SoFi 2017 – Totale Sonnenfinsternis in den USA

Der Diamantring während der Sonnenfinsternis 2017 in NordamerikaDie meisten von Euch werden davon in den Nachrichten gehört oder – wie mir berichtet wurde – sogar live auf CNN zugeschaut haben. Hier folgt nun unser Blog zu dem großen Event, das weite Gebiete in den USA in eine Art Ausnahmezustand versetzt hat. Da weder Steffen noch ich bisher eine totale Sonnenfinsternis erlebt hatten, konnten wir uns die “Great American Eclipse” auch nicht entgehen lassen und waren live vor Ort dabei. Und das sogar ganz entspannt fernab der großen Massen auf einem der höchsten Gipfel Oregons mit einem sagenhaften 360°-Rundum-Panorama.

Ich hatte ja bereits im Vorfeld recht ausführlich über die diesjährige “ Totale Sonnenfinsternis in den USA” berichtet. Die Idee einen weiteren Yellowstone-Besuch mit der Eklipse am 21. August 2017 zu verbinden, die hatte ich schon seit :-? ??? … keine Ahnung wann… Steffen kann sich jedenfalls daran erinnern, dass ich diesen Wunsch schon vor über 10 Jahren geäußert hatte. Die Enttäuschung vom August 1999 saß noch tief. Damals waren wir in den frühen Morgenstunden von Wien aufgebrochen und standen dann trotzdem im Moment der Totalität knapp außerhalb der Kernzone auf der Autobahn, die sich in einen Parkplatz verwandelt hatte. Die ringförmige Sonnenfinsternis im Mai 2012 (Link) hatten wir eher durch Zufall beim Vista Point in der Columbia River Gorge miterlebt, aber das war beides nichts, was einem jetzt irgendwie besonders berührt hätte.

Diesmal sollte alles anders werden, so mein Entschluss. Daher bin ich im Nachhinein nicht mal unglücklich darüber, dass das Stanford Inn in Prineville, wo ich uns letztes Jahr kurz nach Mitternacht am 1. August 2016 ein Zimmer für $164 gesichert hatte, unsere Buchung nur wenige Tage später wieder stornierte. Die haben booking.com ganz frech mitgeteilt, dass sie schließen würden und daher alle Buchungen nichtig wären. Wunderbare Ausrede, geschlossen haben die natürlich nicht. Hatten wohl nur vergessen die Preise in den 4-stelligen Bereich zu erhöhen… :angry:
Zu dem Zeitpunkt waren dann natürlich auch sämtliche anderen preislich noch einigermaßen akzeptablen Optionen weg. Das Meiste von dem, was einem da so alles angeboten wurde, war reichlich abstrus. Und dass am Ende auch solche Zimmer oder Betten noch Abnehmer fanden, erscheint noch absurder als die Preise selbst:

Ein Bestseller...! ;-)

Immerhin das Frühstück ist inbegriffen bei diesem Schlafsaal-Bett fernab der Kernzone... ;-)

Eine halbe Ewigkeit von der Kernzone entfernt und trotzdem so ein Schnäppchen... Booking weiß genau, was uns gefällt: Properties you'll love...

Und irgendwann fing dann die NASA an die Gegend rund um Bend/Madras ganz extrem hervorzuheben als beste Location überhaupt, sogar selbst im Vergleich zu zukünftigen SoFis. Spätestens da stand für uns fest, dass wir die Idee die Sonnenfinsternis in den Painted Hills zu erleben lieber wieder schnell vergessen sollten.

Einige Sucherei mit Topomaps und Google Earth führte mich dann schließlich zu einem Ziel, das aber irgendwie fast “too good to be true” erschien. Ich wollte eigentlich das Unmögliche: einen Berggipfel mit einem möglichst kleinen Plateau für den perfekten Rundumblick, leicht zu erreichen sollte dieser auch sein (am besten über eine Autobahn) und natürlich auch “total unbekannt”. Mit dem knapp 2.200 m hohen “Big Lookout Mountain”, der sich gut 1.000 m aus der rollenden Hügellandschaft im Osten Oregons erhebt, hatte ich irgendwie meine “eierlegende Wollmilchsau”. Mit einem nur 1-stündigen Hike zu erreichen und keine 15 mi von der Interstate 84 entfernt, die die Städte Boise in Idaho und Baker City in Oregon verbindet. Aber wieso fand man bei Google zu einem Aussichtsberg mit einem derart tollen und vielversprechenden Namen so gut wie keinen Eintrag!??

Wir blieben spektisch… Vor allem nachdem was wir eine Woche zuvor in Jackson Hole erlebt haben. Unsere Unterkunftsgeberin wusste mir da allerhand absurde Geschichten zu erzählen. Bereits 7 Tage vor der SoFi waren die Eier in sämtlichen Supermärkten in Jackson ausverkauft. Man hatte den Hoteliers und Restaurants der Region mitgeteilt, dass es da Engpässen geben wird. Und wie leer ein Lebensmittelmarkt aussehen kann, haben wir vor Ort dann selber im Smith’s gesehen. Die Leute haben sich da wohl eher auf Weltuntergang als nur eine 2-minütige Finsternis eingestellt!? Wobei auch durch die Medien genügend Panik verbreitet wurde – von wegen die Tankstellen würden dann auch kein Benzin mehr haben, weil alle vom gleichen Provider versorgt werden usw. Bedenklich war auch das, was sich rund um den Jackson Airport im Vorfeld abspielte. Da haben wohl nicht gerade wenige die “private property” Schilder völlig ignoriert und illegal auf dem Farmland rund um den Flughafen einfach ihre Zelte aufgeschlagen. Und überall diese Menschenmassen, zuvor im Yellowstone Nationalpark, dann im Grand Teton sogar ein prächtiger Stau Richtung Jackson… Wir waren heilfroh, dass wir nie auf die Idee gekommen sind, uns dort das Spektakel anzuschauen. Wäre vermutlich eh unmöglich gewesen, unser Hotel z.B. war sogar schon 2 Jahre im Voraus ausgebucht.

Nichts als schnell weg von dort! Wir hatten uns die Tage vor der Sonnenfinsternis in Nampa einquartiert direkt neben der Autobahn, um die Owyhee River Wilderness etwas zu erforschen und natürlich damit man das Verkehrsaufkommen gleich bequem vom Zimmerfenster beobachten konnte. ;)
Auch tripcheck.com und haze.airfire.org zählten zu den von mir ständig aufgerufenen Webseiten. Die Waldbrände bereiteten uns angesichts der katastrophalen Lage in Kanada und im Pazifischen Nordwesten durchaus Sorgen, aber da schien das Glück ebenfalls auf unserer Seite zu sein. An der Oregon-Idaho-Grenze war an den Tagen die Luft einigermaßen klar.

Solche Schilder überall auf den Autobahnen viele Tage vor der Sonnenfinsternis können einen schon ordentlich beunruhigen...
Im Oregon Welcome Center in Ontario wurden uns Sonnenschutzbrillen ausgehändigt und dazu gab es die Empfehlung fürs großen Event gleich in der Stadt zu bleiben. Von Aussichtsbergen weiter nördlich wusste man dort nichts, das ließ uns dann wieder Hoffnung schöpfen. ;-)
Und hier befanden wir schon fast am Ziel: unser Big Lookout Mountain war von der Interstate nicht sichtbar, aber von der Forststraße sah seine Spitze einfach nur perfekt aus! :-)

Die Angst vor Staus und Menschenmassen ließ uns aber schon am Sonntagvormittag von Nampa abreisen und in Richtung Norden aufbrechen. Einen Plan B und C hatten wir zwar auch, aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt auf einen hohen Berg hinauf zu gehen und wollte das nun auch um jeden Preis. Der GPS-Track, den wir zu Hause mit Hilfe von Google Earth erstellt hatten, ließ uns nördlich von Lime/OR an einem Exit runterfahren, wo sich das Militär breit gemacht hatte und behauptete, dass unsere Straße gar nicht auf den Berg führen würde sondern nur durch “private property” mit versperrten Toren. Na bravo!? Kurzer Moment der Ratlosigkeit… Aber stand denn beim letzten Exit nicht das Schild “Lookout Mountain”? Also kurz zurück und oje, schon wieder die U.S. Army! Aber diesmal handelte es sich wohl um die offizielle Zufahrt, nur sollte sich die Forststraße in derart katastrophalen Zustand befinden, dass schon einige Leute wieder umgekehrt wären ohne das Ziel zu erreichen. Und im Falle einer Panne müssten wir damit rechnen erst in 2 Tagen abgeschleppt zu werden. Ach ja, und dann die Feuergefahr! Ob wir wüssten, dass wir bei der derzeitigen extremen Trockenheit mit unserem Auto ganz leicht einen Waldbrand verursachen könnten? Der heiße Motor oder das Auspuffrohr kann wohl das Gras entzünden. Aber so genau mag man das alles gar nicht wissen… :-S
Steffen und ich wollten eigentlich nur endlich rauf auf den Berg. Denn jetzt waren wir schon mal so weit gekommen, diese 15 Meilen würden schon irgendwie machbar sein mit unserem Santa Fe SUV…

Auch die Big Lookout Mountain Road war nicht ansatzweise so übel wie von dem Soldaten geschildert. Ganz im Gegenteil, an manchen Stellen blühte es sogar schön.
Oben angekommen am Trailhead fanden wir auch schnell eine nette (und völlig kostenlose) National Forest Campsite.
Wir ließen es uns nicht nehmen, am Vortag schon mal auf den Gipfel hinauf zu schauen. Am Weg dorthin sahen wir, wo die anderen so überall ihre Zelte aufschlugen. Netter Blick! ;-)

Es stellte sich heraus, dass sich die Forststraße in einem wunderbaren Zustand befand, selbst Pkws standen dann oben am Berg! Und zu unserer Überraschung war die offene Fläche nur wenige 100 m vom Trailhead entfernt, die mich bei Google Earth angelacht hatte, dann tatsächlich eine perfekte Campsite. Sogar schön schattig, obwohl es in dieser Höhe zum Glück nicht ansatzweise so unerträglich heiß mehr war wie die ganzen Tage zuvor, sondern gleich mal um 10°C kühler.
Auch zwei Damen vom BLM waren zur Stelle und wunderten sich – ebenso wie wir – über die erstaunlich geringe Anzahl an Campern. Sie haben gerade mal 35 Leute gezählt!
Wow! Google hatte mich mit seiner “Trefferlosigkeit” bzgl. dieses Berges doch nicht in die Irre geleitet. Der Big Lookout Mountain wurde nur von einer Handvoll Locals aufgesucht und zusätzlich von noch ein paar wenigen, die sich die Mühe gemacht hatten Google Earth zu studieren. Die Zahl der Ausländer war auch sehr überschaubar: 3 Deutsche und eine Österreicherin. B-)

Und das war der Fernblick von ganz oben am Big Lookout Mountain am nächsten Morgen mit der doch recht überschaubaren Anzahl an Menschen, die neugierig auf die Solar Eclipse warteten.
Ursprünglich wollten wir eigentlich die SoFi nur erleben/genießen... Steffen ließ es sich dann aber doch nicht nehmen das Tele auszupacken und ein paar Fotos damit zu machen. Mir ging es nicht viel anderes. ;-)
Ein Selfie gibt es von uns selten. Aber wenn man sich schon mal so coole Stars-and-Stripes-Sonnenbrillen zugelegt hat...... ;-)

Eine Frau aus Kalifornien erzählte uns dann, dass sie schon seit Mittwoch dort oben gecampt haben, weil sie Menschenmassen befürchteten. Aber die blieben selbst am nächsten Morgen aus. Zwar standen dann schon ein paar Autos mehr im Umkreis der Campsites, aber oben am Gipfel waren das keine 100 Leute und diese verteilten sich wunderbar zwischen Berghang und einer Mini-Anhöhe gleich nebenan. Im Endeffekt standen wir auf der einen Seite des Big Lookout Mountains dann fast ganz alleine mit einem netten Herrn aus Seattle. Michael verfügte – wie sich im Nachhinein herausstellte – sogar über einen Wikipedia-Eintrag und war wohl eine ziemliche Größe auf dem Gebiet “Artificial Intelligency”. Zu dem Zeitpunkt wussten wir das aber noch nicht, so haben wir uns mit ihm über alles Mögliche unterhalten und die Wartezeit auf den großen Moment verging erstaunlich schnell.

Was auch lustig war: ein anderer Besucher hatte eine Schablone gebastelt mit dem Schriftzug “USA 2017” aus lauter kleinen Löchern. Als der Mond schon einen Großteil der Sonne bedeckt hatte, sah man damit herrlich die sichelförmigen Schatten. Auch Michael hat mit dem Fernglas eine Sichel auf seine Hand projiziert (Foto rechts). Fliegende Schatten konnten wir allerdings keine beobachten.

Eine lustige Idee: Hier hatte einer der Anwesenden eine Schablone gebastelt mit dem Schriftzug USA 2017 aus lauter kleinen Löchern.
Diese Löcher wurden aufgrund der bereits angeknabberten Sonne nur noch als Sichel im Schatten dargestellt. Der Grasboden war hier etwas ungünstig, aber ich denke, man kann es trotzdem noch erkennen. ;-)
Ganz deutlich sichtbar war auf jeden Fall die Sichel die Michael mit dem Fernglas auf seine Hand projiziert hat.

Hatte ich schon erwähnt, dass wir das Naturschauspiel einfach nur genießen wollten? Ganz so ist es dann doch nicht gekommen. Wenn man schon sonst alles und jeden fotografiert, schafft man es erst recht nicht in solch einer Situation die Kamera in der Tasche zu lassen…….

Toll waren auch die Sonnenflecken, die man am Beginn der Sonnenfinsternis noch gut sehen konnte.So kam es dann, dass Steffen sein Tele für die “angeknabberte Sonne” und für die bevorstehende Korona herausholte. Herrlich wie man damit die Sonnenflecken auf unserem Zentralgestirn erkennen konnte, fast wie Sensordreck sahen sie aus! ;)
Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man während einer Eklipse welche sehen kann. Aber zu dem Zeitpunkt war die Sonne sehr aktiv und genau diese Sonnenflecken sorgten auch bei guten Freunden von uns in Island für viel Freude, denn es gab wieder mal “Polarlichter im Sommer“. :)
Und ich wollte den heraneilenden und den wegdriftenden Schatten filmen. Leider war das Ganze dann aber nicht ansatzweise so wie ich es mir erhofft bzw. von  Sofi-1999-Besuchern gehört hatte – eigentlich der Hauptgrund, warum wir ausgerechnet einen Gipfel mit 360°-Panorama ausgesucht haben. Der Schatten war zwar da, aber extrem diffus nur. Man sah, wie sich im Westen plötzlich in der Mitte der Horizont verdunkelte. Das waren wohl die 100 km, denn so breit sollte der Kernschatten bei dieser SoFi sein. Im günstigsten Fall kann der während einer Eklipse einen Durchmesser von 273 Kilometern erreichen und über 7 Minuten lang den Tag zur Nacht machen, aber das ist nur sehr selten der Fall.

Es wurde – wie vorhergesagt – zunehmend kühler, eine frische Brise kam auf und wir drei zogen unsere Jacken an. Danach ging alles eigentlich rasend schnell. Plötzlich war er da, der unglaubliche 360°-Sonnenuntergang und ganz in der Ferne leuchtete sogar noch eine Bergkette im Licht der “untergehenden Sonne”. Wir waren nämlich hoch genug und unser Blick reichte an die 100 km weit in alle Himmelsrichtungen. Erste Sterne glitzerten am Firmament und am Horizont glühte das Abendrot.

Und das ist eine Weitwinkelaufnahme vom Moment der Totalität, als die Korona sichtbar wurde. Gemeinsam mit den Sternen am Firmament und dem Sonnenuntergang in der Ferne schon ein überwältigender Anblick, der sich aber nur schwer auf Fotos wiedergeben lässt!
Hier die Totalität der Sonnenfinsternis mit dem Tele. Da die Sonne am 21. August recht aktiv war, lassen sich in der Korona gleich etliche rote Protuberanzen erkennen.
Ein Handyschnappschuss von der unwirklichen Lichtstimmung zum Zeitpunkt des dritten Kontakts, als man mit dem Tele den herrlichen Diamantring am Himmel verewigen konnte.

Kurz darauf ging ein Aufschrei durch die (kleine) Menge: “Totality!“, die Korona war da! Alle Blicke richteten sich für kurze Zeit auf dieses ringförmige Gebilde. Und dann kam eigentlich der Moment, der uns mit Abstand am meisten beeindruckt hat: der Diamantring! Da wir uns nicht ganz so mit dem Thema befasst und auch keine wissenschaftliche Literatur studiert hatten, kam er umso überraschender. Steffen reagierte aber blitzschnell und hat den toll verewigt, wie ich finde (siehe erstes Foto hier im Blog). Wobei es sich dabei um eine recht subjektive Frauenmeinung handeln könnte, denn es heißt ja nicht umsonst “Diamonds are the girl’s best friend”… :x

Dieser Augenblick (“dritter Kontakt” heißt er in der Astronomie) ist aber in Wirklichkeit noch viel beeindruckender als auf Fotos. Da standen wir in der Finsternis oben auf dem Berggipfel und plötzlich kam da scheinbar aus dem Nichts ein Licht beamartig zu uns herunter. Als würde einen jemand vom Zenith mit einer schwachen Taschenlampe beleuchten während des Sonnenuntergangs, unglaublich beeindruckend dieser kurze Moment! Und keiner wollte glauben, dass 2 Minuten so schnell vorbei sein konnten!

Der Schatten verabschiedete sich kurz darauf schon von uns in Richtung Osten. Es wurde zusehends heller und wärmer. Wir packten unsere 7 Sachen und machten uns auf den Weg. Dass die 15 Meilen Forststraße keine Probleme machen würden, davon gingen wir aus, aber die Letzten draußen auf der Interstate wollten wir irgendwie nicht sein. Da schwante uns ohnehin Böses und wir hatten daher sicherheitshalber erst die letzte Fähre nach Vancouver Island am nächsten Tag gebucht. Interessanterweise war der Verkehr auf der I-84 zwar rege, aber unauffällig. Und wir freuten uns schon etwas zu früh…

Das was auf die Sonnenfinsternis folgte, war dann weniger beeindruckend: Stau, Stau und nochmal Stau. Solche Autobahnschilder konnten wir dann irgendwann wirklich nicht mehr sehen... Und diese vermeintliche major congestion war dann in Wirklichkeit eine Totalsperrung der Autobahn in Richtung Seattle... ;-(In Tri-Cities, bestehend aus Richland, Kennewick and Pasco am Columbia River, haben wir schon vor Jahren schlechte Erfahrungen gemacht und dieses Mal sollte es kaum besser werden. Auf der I-82 in Richtung Seattle hatte sich ein Unfall ereignet, wodurch für uns auch die Brücke über den Columbia River unerreichbar wurde. Stattdessen dann dem Flussufer zu folgen und die OR-730 entlang zu fahren stehen, war aber leider auch eine Schnappsidee, die endlos Zeit gekostet hat, bis wir es geschafft haben in dem Durcheinander einen U-Turn zu machen. Aber dann standen wir auch bald im nächsten Stau, weil viele auf die von dieser Seite ebenfalls gesperrte Interstate-Auffahrt wollten. Uns blieb nichts übrig als der I-84 in Richtung Portland zu folgen und uns dann uns über den Hwy 97 weiter nach Norden durchzukämpfen. Und was war ein erneuter Krampf, denn auch da staute es sich bei Toppenish meilenweit vor der Interstateauffahrt. Hier konnten wir aber dank der Open Street Maps über Feldwege ausweichen.

Steffen und ich waren nun schon gut 9 Stunden unterwegs auf einer Strecke, für die man im Normalfall keine 4 Std braucht. Inzwischen war es dunkel geworden und wir hatten auch leider kein Quartier vorgebucht, weil wir eben schon befürchteten, dass man am SoFi-Tag nicht dorthin kommt, wo man eigentlich hin will…
So langsam machten wir uns Sorgen, ob wir überhaupt noch ein freies Zimmer finden würden. Bei den Massen vermutlich gar nicht unberechtigt… Daher versuchten wir schon vor Yakima beim erstbesten Best Western unser Glück, denn noch eine Nacht im Auto, danach war uns eigentlich gar nicht.
Es hat geklappt, und das sogar zu einem recht fairen Preis. Ende gut, alles gut? Nein, leider noch nicht ganz.

Die Anzeige bei Tripcheck sah spät nachts noch recht heftig aus. Jede Menge ROT rund um Portland und Seattle und auch auf unserer morgigen Autobahn. Und anderorts war es kaum besser, im Radio berichteten sie vom Chaos rund um Idaho Falls. Bis zum Morgen beruhigte sich die Lage aber wieder und wir waren so flott unterwegs, dass wir sogar die Hoffnung hatten mit einer Fähre früher nach Vancouver Island überzusetzen. Stattdessen mussten wir den Nachmittag auf der Hurricane Ridge im Olympic NP verbringen, denn auch an dieser Stelle hat uns die SoFi einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die 17:20 Uhr Fähre war schon längst voll und für unsere am späteren Abend (21:30) gab es auch bereits eine Warteliste. An dem Tag sollten gleich etliche Leute nicht mehr kanadischen Boden erreichen… Wir waren echt heilfroh, dass wir reserviert hatten!

Mit einem kurzen Moment der Finsternis hatte alles am Vortag begonnen, nun ging unsere Reise in totaler Finsternis zurück nach Kanada und kurz vor Mitternacht trafen wir bei unserem Hotel in Victoria ein. Keine Orcas im Strait of San Fuca, aber die gibt es dann halt beim nächsten Mal! ;)

Abschließend noch ein kleines Fazit zur SoFi, das nach all den hier vorangegangenen euphorischen Schilderungen vielleicht etwas ernüchternd klingen mag. Es lag auch nicht am Stau nach dem Event, Steffen und ich waren uns vorher schon einig: “Gut, nun haben wir es mal erlebt. Nochmal muss eigentlich nicht sein.”
Solch ein Aufwand für so einen extrem kurzen Moment der Freude! Dabei hatten wir ja eh ein Riesenglück und konnten die Sonnenfinsternis wirklich in Ruhe fernab der Massen genießen. Und bei den Freunden von uns, die ebenfalls drüben waren, ist auch alles glatt verlaufen. Es haben alle ins Zentrum des Kernschattens geschaftt, auch wenn sie um 3 Uhr morgens schon im Stau in Denver standen oder aus den Painted Hills geflüchtet sind. Peter und Dagmar waren leider auch nicht mehr bis zu uns durchgekommen und haben von den horrenden Campinggebühren entlang der Highways berichtet. Die Landbesitzer hatten vielerorts die Felder beiderseits der Straßen durch die Kernzonen abgemäht und sich für diese temporär eingerichteten Campsites dann fürstlich entlohnen lassen. Bei Torrington (östlich von Casper) z.B. war der Hwy 85 linker und rechter Hand des Asphalts komplett mit quer eingeparkten Autos zu.

Geschwärmt haben eigentlich alle nach dem Event. Aber die Schilderungen der Amis, dass es “das Beste sei, dass sie je erlebt haben”, die sind in unseren Augen doch eher übertrieben. Oder zumindest können wir das so nicht ganz nachempfinden. Würde man nämlich Steffen und mich vor die Wahl stellen “Polarlichter oder totale Sonnenfinsternis” (haben ja beide mit der Sonne zu tun!), würden wir uns in 100 Fällen auch 100x für Polarlichter entscheiden! Nicht nur weil dieses Naturphänomen einem auch länger als 2 Minuten begeistern kann, sondern weil die Auswirkungen der aus der Korona hinausgeschleuderten Teilchen einfach noch um ein Vielfaches beeindruckender sind als nur mal kurz in der Finsternis die Korona zu sehen.

Ich bin mir aber sicher, dass das der eine oder andere ganz anders sieht und mir da vehement widersprechen wird! ;)

Allerdings die Tatsache, dass ich mir schon die Infos zur totalen Sonnenfinsternis am 08. April 2024 in Texas (eigentlich eine tolle Reisezeit für Big Bend NP usw.) und am 12. August 2026 in Nordspanien (fast mitten durch unsere Lieblingsgegend rund um Luarca…) + Mallorca + Island (mit Snaefellsnes und Reykjavik in der Totalitätszone; Karte) etwas näher angeschaut habe, relativiert wieder einiges. O:-)
Denn ganz ausschließen mag ich das nicht, dass wir uns nicht doch noch einmal in so ein Getümmel stürzen würden. Vor allem der Gedanke, dass man in Island ja sogar Polarlichter während der kurzen Dunkelheit sehen könnte, hat schon so seinen Reiz. :x :x :x
Aber Island ist und bleibt halt das Land mit den denklich schlechtesten Aussichten auf einen wolkenfreien Himmel und das totale Chaos, das auf der kleinen Insel dann herrschen wird, das mag sich auch keiner ausmalen… Aber wie auch immer, mal sehen, was die Zukunft so bringt! Und bis dahin gibt es vorher hoffentlich eh noch 100x “ganz normale” Polarlichter… ;)

Wenn einer von Euch auch drüben war während des Events, würde es mich interessieren, wie es denn so bei Euch verlaufen ist. :)

Und hier abschließend noch ein paar weitere interessante Links zu dem Thema:

  • Vor der totalen Finsternis ist die Internationale Raumstation ISS durch die bereits “angeknabberte” Sonne “geflitzt”. Hier im Video bei Minute 3:50 kann man sich das in Slow Motion anschauen. Sieht fast aus wie ein Formel 1 Auto, das gerade auf unserem Zentralgestirn herumkurvt. :)
    Bei Minute 4:31 gibt es außerdem noch ein paar “Fliegende Schatten”.
  • Hier noch ein tolles Bild der Korona von einem, der mächtig viel Aufwand betrieben hat (Foto besteht aus 36 überblendeten Einzelaufnahmen) und der vermutlich vom Event an sich nichts mitbekommen hat… ;)
  • Last but noch least, hier noch ein Video von jemanden, der sich ebenfalls auf dem Big Lookout Mountain befand. Was man nicht alles im Web findet… :)