F-Roads & Furten – die abenteuerlichen Pisten durchs isländische Hochland

Autowäsche mal anders - die erste Furt direkt vor dem Zeltplatz und der Hütte von LandmannalaugarFurten – ein Thema das Männerherzen oftmals höher schlagen lässt und bei dem so manches Frauenherz eher in die Hose rutscht. ;)
Im isländischen Hochland findet man jede Menge davon. Es gibt nur wenige Strecken, wo nicht mindestens ein Flüsschen quer über die Piste rauscht. Ihr Erscheinungsbild ist so vielfältig wie die Landschaften auf dieser Insel und reichen von einer kaum erwähnenswerten “Pfütze”, die unter Umständen in der Mitte etwas ausgefahrener ist, bis hin zu reißenden Gletscherflüssen, die mit dem falschen SUV und Verhalten sogar lebensgefährlich werden können. Denn Vierradantrieb ist nicht alles! Man sollte unbedingt die Wattiefe seines Mietfahrzeugs kennen und wissen, ab welcher Wasserhöhe der Motor Gefahr läuft abzusaufen.

Leider gibt es vor Ort keinerlei Hinweise zur Tiefe der Furten und wo man am leichtesten durchkommt (bei breiteren Flüssen nicht unwesentlich!). Nur ganz selten ist die ideale Route ausgesteckt, so dass man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, in unnötig tiefere Stellen “abzutauchen”. Milchig-trübe Gletscherflüsse mit heftigem Wellengang und nicht abschätzbarer Wassertiefe, lässt man – außer mit einem modifizierten Superjeep – am besten unbefahren. Alles andere, was größer als eine “Pfütze” ist, kann man vorab zu Fuß erkunden. Man glaubt es kaum, in was für vermeintlich kleinen Gewässern schon Allradfahrzeuge stecken geblieben sind, hier z.B. ein KIA an der F225.
Tipp: Neoprensocken und Salomon Techamphibian eignen sich in Island nicht nur zur Flusserkundung, sondern auch hervorragend zum Wandern durch sumpfiges Gelände! So lassen sich Wasserhöhe, Untiefen und Idealroute gut feststellen und auch wo ggf. größere Steine im Weg liegen, die den Unterboden beschädigen könnten. Wenn die Strömung sehr stark ist, entfällt das Durchwaten je nach Körpergröße bereits ab einer Tiefe von 40-50 cm, da es dann zu gefährlich ist. Die Wasserkraft darf man nicht unterschätzen, verliert man den Boden unter den Füßen und wird mitgerissen, kann das tödlich enden wie z.B. 2018 in Þórsmörk geschehen (siehe letzter Absatz ganz unten).

Bei manchen Furten sieht man nicht, wie tief das Wasser in der Mitte ist. Diese hier an der F233 war an dem Tag rund 1 m tief laut Aussage der Bergrettung. Wir haben uns da nicht durchgetraut! ;-)
Die Canyon-Furt bei Laki: im Spätsommer manchmal nur eine ausgefahrene Pfütze, im frühen Sommer oft sehr heikel für kleine SUVs. Wenn das Wasser wie hier schon an der schmalen Zufahrt steht, ist das kein gutes Zeichen. Laut Parkrangern 60 cm an dem Tag, mir reichte das Wasser in der Mitte übers Knie. Unter Bestbedingungen ist die Zufahrt komplett trocken.
Hier stand mal die Straße nach Dyrholaey bei Vik i Myrdal unter Wasser. In Island weiß man echt nie wo man Schnorchel und Schwimmflossen anlegen muss... ;-)

Was muss man vor dem Durchqueren eines Fluss beachten?

Punkt Nr.1:
– Allrad zuschalten
(klingt logisch, aber wir haben es tatsächlich schon 2-3x vor lauter Tratschen um ein Haar vergessen!)

Immer hilfreich:
– wenn andere Fahrzeuge vorfahren
– andere Fahrer, die einem entgegen kommen, nach der Tiefe der Furten zu fragen

Ansonsten kann man sich noch anhand folgender Punkte orientieren, um Flüsse sicher zu überqueren:
– aussteigen und die hoffentlich vorhandenen Reifenspuren am Uferbereich finden, wo sie reinführen und wo es wieder rausgeht (das ist bei breiteren Furten nicht immer so klar ersichtlich, sollte aber vorab geklärt werden!)
– die kürzeste Strecke durch ein Gewässer ist nur selten die beste, da es dort wahrscheinlich tiefer ist (Ausnahme: ausgefahrene “Pfützen”)
– Steine werfen um zu schauen, wie tief das Wasser ist
– routinierte Flussdurchquerer können “Furten lesen” und Rückschlüsse anhand der Wasseroberfläche ziehen (ruhige Stellen sind mitunter tiefer und leicht gekräuselte oftmals seichter)

Wichtig noch:
– im Wasser auf gar keinen Fall anhalten oder den Gang wechseln
– möglichst langsam fahren (1. Gang!), weil sich sonst eine Bugwelle vor dem Auto auftürmt und den Fluss noch tiefer macht (Ausnahme: Furten mit sandigem, lehmigem Untergrund, dort bleibt man sonst womöglich stecken)
– bei reißenden Gewässern empfiehlt es sich meist schräg mit der Strömung durch die Furt zu fahren, da die Strömung den SUV seitlich versetzen kann
– bei abenteuerlicheren Furten Untersetzung und Differentialsperre zuschalten, sofern vorhanden
– lieber vorher umdrehen, wenn man sich nicht sicher ist und die Wassertiefe nicht abschätzen kann

Generell gilt, dass Furten früh morgens weniger Wasser führen als abends (Schmelzwasser!). Sie können ihr Erscheinungsbild und ihre Passierbarkeit aber jederzeit und innerhalb kürzester Zeit ändern. Die Furt vom Vortag kann  schon anders aussehen und nach heftigen Regenfällen schwellen einige von ihnen schnell zum unüberwindbaren Hindernis an. Das sollte man bei Touren durch das Hochland immer im Hinterkopf behalten.

 

Die F-Roads im isländischen Hochland

Isländische Straßen, deren Nummern der Buchstabe “F” vorgestellt ist (sog. F-Roads), unterscheiden sich von allen anderen, die man üblicherweise so von Mitteleuropa kennt. Sie dürfen (vor allem laut Mietvertrag!) ausschließlich mit Geländefahrzeugen befahren werden. Vierradantrieb (4WD) ist dort Pflicht, und für viele von ihnen ist außerdem eine gute Bodenfreiheit erforderlich. Wenn Hochland-Pisten nicht mal eine F-Bezeichnung haben, dann ist Vorsicht angebracht, einige sind dann nur mit modifizierten Superjeeps machbar.

In der Folge ein kurzer Überblick über die beliebtesten 4WD-Strecken in Island, die wir bereits alle mehrfach gefahren sind und welche Furten einen dort unter optimalen Bedingungen erwarten (alle Angaben ohne Gewähr, die Gegebenheiten können sich in Island in kurzester Zeit innerhalb eines Tages ändern und sich auch von Jahr zu Jahr sehr unterscheiden!):

Über die #208 nach Landmannalaugar:
An der nördlichen Zufahrt ab der Straße #26 müssen keine Flüsse durchfahren werden. Die Strecke wird meist gut gewartet und hat daher mittlerweile ihre F-Bezeichnung bis zum kurzen Abzweig nach Landmannalaugar verloren. Erst an der 2 km langen Stichstraße F224 befinden sich unmittelbar vor dem Campingplatz zwei – mal etwas mehr, mal etwas weniger – ausgefahrene “Teiche”, aus denen die Parkranger regelmäßig Autoschilder “fischen”. Hier kann man sich an anderen “Seefahrern” gut orientieren, da immer reger Betrieb herrscht. Und wer auf Nummer sicher gehen möchte, parkt vor den Furten und geht die zusätzlichen 400 Meter zu Fuß bis zur Hütte/Campsite (=Trailhead).
(auf dem 1. Foto ganz oben ist die erste Furt vor Landmannalaugar zu sehen, am 2. Foto unten die zweite)
Um nach Landmannalaugar zu kommen, benötigt man keinen sonderlich guten SUV, nur Allrad ist laut den allermeisten Mietverträgen Pflicht.
Man kann bei Landmannalaugar schon vor den beiden Furten das Auto abstellen und die kurze Strecke zu Fuß gehen (Brücke).
Eine der zahllosen Furten an der F208, die Landmannalaugar mit der Südküste verbindet.
F208 (Fjallabaksleið nyrðri) von Landmannalaugar an die Südküste:
Anders sieht es an der landschaftlich sehr reizvollen, südlichen Zufahrt aus. Dort zählt man – je nach Wetterlage – zwischen Landmannalaugar und der Ringstraße (Einmündung zwischen Vik und Kirkjubaejarklaustur) gut 40-60 Furten. Die meisten von ihnen sind unbedenklich, ggf. nur in der Mitte etwas ausgefahrener, aber zwischendurch fließt auch Tieferes über den Weg – einige bis ca. 40 cm, an warmen Tagen abends (durch die Schneeschmelze) oder nach Regen mitunter auch mehr. Wer von Süden kommt, steht zwischen der bewirtschafteten Hütte Hólaskjól und dem Eldgjá-Abzweig vor einer der breiteren und tieferen Furten entlang der Strecke.
Landmannaleið (F225), die alternative Zufahrt nach Landmannalaugar ab der #26:
Einfach zu befahren bis auf die Durchquerung des Rauðufossar-Abflusses. Dort ist etwas Vorsicht geboten – unter optimalen Bedingungen sollte sie für kleinere SUVs passierbar sein, ist aber etwas uneben und in manchen Bereichen sandig und tiefer. Daher das “sollte”… Es handelt sich um die Furt mit dem ganz oben verlinkten Foto mit dem steckengeblieben KIA-SUV!
Die Mountain Road nach Hrafntinnusker (10 km) beginnt beim Berg Sátubarn östlich der Rauðufossakvísl-Furt an der südlichen Schleife der F225 (die nördliche führt zur Hütte Landmannahellir; Abzweig direkt in der Furt!). Sie schafft Zugang zu den Geothermalgebieten Vestur Reykjadalir und Austur Reykjadalir zu Füßen des Hrafntinnusker-Bergs, sofern am steilen Pokahryggur nicht ein Schneefeld liegt (das schmilzt in einigen Jahren nicht weg!). Kurz nach dem Abzweig in Richtung Osten bzw. Íshellir befindet sich die dort noch recht junge, meist nur mitteltiefe Markarfljót. Und Achtung vor Obsidian, das messerscharfe Vulkanglas ist mörderisch für die Reifen. Bei Fortsetzung der Fahrt nach Süden gelangt man nach weiteren Durchquerungen der Markarfljót zur Fjallabaksleið syðri (F210) westlich des Laufafell.
Die raue Mountain Road Krakatindsleið war bei unserem Besuch Ende August 2019 auch problemlos mit einem Toyota Landcruiser zu befahren (gute Bodenfreiheit ist Pflicht!). Wir haben sie aber auch schon im katastrophalen Zustand erlebt und im Frühsommer blockieren oft noch Schneefelder rund um den Rauðufossfjöll ein Weiterkommen. Die Route zweigt unmittelbar westlich des Rauðufossar nach Süden ab und mündet – ohne nennenswerte Furten – ebenfalls westlich des Laufafell in die F210.
Wichtig: Besorgt Euch für solche Mountain Roads gute Karten! Google Maps sind dort keine gute Idee, wir haben schon ein paar Mal Leute im Hochland getroffen, die nicht mehr weiter wussten!
Langisjór (F235), 26 km lange Stichstraße ab der F208 zu der Seenplatte nördlich des Aussichtsbergs Sveinstindur:
Die ersten zwei Furten sind die tiefsten (oft 40 cm und mehr), wer es da durch schafft, der kommt auch problemlos durch die restlichen in der Regel viel kleineren “Bäche”.
An einer von der F235 abzweigenden Seitenstrecken befindet sich die Blautulón-Furt. Dort steht die Piste für ca. 500 m unter Wasser (unbedingt nahe am Ufer bleiben, der See hat eine gefährliche Abbruchkante!). Für alle, die schon immer mal einen See furten wollten… ;)
Hier ein ganz kurzer Ausschnitt von meinem Handy-Video:
F206/207, Ausflug nach Lakagígar:
Die erste erwähnenswerte Furt bildet die Geirlandsá oberhalb des Fagrifoss (übersetzt “schöner Wasserfall”). Sie ist etwas breiter und kann je nach Wassermenge durchaus heikel für kleinere SUVs sein. Wir haben dort selber schon Suzuki Jimmy (Wattiefe 40 cm) umkehren gesehen und von abgesoffenen Dacia Dusters gehört. Die Furt ist uneben, aber unter normalen Bedingungen wahrscheinlich maximal 30-40 cm tief. Ähnliches gilt für die nächste, die nur noch wenige Kilometer vor der Laki-Loop entfernt liegt. Anders sieht es dann bei der “Canyon-Furt” im westlichen Teil des Rundparcours aus (siehe Foto Nr. 3 ganz oben), bei regnerischem Wetter reichte mir das Wasser dort schon mal bis über die Knie (ca. 60 cm; ich bin 1,80 cm groß). Bei Schönwetter fahren aber auch kleinere SUVs (Dacia Dusters etc.) durch. Da die Gegend gut besucht ist, kann man sich dort meist gut an anderen Autos orientieren, wenn man sich die Füße nicht nass machen möchte. ;)
F228/F229, Veiðivötn-Seenplatte am Beginn der Sprengisandur (F26):
An der südlichen Zufahrt nach Veiðivötn (F228) befinden sich zwei mitteltiefe Furten (je nach Wetterlage 30-50 cm wahrscheinlich; die zweite über die Fossvatnakvísl ist schön ausgesteckt). Wer diese vermeiden möchte folgt nach 13 km (ab der #26) bzw. 7 km vor dem Ziel (die Tafel vor Ort “Veiðivötn 23 km” ist völlig falsch!) der F229 in Richtung Jökulheimar und fährt dann von Norden in das Seengebiet hinein.
Hier ein Handy-Video von unserer Fossvatnakvísl-Durchfahrt Anfang September 2019, als der Fluss nicht besonders viel Wasser führte:
F347 (Kerlingarfjallavegur) nach Kerlingarfjöll:
Stichstraße ab der #35 Kjölur-Route, die quer durchs Land führt (Verbindung Blönduos-Geysir) und oft eine schreckliche Schlaglochpiste ist; keine Furt, die Flüsse wurden dort bereits vor über 10 Jahren überbrückt
F550 (Kaldidalur-Route) nördlich des Nationalparks Þingvellir:
keinerlei Furten, aber wir haben diese Strecke als schreckliche Waschbrett- und Schlaglochpiste in Erinnerung und als landschaftlich nur bedingt reizvoll (Geschmacksache, wir mögen eher die Moos-Berge im südlichen Hochland ;) )
F210 (Fjallabaksleið syðri), Piste nördlich des Mýrdalsjökull zwischen Hella und der südlichen 208 (durch traumhaft schöne, abwechslungsreiche Landschaft!):
Von Hella aus kommend gibt es östlich des Bergs Laufafell eine längere Passage, in der man direkt in dem meist nicht allzu tiefen Fluss Laufalaekur fährt, und dann kurz darauf eine beachtliche Dreifach-Furt. Zuerst noch einmal die Laufalaekur, dann die Markarfljót (bestenfalls 50-60 cm, aber auch leicht 80-90 cm) und die Ljosá ist auch fast so tief. Es folgt noch die erwähnenswerte Kaldaklofskvísl hinter dem See Áltavatn (zwar meist nur 50-70 cm tief, aber oft mit mächtigen Steine im Flussbett; Foto bei optimalen Bedingungen siehe unten und bei schlechteren hier) und jenseits des Maelifell kommt dann die berüchtigte Holmsá. Diese ist nicht nur sehr breit, sondern oft 70-80 cm an der tiefsten Stelle (das ist dort, wo sich gerade das weiße Pferd auf diesem Foto befindet). Wir sind im Spätsommer aber auch schon mal bei maximal 50 cm durch die Holmsá gefahren. Die übrigen Furten sind weniger tief, die Brennivínskvísl ist allerdings etwas sandiger und die Lavaflächen erfordern eine hohe Bodenfreiheit (beide noch westlich des Zauberhut-Bergs Maelifell). Auch ist die Schwemmsandfläche Maelifellssandur (Abschnitt der F210 rund um den Berg) berüchtigt. Bei Nässe kann sich auf der weitläufigen Ebene Treibsand ausbilden, dann auf gar keinen Fall anhalten und zu langsam fahren. Oder noch besser: rechtzeitig umkehren! Ebenfalls nicht so ohne ist die Maelifellssandur bei Nebel oder Sturm, dann verliert man dort nur allzu leicht die Orientierung. Zwar stehen in regelmäßigen Abständen gelbe Markierungspfosten, aber die Entfernungen sind groß und bei schlechter Sicht ist der nächste Pfosten kaum auszumachen. Das fällt selbst bei leichtem Nieselregen in der Dunkelheit schon schwer, wie wir mal festellen mussten…!
So sieht die Furt an der Kaldaklofskvisl unter optimalen Bedingungen aus. Führt sie mehr Wasser, reicht es bis zum Kühlergrill des Landcruisers oder noch weiter rauf.
Unterwegs auf der Maelifellsandur - eine der imposantesten Kulissen im isländischen Hochland für uns!
Die meist sehr harmlose Furt über die Blafjallakvisl an der F232 verläuft direkt oberhalb eines schönen Wasserfalls.
F232 (Öldufellsleið), Verbindungstrecke zur F210 ab Hrifunes an der 209 in Ringstraßennähe:
Mit guter Bodenfreiheit lässt sich diese Piste ganz gut befahren. Die erste auffällige Furt befindet sich direkt neben dem breiten Hólmsárfoss, sie war bei uns aber immer max. 30 cm tief. Die später noch folgende Durchquerung der Bláfjallakvísl direkt oberhalb eines schönen Wasserfalls ist zwar etwas steinig aber meist ebenfalls recht harmlos (etwa 20-40 cm tief; nicht zu verwechseln mit dem namensgleichen, viel tieferen Fluss an der F261!). Kurz vor dem Maelifell mündet die Route in die F210 ein (bereits westlich der Holmsá-Furt!).
F261 (Emstruleið), Verbindungsstrecke zur F210 ab Hvolsvöllur an der Ringstraße
Vor allem im Anfangsbereich eine schreckliche Rumpelpiste, auf der man gar nicht vorwärts kommt, aber dafür keine nennenswerten Furten bis auf die Bláfjallakvísl (unmittelbar vor der Einmündung in die F210), die im Frühsommer und nach Regenfällen mächtig anschwellen kann – dann ggf. über 80 cm tief, sonst oft auch nur 50 cm. Die einst herausfordernde Furt über die Gilsá wurde verrohrt. Trotzdem hatte sich dort bei uns mal nach starken Regenfällen wieder eine kleine sandige Furt ausgebildet (der Damm hat da wohl den Wassermassen nicht standgehalten…).
F249 (Þórsmerkurvegur), 29 km lange Stichstraße nach Þórsmörk:
Der Name des Wandergebiets “Þórsmörk” heißt übersetzt “Thor’s Wald”, also ein Götterwald. Wir hatten, als wir die Schlucht Stakkholtsgjá besucht haben, eher den Eindruck, dass wir uns auf dem Weg in die Hölle befanden. Es waren die schlimmsten Flüsse, die wir je in Island durchquert hatten. Mehrfach schoss die braune Brühe aus den Gletschern rechter Hand der Piste mit hoher Geschwindigkeit und entsprechend viel Wellengang quer über die F249. Wir hatten zwar einen Toyota Landcruiser, aber dort fühlt man sich auch in einem guten Geländewagen nicht wohl! Und als ich gesehen habe, wie ein anderer Landcruiser, der nicht die Ideallinie durch einen der Flüsse erwischt hatte, vor unseren Augen fast in den Fluten verschwand, konnte ich nicht anders… :-S … und es wurde etwas LAUTER bei uns im Auto… O:-)
So geschehen an einem verregneten Tag Mitte Juli 2014. Mittlerweile wissen wir, dass Flüsse im Spätsommer üblicherweise deutlich weniger Wasser führen. So kann ich nicht ganz ausschließen, dass wir uns nicht doch nochmal nach Þórsmörk wagen (vielleicht aber auch nur an Bord eines der dorthin verkehrenden Busse… O:-) ).
Gefährlich für Miet-SUVs kann nicht nur die letzte Furt (Krossá) werden, sondern praktische jeder andere der unberechenbaren Gletscherflüsse, darunter die Jökulsá aus dem Gígjökull, die Steinholtsá und Hvanná. Über die Krossá, in der Autos auch schon mal aufschwimmen, abdriften oder im Geröll versinken, gibt es zum Glück auch eine Fußgängerbrücke. Warum man durch diese spezielle Furt auf keinen Fall mit einem Mietwagen durch sollte, sieht man, glaube ich, ganz gut in dem Video unten. ;)
F233, Verbindungsstrecke zwischen der F208 und der F210
Hier müssen wir eine WARNUNG aussprechen! Als wir von der F208 kommend mal vor der Syðri-Ófæra standen (siehe Foto Nr. 2 ganz oben), kam uns gerade die Bergrettung entgegen und wir staunten nicht schlecht, wie arg deren Superjeep in den Fluten versank! Wir fragen nach der Tiefe und bekamen als Antwort “gut 1 m heute“!
Freunde von uns sind bei optimalsten Bedingungen (Spätsommer und viele vorangegangenen regenlose Tage!) dort schon heil mit einem Toyota Landcruiser durchgekommen, würden das Abenteuer aber wohl nie mehr wiederholen wollen. Von Süden kommend (Abzweig von der F210 nördlich des Axlafoss) war bei uns die Strecke bis zur hübschen Hochland-Hütte an den Álftavötn-Seen unproblematisch. Also wer mit einem normalen Miet-SUV dorthin möchte, unbedingt von unten anfahren.

Zwei Strecken, zu denen wir keine persönliche Erfahrung beitragen können, sind die Sprengisandur (F26), die quer durch die Insel führt, sowie die Routen zur Askja (F88/F906/F910; hier wird i.d.R. empfohlen lieber die F910 über Möðrudal nach Dreki zu fahren als über die F88, weil dort die Lindaá-Furt oberhalb von Herðubreiðarlindir meist viel Wasser führt).

Linktipp: Schöne Berichte mit vielen hilfreichen Fotos von allen Hochland-Routen gibt es auf der Nordbilder-Webseite (-> Link; zum Glück gibt es Leute, die alles so fleißig dokumentieren, wir sind immer zu faul dazu ;) ).

 

Der beste SUV für das isländische Hochland

Welchen Fahrzeugtyp können wir für die vielen Flussdurchquerungen im isländischen Hochland empfehlen?
Der allerbeste SUV, den die Autovermieter in ihrem Fuhrpark haben, ist sicherlich der Land Rover Defender mit “Schnorchel”. Dank der Luftansaugung auf der Höhe des Fahrzeugdachs gelangt selbst bei tieferen Gewässern keine Nässe in den Motor (bevor das passiert, schwimmt solch ein Defender eher vorher auf und wird abgetrieben!). Außerdem verfügt er nur über wenig Elektronik, ein Jeep Wrangler (Wattiefe ca. 75 cm) mit allem Pipapo ist viel anfälliger im Wasser! Der Haken: Die Miettarife für einen Schnorchel-Defender sind astronomisch (locker 4.000-6.000 Euro für zwei Wochen!). Wer aber “zu viel Geld unterm Kopfkissen liegen hat” und sorgenfrei durch das isländische Hochland kurven möchte, für den ist es das ideale Auto! Wir kamen mal in den Genuss eines kostenlosen Upgrades, als Alamo keinen Mitsubishi Pajero für uns hatte. Man überließ uns einen Defender vom Partner-Unternehmen Enterprise. Eine tolle Erfahrung! ;)

Ansonsten können wir den Toyota Landcruiser wärmstens empfehlen. Er verfügt über eine gute Bodenfreiheit (diesen Vorteil darf man bei den großen Steinen, die auf so mancher Piste herumliegen, nicht unterschätzen!) und eine Wattiefe von 70 cm, die bei vorsichtiger Fahrweise und bei Schönwetter für die meisten wichtigen Furten reicht. Durch kleinere Bäche geht es damit völlig sorgenfrei. Außerdem ist er gemütlich und meist mit einem Automatikgetriebe ausgestattet. Eine Gangschaltung kann in den Bergen und bei den Flüssen mühsam sein! Zudem hatte unser Land Rover Defender wirklich den “Komfort” eines Traktors und den Toyota Hilux (mit ebenso 70 cm Wattiefe) empfanden wir als viel zu lang. Teilweise nicht so ohne auf engeren Bergstrecken – vor allem bei Gegenverkehr! Außerdem waren die Unmengen an Staub im hinteren Teil des Hilux und auf unserem Gepäck auch nicht unbedingt toll.
Erwähnenswert wäre noch der Mitsubishi Pajero, der mit dem Landcruiser mithalten kann (identische Wattiefe von 70 cm) und uns im Winter auf tief zugeschneiten Pisten u.a. schon bis zum Aldeyjarfoss gebracht hat.

Schnorchelurlaub in Island in einem Land Rover Defender ;-)
Mit einem Land Rover Defender ist man bestens für alle Wetterlagen gerüstet - hier stehen wir gerade an der F210 östlich des Laufafell und warten auf besseres Fotolicht.
Winzig klein erscheint der Toyota RAV4 im Vergleich zu den üblichen Superjeeps in Island.

Ansonsten habe ich in einem zweiten Blog schon alles zum Thema “Autovermietung in Island” mit allerlei Tricks und Spartipps zusammengefasst. Ein letzter Hinweis an dieser Stelle vielleicht noch: Achtet genau auf den ACRISS-Code (Link)! Wir hatten schon mal bei check24 etwas gebucht, und am Zettelchen des Vermieters stand dann plötzlich eine ganz andere Kategorie. Und im isländischen Hochland macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man einen “Premium SUV” (Landcruiser) oder nur einen “Standard SUV” (Suzuki Grand Vitara z.B.) bekommt. Bodenfreiheit und Wattiefe sind dort alles!

Wesentlich schonender für die Reisekasse sind natürlich jene SUV-Typen, die man überwiegend auf Islands Straßen antrifft -> Dacia Duster mit gerade mal 35 cm Wattiefe. Die Miettarife für diese kleinen “Spielzeug”-SUVs sind um ein Vielfaches niedriger, aber halt das Risiko damit nicht sicher durch so manche Furt zu kommen umso größer. Ein Suzuki Jimny oder Grand Vitara hat immerhin 5 cm mehr Wattiefe als ein Dacia Duster (beide 40 cm). Natürlich spielt auch die Reifengröße immer eine Rolle, die Angaben zu den Wattiefen habe ich dieser Webseite entnommen (ohne Gewähr!).

So sollte eine Island-Reise lieber nicht enden... ;-)Was wir aber während unserer Touren immer wieder feststellen mussten: Es ist erschreckend, wie wenig Gedanken sich viele (auch deutschsprachige!) Touristen machen beim Durchqueren der Flüsse. Wattiefe – was ist das? Und schwups mit Höchstgeschwindigkeit rein in die Fluten, dass das Wasser nur so über die Motorhaube schwappt… Und dann wundert man sich am Steuer eines Dacia Dusters, wieso der Motor absäuft… Unser isländische Autovermieter Procar hatte dazu einige weniger lustige Geschichten parat. Bleibt man mitten im Fluss stecken, kommt kein Vermieter und keine Versicherung (auch kein Rundumsorgslospaket!) für den Schaden auf. Den neuen Motor/die kaputte Eletronik/das neue Fahrzeug zahlt man grundsätzlich aus eigener Tasche! Unkosten, die wahrscheinlich jedes Urlaubsbudget sprengen…
Und dann muss man eigentlich froh sein, wenn alles glimpflich ausgeht und nicht noch mehr passiert. Tragisches Beispiel ist der Unfall letzten Sommer in der Steinholtsá am Weg nach Þórsmörk, bei dem ein Pärchen auf Hochzeitsreise auf ewig entzweit wurde. Sie sind stecken geblieben, leider mitten im reißenden Gletscherfluss ausgestiegen und die Frau wurde von der starken Strömung mitgerissen (-> Link).

Abschließend an dieser Stelle daher noch ein paar wichtige Link-Tipps:

  • Übersichtsliste mit den gängigen Wattiefen der SUVs
    Der Blick unter die Motorhaube hilft zwar das Ansaugrohr zu lokalisieren, man sollte dabei aber nicht vergessen, dass die vom Hersteller genannten Wattiefen auch nässeempfindliche Elektronik-Teile berücksichtigen.
  • Karte mit den aktuellen “Road Conditions” sowie Überblick der üblichen Öffnungszeiten der isländischen Hochlandstraßen -> “Condition and Opening of Mountain Roads” (die meisten sind erst ab Mitte/Ende Juni oder sogar erst im Juli befahrbar und können ab Mitte September jederzeit wieder gesperrt werden)
  • Einigermaßen verlässliche Wettervorhersage für das Hochland: www.vedur.is (dort dann Regen+Wind anklicken!)
  • Unbedingt auch die aktuellen Warnungen “ALERTS” unter www.safetravel.is beachten. Neben Regen, Sturm und plötzlichen Wintereinbrüchen werden dort bei Gefahr Gegenden mit bedrohlichen Vulkangasen aufgelistet (immer wieder der Fall bei geothermaler Aktivität z.B. unter dem Mýrdalsjökull im Bereich der Skaftá)
  • Notfall-Nummer 112