Island – wo selbst Schlechtwetter wunderschön ist!

Schlechtwetter in Island: an diesem Tag Ende August war eigentlich ein Weltuntergang angesagt, am Maelifell schaffte es die Sonne kurz durch die Wolkendecke und es war einfach nur wunderschön!Als wir am 9. September auf dem Rückflug einen letzten Blick auf die bunten Vulkanhügel werfen durften, in denen wir erst am Vorabend einen herrlichen Sonnenuntergang erlebt hatten, waren Steffen und ich uns einig: Eine unserer schönsten Reisen ging hier gerade zu Ende und sie war hoffentlich nicht unsere letzte in dieses faszinierende Land! Wie oft haben wir uns das in den vergangenen Jahren gedacht!? Den Überblick haben wir längst verloren. Diese Fototour war dennoch ganz speziell und einzigartig. Wir hatten allerorten fantastische Lichtstimmungen, immer wieder das ganz große Drama am Himmel und Wolkenstrukturen die kaum interessanter sein könnten. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals derart viele Regenbögen in so kurzer Zeit gesehen zu haben. Und als wäre das alles noch nicht genug, wurden diese dann in der Dämmerung nicht selten von bunt tanzenden Aurorabögen abgelöst.

Für isländische Verhältnisse genossen wir 2,5 Wochen fast schon Kaiserwetter. Es war – mit Ausnahme eines Sturmtages gegen Ende und gleich zu Reisebeginn – nahezu immer windstill. So viel Glück hatten wir auf dieser unberechenbaren Insel noch nie! Es nieselte zwar immer wieder zwischendurch, aber total verregnet war nur der vorletzte Tag und an dem hat ein bombastischer Sonnenuntergang für die Stunden davor entschädigt. Für so etwas werfen wir liebend gern den Poncho über. Anders die wolkenlosen sonnigen Tage, die stehen bei uns im isländischen Hochland nicht sonderlich hoch im Kurs. Dann leuchtet das Moos meist nicht ansatzweise so neongelb und -grün. Und ein allzu grelles Licht schmeichelt selbst surrealsten Landschaften wie rund um den Mount Laki nicht so recht. Wenn ich dort die Wahl hätte zwischen einem trüben Tag mit vereinzelten Regenschauern oder Sonnenschein pur, würde ich mich immer für Ersteren entscheiden. An der Ringstraße hingegen wäre es vermutlich genau anderes rum. ;)

Manchmal - so wie hier an der Krakatindur - ist sogar die Piste bunt!
Und für derart polychrome Schluchten können wir uns fast so begeistern wie für die Canyons im Südwesten der USA

Aber die Wahl hat man ohnehin nicht. Man muss Island so nehmen, wie es ist. Und – wie im Leben auch – einfach das Beste daraus machen. Während wir früher das Hochland bei schlechten Vorhersagen grundsätzlich gemieden haben, waren wir diesmal trotzig und sind so erst recht hin. Selbst bei prognostizierten Katastrophenwetter gibt es immer wieder Gegenden, wo ausgerechnet dann absolut perfekte Fotobedingungen herrschen. Mit der Zeit lernt man die Wetterkarten richtig zu interpretieren. Denn schüttet es auf der ganzen Insel, so hat man z.B. im Bereich rund um den Fluss Markarfljót westlich des berühmten Eyjafjallajökull dennoch gute Chancen ein paar unvergessliche Stunden zu erleben. Und eines unserer Lieblingsfotos von der Tour (erstes Bild hier in diesem Blog) entstand am Maelifell auch just an einem Tag, an dem wir anfangs noch dachten “heute bleiben die Kameras garantiert im Rucksack”. Aber wir wissen es eigentlich schon lange und haben es immer wieder vor Ort bemerkt: Gletscher sorgen gern für ein Mikroklima! Der isländische Wetterdienst (www.vedur.is) ist hinsichtlich “Windstärke & Regenmenge” am Tag selbst meist sehr verlässlich. Eine Bewölkung von 4/4 heißt allerdings noch lange nicht, dass die Sonne nicht doch ab und an durchkrachen kann, und das im wahrsten Sinne des Wortes! :x

Immer wieder Farbrausch pur - hier bei einem kleinen blauen Quelltopf umgeben von einem riesigen roten Kraterrand. Lavageröll ist in Island oft nicht nur schwarz, sondern rot, orange und sogar lila oder pink!
Auch unter der Erde ist noch nicht Schluss mit dem Farbenzauber. Wer in den Lavahöhlen eine Taschenlampe mit hat, wird seinen Augen nicht trauen!
Und wenn sich die Landschaft gerade nur in Schwarz und Grün präsentiert, sorgt ein Regenbogen für den passenden Farbtupfer am Himmel. So viele wie diesmal haben wir noch nie in Island gesehen!

So kam es, dass wir – mit Ausnahme eines kurzen Ausflugs zur Gletscherlagune (der allerbeste Ort für eine größere Polarlichtershow!) – nur im südlichen Hochland unterwegs waren und dort fast alle Pisten rund um die Gletscher Mýrdalsjoküll, Eyjafjallajökull, Tindfjallajökull und Torfajökull entlang “gebrettert” sind. Darunter befanden sich etliche neue, die wir noch nicht kannten, und auch recht wilde Mountain Roads, die nicht mal mehr eine der üblichen F-Bezeichnung trugen. Die Flüsse führten, wie zu der Jahreszeit und ohne größere Regengüsse zu erwarten, vergleichsweise wenig Wasser. Furten, in denen im Hochsommer alle normalen SUVs abtauchen würden, waren jetzt gerade mal knietief oder reichten nur knapp darüber. Mit anderen Worten perfekt für unseren Toyota Landcruiser mit guten 70 cm Wattiefe!

Auf der Insel erwarten einen aber auch noch ganz andere Arten von Bögen: hier ein Felsbogen in einer Lavahöhle, die wir beim Wandern gefunden haben.
Zwar eher selten, aber Island gibt es auch mit Sonnenschein und Schönwetter.
Auch hier an diesem versteckten See im Hochland passte alles: zuerst Drama pur am Himmel und später lockerte es noch auf.

Ursprünglich sollte es schon eine Woche früher losgehen, zumindest war das mit zwei guten Freunden so ausgemacht. Aber Iceland Air hatte mit ihrer flugunfähigen Boeing 737-Max-Flotte andere Pläne für uns. Sie stornierten kurzerhand unsere Termine bzw. verschoben den Hinflug gleich um zwei Tage nach hinten und zurück sollte es plötzlich nicht mehr um 11 sondern schon um 6 Uhr morgens gehen. Kurzer Protest und es gab die gesamten Flugkosten und Sitzplatzreservierungsgebühren zurück. Sollten wir dieses Jahr Island einfach mal ausfallen lassen!? Irgendwie schafften wir es nicht und kurz darauf war ein neuer Flug gebucht. Gleiche Reisedauer, nur eine Woche später. Nicht schlecht staunten wir, was das bei den Mietwagentarifen für Auswirkungen hatte. Unser Toyota Landcruiser (mit Rundumsorglospaket) war beim gleichen Anbieter für exakt dieselbe Mietdauer plötzlich um ganze 1.600 Euro billiger! Wir trauten unseren Augen kaum! @-)
Die Kosten fast halbiert, das hat sich ja ECHT gelohnt! Ende gut, alles gut! :dance:

Wobei nicht ganz… denn nachdem wir glücklich auf unserer Lieblingsinsel gelandet waren, hatte der Vermieter Procar kein passendes Fahrzeug für uns. Der letzte Kunde hätte den Landcruiser nicht ganz so pfleglich behandelt, den wollte man uns nicht geben. Am Abend sollte aber schon ein anderer Landcruiser zurückgegeben und uns direkt zum Hotel “geliefert” werden. Wir hofften mal, dass dieser wenigstens in Ordnung war… Man gab uns bis dahin einen kleinen Spielzeug-SUV (Opel Mokka) und als Entschädigung noch einen ordentlichen Rabatt.

Nur wenige Stunden nach der Landung schon der erste Regenbogen, so schön kann ein Island-Urlaub beginnen. :-)Der Blick gen Himmel sah vielversprechend aus, also ging es sofort zu einem altbewährten Lieblingsplatz in Flughafennähe, dem Strand beim Reykjanesviti und zum benachbarten Gunnuhver (die Straße dahin ist neuerdings asphaltiert!). Dort trafen wir pünktlich zum Sonnenuntergang (mit Regenbogen Nr.1 :x ) unsere beiden Lieblingsdoktoren Volker und Jochen. Und in unserer Unterkunft in Grindavík hatten wir uns dann noch stundenlang 1001 Geschichten zu erzählen (bis knapp vor ihrem Rückflug in den frühen Morgenstunden… :D ). Die beiden hatten viele tolle Neuigkeiten für uns, u.a. dass heuer endlich das steile Schneefeld, das uns bislang immer den kürzesten Weg nach Hrafntinnusker versperrt hatte, geschmolzen war. Da im Verlauf der ersten Reisewoche noch ein mittelschwerer Weltuntergang vorhergesagt war, beschlossen wir dort gleich am nächsten Tag hinzuschauen. Sicher ist sicher, manchmal kommt im isländischen Hochland der erste Schnee früher als man denkt, vor allem im Zuge solch großflächiger Schlechtwettereinbrüche. Den Landcruiser hatte man uns wie vereinbart noch in der Nacht gebracht, zwar mit 80.000 km auf dem Tacho, aber sonst machte er einen guten Eindruck. Und es ging schon früh los, denn der penetrante Gestank nach Fisch (fast wie Urin :urgs: ) ließ uns nicht lange schlafen. Mar Guesthouse im Hafen von Grindavík frei nach dem Motto “you get what you pay for“, aber bei 59€ sollte man in Island eigentlich nicht meckern. ;)

Im Solfatarengebiet Hrafntinnusker kommt man sich schon wie auf einem fremden Planeten vor!
Bei all dieser bunten Erde kann man gar nicht aufhören zu fotografieren...
In Hrafntinnusker soll es angeblich auch einen Geysir namens Katur geben. Wir haben diesen kleinen Sprudler gefunden, ob er es ist?
In Austur Reykjadalir gibt es auch sonst viel zu entdecken, ein Geothermalgebiet voller bunter Quellen und Schlammtöpfe.
Nicht weniger beeindruckend das Vestur Reykjadalir, wo wir abends noch einen fantastischen Sonnenuntergang hatten.
Nur das Wetter tags darauf war dann echt zum Verkriechen...

Das entlegene Geothermalgebiet Hrafntinnusker stand schon lange weit oben auf unserer Wunschliste und die Anfahrt über die nun schneefreie Stichstraße ab der Landmannaleid (F225) war kurzweilig. Das Auto haben wir unweit der ehemaligen Eishöhlen (Ishellir) in Austur Reykjadalir abgestellt und sind dann getrennt voneinander “ausgeschwärmt”. Steffen hatte es auf bunte Blubberpools abgesehen und ich hatte mir in den Kopf gesetzt, Katúr zu finden, jenen geheimnisvollen Geysir von dem es weder Infos noch Fotos gab. Und tatsächlich schoß mir in einer Ecke des Tals dann das klare Wasser aus einem Erdloch entgegen. Cool! Ob es Katúr höchstpersönlich war oder ob es noch mehr von seiner Sorte in der Gegend gab, weiß ich nicht, aber ich freute mich. Es war fast windstill, die Sonne schien mir ins Gesicht. Ich sah zu, wie Steffen noch etwas länger zwischen den Dampfschwaden im Tal herumsprang und genoss diesen ersten Tag in Island.
Abends sollte aber noch richtig Hektik ausbrechen, denn im westlichen Teil dieses Gebiets (Vestur Reykjadalir) kam der Nebel langsam in die Hochebene hereingekrochen und leuchtete im letzten Licht des Tages herrlich golden. Wow! Die Kamerauslöser glühten da schon bald fast genauso! ;)

Den zweiten Reisetag starteten wir ganz gemütlich, denn uns drohte ein Orkan. Wir hatten die Nacht in Hella verbracht im Guesthouse Hestheimar, das ich über den grünen Klee loben würde, wenn die Eigentümer nicht plötzlich die Woche darauf mehr das Doppelte für dasselbe Zimmer mit Bad verlangt hätten (wir haben dort nur 69 Euro bezahlt!) und wenn sie nicht 18 Euro pro Nase für ein “nur so lala” Frühstücksbüffet kassieren wollten. So gab es halt stattdessen eine Pizza zum Frühstück, denn nicht weit entfernt in Hvolsvöllur stand ja eines der zwei Lokale, die wir in Island immer wieder gerne aufsuchen: die Gallery Pizza mit ihrer göttlichen Jalapeno-Creme-Fraiche-Pizza, die bis zum nächsten Morgen sättigt… :D Das zweite Restaurant ist das Systrakaffi in Kirkjubaejarklaustur (-> “Essen & Trinken in Island“).

Wir machten noch das Beste daraus und genossen unsere Pizza auf dem Parkplatz mit Blick auf den Gluggafoss.
Im Anschluss habe ich - bei Nieselregen und Sturm - noch die Schlucht und die weiteren Wasserfälle oberhalb des Gluggafoss inspiziert.
Sommerurlaub in Island ;-)
Schlechtwetter schönsaufen... When life gives you lemons mix it up with Vodka soda... frei nach Lena ;-)

Wir genossen ein paar Pizza-Stücke mit einem feinen Viking Gylltur, einer süffigen Lov Limonadi (-> beides am besten noch duty free am Flughafen besorgen -> Spartipps) und mit Blick auf den schönen Gluggafoss. Dann war Steffen nach einer Siesta zumute und ich zog den Poncho über und schaute mir die weiteren Wasserfälle oberhalb des “Fensterfalls” (Übersetzung für Gluggafoss) an. Es waren gleich eine Handvoll und erstaunlich große obendrein. Schon lustig, dass wir bislang nie auf die Idee gekommen waren da hinauf zu schauen. Von dort oben überblickt man weite Bereiche der Markarfljót-Mündung. Auf der anderen Talseite und in Richtung Thorsmörk ging wirklich gerade die Welt unter! Die einzige Zufahrtstraße (F249) mit ihren horrenden Furten, wo in den reißenden Gewässern erst letztes Jahr eine frischvermählte Amerikanerin ihr Leben gelassen hat (Link), sollte auch während der darauffolgenden Tage unpassierbar bleiben und zwar für sämtliche Fahrzeuge. Nachmittags sind wir dann ab Hella noch die Fjallabak Sydri (F210) etwas hineingefahren. Dort gibt es im Anfangsbereich keinerlei große Furten und auch kaum Sandflächen, aber trotzdem fühlten wir uns schon bald ziemlich “sandgestrahlt” und mussten wieder umkehren. Unser Auto war so hübsch anthrazitgrau, das wollten wir auch lieber so belassen. ;)

Es gibt aber Ecken in Island, da stört Schlechtwetter nicht beim Fotografieren. Bei Sonnenschein pur sehen z.B. die Seen bei Veidivötn um vieles langweiliger aus.
Nach Regenfällen leuchtet das Moos im Hochland um einiges intensiver und der Lavasand erscheint noch dunkler.
Aber das Wandern abseits der ausgetretenen Pfade ist dann noch um eine Spur abenteuerlicher. ;-)

Die nächsten (vermeintlichen) Schlechtwettertage durften aber nicht wieder auf derart faule Weise versumpert werden. Immerhin sollte es nicht mehr so stark regnen und der Wind ganz nachlassen, d.h. ab ins Hochland! Es folgten ein paar wunderbare Tage mit nahezu überall genialen Lichtstimmungen und zahllosen “Regenbogenparaden”, an denen wir zwischen zwei Quartieren hin- und hergependelt sind. Zum einen war das das Hotel Hvolsvöllur (schon etwas betagter, aber ok) westlich des Mýrdalsjoküll und das feine Hotel Laki östlich des Gletschers. Zelten ist eigentlich nie unser Ding, im feuchten Island schon gar nicht, und nach Carcampen war uns bei den doch recht frischen nächtlichen Temperaturen im Hochland auch nicht. In beiden Hotels kann man rund um die Uhr einchecken und wir genossen dort bereits einen netten Stammkundenrabatt. Auch das Laki-Frühstück mit feiner Aussicht auf den Vatnajökull gehört bei uns inzwischen einfach zu einem Island-Urlaub dazu. Diesmal gab es an einem Morgen sogar live Piano-Musik dazu! :)

 Nicht immer sah unser Wanderziel so aus, wie wir es wollten. Just an dem Tag, an dem wir auf den Aussichtsberg Sveinstindur bei Langisjor hinauf wollten, hatte es über Nacht zum ersten Mal geschneit! So geschehen am 1. September, aber der Schnee taute innerhalb weniger Stunden wieder weg.
Auch das kommt schon mal vor: Unser Wunschziel hing tagelang im Nebel...
Nebel ist in Island oft ein treuer Begleiter, vor allem abends kriecht er gerne über das Hochland. Wenn er sich aber zwischendurch kurz lichtet, hat man die verrücktesten Lichtstimmungen.

Polarlichter!!! :x
Auf den großen Sonnensturm (31.8-2.9) mit einem prognostizierten kp-Wert von 6 freuten wir uns schon. Den wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen und das Wetter sollte auch perfekt dafür sein mit nur wenig Bewölkung im Südosten der Insel. Da wir leider Neumond hatten und nirgends noch Schnee lag, kamen zum Polarlichter-Fotografieren eigentlich nur die Jökulsarlón und die Fjallsárlón in Frage. Während bei der berühmtesten aller Gletscherlagunen die Hölle los war, hatten wir den kleineren “Teich” ganz für uns alleine. Und dieser sah fantastisch aus, weil ausgerechnet an dem Tag besonders viele Eisberge darin herumschwammen und nahezu windstill war es obendrein. Die Leute aus den zwei Fahrzeugen, die noch am Parkplatz standen, befanden sich schon lange in ihren Zelten. Sie haben die Lichtershow komplett verschlafen und wirklich was versäumt. Aus allen Himmelsrichtungen fielen die bunten “Vorhänge” auf uns herunter – ein TRAUM! Und am darauffolgenden Abend dasselbe Spielchen noch einmal. :x

Eis und Polarlichter, eine herrliche Kombination! Es gibt wahrscheinlich kaum einen besseren Platz um beides zu fotografieren als die Gletscherlagune Jökulsarlon im Südosten von Island.
Auch die benachbarte Gletscherlagune ist ein ganz spezieller Ort um eine Polarlichter-Show zu erleben.
Diesmal habe ich dabei auch noch eine echte Sensation vor die Linse bekommen - einen Troll! Sonnenlicht lässt diese selten gesehenen Kreaturen augenblicklich zu Stein erstarren. Polarlicht scheint ihnen da weniger anhaben zu können. ;-)

Auch die Unterkunft, die wir östlich der Lagunen zum Glück am Vortag noch bekommen hatten, können wir wärmstens empfehlen! Das Skyrhúsid Guest House (direkt neben dem Hali Country Hotel) wird mit ganz viel Liebe geführt. Zwar verfügen die Zimmer nur über ein Waschbecken, aber das Quartier und das Gemeinschaftsbad sind bestens gepflegt. In der Küche hatte die (ausgesprochen sympathische) Eigentümerin gerade Kuchen gebacken und man durfte naschen, so viel man wollte. Dazu gab es noch guten Espresso-Kaffee, Milch, Tee, Skyr (fettarme isländische Topfen-Jogurt-Spezialität), Orangen- und Apfelsaft – alles 24/7 und kostenlos in der wirklich gemütlichen Küche.

Seit diesem Tag heißt die Holmsá bei mir Pferdebaucherl-Furt. Ausgerechnet da ist Steffen nur wenige Tage später mit unserem Auto durch... und zwar zum Spaß!
Auch so kann man Urlaub machen... ;-) An der Blafjallakvisl-Furt herrscht meist reger Betrieb, da hier Islands berühmtester Fernwanderweg Laugavegur durchführt. Im Hintergrund zwei nette Schweden, einer von ihnen hat bei der Durchquerung einen seiner Schuhe eingebüßt...
Hier an der Kaldaklofskvísl ist normalerweise deutlich weniger los als auf dem Foto, da die Furt doch eher tief ist und berüchtigt für ihre großen Steine, die den Unterboden beschädigen können. An diesem Tag staunten wir nicht schlecht angesichts der Rush Hour - eine Reisegruppe aus Spanien mit gleich 5 Landcruisern!

Es folgte das nächste Vergnügen, die Furten…
Nach den Polarlichtern stand aber natürlich sofort das Hochland wieder im Fokus. Die Furten, die in unserer ersten Reisewoche während der Regenfälle ordentlich angeschwollen und uns bei einigen Zielen im Weg waren, führten wieder deutlich weniger Wasser. Steffen war daher so richtig in seinem Element. Jedes Gewässer musste bezwungen werden, manchmal auch nur so zum Spaß… Während in der Holmsá ein paar Tage zuvor noch die Pferdebaucherln nass wurden (siehe Foto oben) und jedes Auto ohne “Schnorchel” abgesoffen wäre, war der Fluss jetzt vermutlich an der optimalen Route nur noch maximal 50 cm tief. Dennoch bleibt er aufgrund seiner Breite etwas furchteinflössend. Nicht für Steffen. Auch wenn unsere Route da nicht mal entlang führte, “musste” er da einfach mal durch und wieder zurück. Männer…!

Das ist die Einfahrt in die knapp 500 m lange Seefurt, die Ausfahrt sieht man auf dem Bild schon gar nicht mehr (noch weiter rechts). Am Ufer des Blautulón waren etliche Fußspuren zu sehen, dort haben wohl etliche Leute die Straße gesucht... :-))))Am kuriosesten war aber sicher die Blautulón-Furt. Das ist kein Fluss, sondern eine See! Für fast 500 m verschwindet dort die Fahrspur komplett unter dem Wasser. Die Höhe schwankt wahrscheinlich zwischen 20-40 cm. Man sollte sich aber möglichst immer schön am Rand halten, denn etwas weiter drinnen hat der See auch eine Abbruchkante und dort wird’s lebensgefährlich. Ein tschechischer Tourveranstalter hat da schon mal einen ihrer knallgelben Busse versenkt. Die 22 Passagiere konnten sich zum Glück in allerletzter Sekunde retten, bevor das Fahrzeug in 10 m Tiefe verschwand.
Ein nettes Action-Video mit einigen Furten, die auch wir gefahren sind, gibt es unter diesem YouTube-Link (ab min 3). Und unsere Wasserdurchfart beim Blautulón (heuer) habe ich mit dem Handy gefilmt. Eine kurze Sequenz von der Hinfahrt hatten wir bereits im Blog zum Thema “Furten in Island” gezeigt und vom Rückweg gibt es hier den mittleren Abschnitt. Das Ganze trägt den Untertitel: “Eine Seefurt die ist lustig, eine Seefurt die ist schön.” ;)

Nur um die Reifen machten wir uns Sorgen…
Irgendwann gegen Ende der ersten Urlaubswoche haben wir im Vorder- und im Hinterrad zwei ordentlich tiefe Risse entdeckt. Waren die schon immer dort? Ein ungutes Gefühl machte sich breit, vor allem weil wir ja doch meist auf einsamen Pisten im Hochland herumkurvten. Der Experte von der Reifenwerkstatt in Hvolsvöllur beruhigte uns, so etwas hätten alle Fahrzeuge in Island und das “wird schon noch halten”.

Irgendwie schon beunruhigend, wenn gleich Hinter- und Vorderreifen solch tiefe Risse aufweisen...
Wir fragten uns, wie lange die wohl schon in den Reifen waren, ob der Obsidian in Hrafntinnusker etwas zu tun hatte (messerscharfes Lavagestein) und wie lange die Reifen wohl noch durchhalten würden...
Denn wir waren diesmal auf recht einsamen Pisten unterwegs. Und wer weiß, wohin uns die Wege noch so führen sollten!?

Und die Reifen hielten tatsächlich (am Ende über 4.000 km sogar!) und die teils steinigen, teils sandigen Jeeprouten brachten uns zu den allerschönsten Trailheads und Aussichtspunkten. Wir sind unterwegs auf den ein oder anderen Berg hinaufgekraxelt, der auf Satellitenbilder vielversprechend aussah und vor Ort dann gleich auf zweierlei Art (Höhenmeter und Aussicht) atemberaubend war. :x
Zumindest dann, wenn wir oben nicht gleich von Nebel oder tiefhängenden Wolken eingehüllt wurden. Leider auch öfters der Fall gewesen, so dass das mit dem Sonnenuntergang nur an den wenigstens Stellen klappte. Aber immerhin gab es zwischendurch immer reichlich Drama am Himmel, das uns glücklich machte… ;)

Das Schönste im Hochland: Sobald man 1-2 tiefere Furten überwindet, hat man die traumhafte Landschaft meist ganz für sich alleine.
Vor allem der Blick aus der Vogelperspektive hat es uns angetan, in Island ist fast jeder etwas höhere Hügel ein toller Aussichtsberg.
Nur das Wetter muss mitspielen - zum Glück gibt es Ponchos. Suchbild mit Steffen... ;-)

Am letzten Tag vor dem Abflug hat uns Island noch ein letztes Mal in vollen Zügen begeistert. Das Landesinnere der Halbinsel Reykjanes, eine knappe Autostunde vom Flughafen entfernt, ist wie ein Miniatur-Island mit seinen kleinen fauchenden Vulkankratern, herrlich von saftig grünem Moos bedeckten Lavaflüssen und einsamen bunten Rhyolithhügeln. Einmal mehr mussten wir die Ponchos überziehen, einmal mehr wechselten sich Sonne und Nieselregen im Minutentakt ab und einmal mehr sorgten sie für eine mehrstündige “Regenbogenparade”.

Aufgrund des launischen Wetters werden wir wohl den beliebten Laugavegur nie zur Gänze ablaufen, sondern dort immer nur Tagestouren unternehmen. Die Landschaft ist aber grandios und der Fernwanderweg zählt nicht umsonst zu den schönsten weltweit.
Am Tag vor dem Abflug haben wir in Gardur übernachtet und wurden nach dem Aufwachen gleich von einem Regenbogen begrüßt
Es sollten an diesem Tag noch etliche weitere folgen und abends gab es dann als perfekten Abschluss noch einen netten Sonnenuntergang im farbenfrohen Sogin.

Nur allzu passend erscheint da die isländische Elfenweisheit:
Life is not about waiting for the storm to pass, it is about learning to dance in the rain!
Und einmal mehr freuten wir uns beim letzten Blick aus dem Flugzeug auf ein Wiedersehen mit dieser Insel und auf den nächsten “Regentanz” auf dem Vulkan! To be continued:x