so haben wir wenigstens erfahren, woher die Knorr Gemüsebouillon herkommt -> aus einem Wäldchen nördlich der Großen Röder! Wo wohl die Maggi-Brühe wächst? ;-)
Erst an der Spree wurden wir fündig: An einer lehmigen Steilwand hatte sich ein Eisvogel seine Bruthöhle gegraben.
Nur selten kamen die Eisvögel in unsere Nähe, meist ließen sie sich auf Ästen am Spreeufer nieder.
Steffen mit Poncho an der Spree, diese Tarnung half auch gegen die Mücken, die Ende Mai langsam anfingen lästig zu werden...

Diese Jahr waren wir schon mehr als nur froh, dass wir eine ihrer Bruthöhlen gefunden hatten. Vielleicht als Tipp an dieser Stelle: Nicht nur die Löcher in einer Steilwand, sondern vor allem die weißen Kotspritzer verraten ihre Bruthöhlen. Wenn man sich dann unauffällig verhält und eine Zeitlang wartet, wird man früher oder später merken, ob das Loch “besetzt” ist oder nicht. Allerdings muss man da echt unentwegt aufmerksam hinschauen, diese Tiere sind unglaublich flink! Angeblich soll so manch männlicher Eisvogel etwas umtriebig sein und sogar zwei Brutgeschäfte parallel am Laufen haben. Kommt einigen das bekannt vor? ;)
Die 5-7 Eier werden in der Regel im März gelegt. Drei Wochen später, meist schon im April, schlüpfen dann die Jungen, die wiederum fast 4 Wochen benötigen um das Nest zu verlassen und flügge zu werden. Das Prozedere wiederholt sich normalerweise im Lauf des Jahres noch ein weiteres Mal und endet meist erst Ende August. Man schätzt, dass in Deutschland rund 4.500-7.000 Eisvogelpaare brüten. Sie sind bei uns streng geschützt und in Sachsen leider sogar gefährdet.

Hier ein kurzes Video, das einen Einblick in das Leben der geschickten (oder manchmal nicht ganz so geschickten…) Fischer gibt:

In der Umgebung von unserer belegten Bruthöhle haben wir die Tiere oft herumfliegen gesehen. Für einen Bruchteil von Sekunden saß sogar mal ein Eisvogelpärchen gemeinsam auf einem Ast in unserer Nähe. Beide mit den für die Brutzeit typisch orangerot verfärbten Füßen und die Eisvogel-Dame mit ihrer bunter Schnabelunterseite (siehe erstes Foto ganz oben). :x
Wer aber ordentliche Nahaufnahmen haben möchte, muss sich richtig gut tarnen (Zelt…) und viel Geduld mitbringen. Eisvögel sind sehr, sehr scheu und ihnen entgeht keine Bewegung und auch kein Geräusch in ihrem Umfeld. Wir beschränkten uns daher primär aufs Beobachten! ;)
Ausführlichere Infos zu diesen wunderbaren Vögeln noch auf der -> NABU-Website.

 

Bei Grüngräbchen und dem Nymphenteich soll es Seeadler und Eisvögel geben. Wir haben dort aber nur die Spuren der Biber gesehen (und Steffen in diesem Moment einen Rotmilan...).
Im Biosphärenreservat Oberlausitzer Teiche stehen an vielen Orten gute Erläuterungstafeln, hier die Schilder am Roten Lugteich zur 750 Jahre alten Tradition der Karpfenzucht.
Bei den Oberlausitzer Teichen wurden zahlreiche Beobachtungstürme und -hütten errichtet wie hier am Roten Lugteich.
Es gab aber auch einen Hochsitz, bei dem wir die Tür augenblicklich wieder geschlossen haben. Hier lag ein toter Vogel drin... ;-(
Kraniche oberhalb des Roten Lugteichs, bei einem hing eines seiner Beine nach unten, auch Tage später wieder, als wie diese Gruppe erneut beobachtet haben... gebrochenes Bein? :-(
Zwei zum Preis von einem - an der Westausfahrt von Miltitz steht ein Storchennest gleich neben einem Fischadlernest

Ganz oben auf unserer Wunschliste stand weiterhin der Seeadler – auch wenn wir ihn bereits in Moritzburg gesehen hatten. So verschlug es uns immer wieder zu neuen Teichlandschaften. Ich liste mal (auch für uns selber) auf, wo wir u.a. waren:

  • Stausee und Röderau in Radeburg – ein paar Gänse, Enten, Turmfalken, Rohrweihen, Mäusebussarde und Eisvogelpfiffe
  • Mittelteich in Nebelschütz, die Rohrweihen und die herrlichen Rohrsänger(knaben) waren bei unserem Besuch das einzig wirklich Spannende, es wurden dort aber kurz vorher auch schon Seeadler gesichtet
  • beim Nymphen-, Mittel- und Lugteich nördlich von Grüngräbchen (Kraniche, Milane, Spechte usw., aber als wir dort waren leider weder Seeadler noch Eisvögel)
  • bei der Westeinfahrt von Miltitz gibt es gleich nebeneinander ein besetztes Fischadler- und Storchennest
  • Teich III und IV bei Pliesskowitz mit Unmengen (wirklich Unmengen!) an Höckerschwänen
  • Roter Lug bei Spreewiese – zahlreiche Rohrsänger und Kraniche, einer leider mit offensichtlich gebrochenem Bein :(

Und last but not least entdeckten wir ab Anfang Mai die Guttauer Seen für uns wieder. Die waren so schön, dass ich ihnen einen extra Bericht widmen musste -> “UNESCO Biosphärenreservat – die Guttauer Teiche“. Dort haben wir dann auch endlich wieder Seeadler gesehen. :)

Eine Gänseart, die wir noch gar nicht kannten und bei unseren Frühlingsausflügen kennenlernten: Die Nilgans ist aber ein Exot und gilt in Deutschland als Eindringling und eher als Plage.
Am 21. Mai durften wir noch weitere besondere Vögel beobachten... ;-)
Es wurde Männertag gefeiert. Da zieht man(n) in Gruppen durch die Stadt (manche offensichtlich auch durch die Felder...) mit einem Wagerl voller Saufvorrat. Prost! ;-)

Zwischendurch waren wir auch noch zweimal bei den hübschen Umgebindehäusern in der Oberlausitz. Die 2015 offiziell eingeweihte Umgebindehausstraße ist überhaupt nicht ausgeschildert und die Routenführung selbst mit der offiziellen Broschüre ein schlechter Scherz. Ähnliches gilt für das “Bilderbuch”haus aus der Oppacher-Mineralwasser-Werbung. Aber mehr dazu später noch in ein paar separaten Blogs. Plural, denn da gibt es gleich einiges zu berichten! :)

Was machen wir sonst noch so? Nun… Steffen sitzt weiterhin brav im Homeoffice und ich nutze die freie Zeit um den schlimmen Bilderrückstau (seit dem USA Winterurlaub 2018/19) abzuarbeiten. Und es gibt zwei neue große, recht aufwändige Projekte, die wir gerne noch jetzt im Frühling (spätestens im frühen Sommer!) hier im Blog vorstellen möchten. Mal schauen, ob es zeitlich klappt. Momentan verbringen wir einfach zu gern die Freizeit draußen in der Natur, um zu schauen, was sich dort so alles tut…

In diesem Sinne bleibt gesund… und neugierig! ;)

Hier geht es zu Teil 1 dieses Berichts über unsere Beschäftigung während Corona-Zeiten:
-> Die Moritzburger Teiche – Frühlingserwachen vor der Haustür