Pulsierende Polarlichter – wenn der Himmel seltsam blinkt

Tanzende Polarlichter - die perfekte Zutat um eine Island-Reise unvergesslich zu machen! Ende August/Anfang September war es dort wieder mal traumhaft schön! :-)Bei unserer letzten Island-Reise hatten wir wieder Glück und die Polarlichter tanzten gleich mehrere Tage hintereinander am nächtlichen Firmament (Anfang September ist besonders günstig dafür -> “Beste Zeit um Polarlichter zu beobachten“). Aber eines ist uns diesmal wie noch nie zuvor aufgefallen: Wie extrem unterschiedlich sie doch aussehen können! Die meisten von uns kennen nur die “klassische” Aurora Borealis mit ihren schwungvollen Bögen und farbigen Schleiern. Sie kann bei schnellen Sonnenwinden auch mit dem Auge ziemlich grün aussehen (fast so wie auf dem Foto oben, aufgenommen am 31.8.2019 bei der Gletscherlagune Fjallsárlón im Süden Islands).
Geheimnisvoll hingegen ist ihr naher Verwandter, das pulsierende Polarlicht. Es bleibt vielen Besuchern verborgen. Unscheinbar lässt es den Himmel am Zenit flackern, als würden dort graue Wolken seltsam umhergleiten und hier und da plötzlich etwas heller werden.

Wir haben derartige Polarlichter schon ein paar Mal beobachtet, meist in der fortgeschrittenen Nacht. Wenn diese wie “Nebelschwaden” aussehenden Erscheinungen sich nicht zu schnell bewegen, können sie auf Fotos immer noch erstaunlich schön wirken, siehe z.B. Foto unten mit der Kirche auf Snaefellsnes. Sie geben sich gelegentlich auch als äußerst diffuse, mehrstrahlige Bögen zu erkennen wie bei der Aufnahme unten mit dem Lava-Felsbogen in Dimmuborgir. Diese nimmt unser Auge mitunter sogar als leicht grünlich wahr.

Das klassische Polarlicht ist als Naturschauspiel kaum zu toppen mit seinen herabfallenden Schleiern und Vorhängen.
Pulsierende Polarlichter hingegen wirken am Himmel meist wie graue Flecken, die nur vom Kamerasensor etwas bunter aufgezeichnet werden. Nur selten sind sie so fotogen wie hier in dieser Nacht auf Snaefellsnes.
Eine pulsierende Aurora kann sich aber auch bogenartig quer über den Himmel anordnen und dabei eine leicht grünliche Farbe annehmen.

Wenn man pulsierende Polarlichter in einer Neumondnacht länger belichten muss, wird oft der gesamte Himmel einheitlich grün abgebildet. Dann macht das Fotografieren nur bedingt Spaß. Und es sind vor allem auch keine Leuchterscheinungen, bei denen ein normaler Beobachter in Verzückung geraten wird…
So dachten wir zumindest bis vor zwei Wochen, die Nacht vom 1.9. auf den 2.9.2019 sollte uns eines Besseren belehren. Nach einer gigantischen Show mit schwungvollen Bögen und auf uns von oben niederpasselnden bunten Vorhängen, wurde es wieder ruhiger am Himmel. Die “Ruhe” war jedoch nur von kurzer Dauer. Beim Blick senkrecht nach oben ließ mich ein plötzlich und extrem kurz aufflackerndes Licht zusammenzucken. So schnell wie es kam, war es auch wieder verschwunden. Dafür folgte weiter links der nächste diffuse Lichtblitz, dann weiter rechts, dann an mehreren Stellen zugleich. Die seltsamsten (farblosen!) Gebilde erhellten den Himmel und das immer nur für Zehntelsekunden. Fast wie ein Wetterleuchten nur um vieles schneller – manchmal fast kreisförmig und lokal sehr begrenzt, manchmal wie ein langgezogener Strich oder sogar bogenartig. Es war unmöglich den Blick vom Zenit abzuwenden, so magisch war das, was sich dort abspielte! Immer wieder sind wir dabei erschrocken. So rasch pulsierende Lichter hatten Steffen und ich noch nie erlebt!

Gemessen wurde zu der Zeit ein kp-Wert von 5.0 – jetzt nicht spektakulär hoch, aber immerhin ein sehr ordentlicher Sonnensturm. Bei diesem Wert hatten wir bislang nur “normale Polarlichter”, sprich Bögen und Vorhänge beobachtet.
Was für eine Nacht! Dieses ständige Aufflackern wollte einfach gar nicht mehr aufhören und als wir langsam müde wurden, war noch immer so viel los am Himmel oberhalb unseres Hotels. Und dann stand ich im Zimmer wieder eine gefühlte Ewigkeit fasziniert hinter der Fensterscheibe. :x

Pulsierende Polarlichter am Himmel beim Blick aus unserem ZimmerfensterSo geheimnisvoll wie ihre Erscheinung war lange Zeit auch das WO, WIE und WARUM “pulsierende Polarlichter” entstehen. Erst in den letzten Jahren kamen Forscher diesem Naturphänomen, das sich von der “klassichen” Aurora deutlich unterscheidet, auf die Schliche. Dem seltsamen “Blinken” liegen wohl kurzfristige Fluktuationen in der Elektronendichte und Plasmawellen in der Erdatmosphäre zugrunde. Hier die wissenschaftliche Erklärung in allen Details sowie der Link zu einem Artikel vom MDR mit einem Video, das relativ langsam pulsierende Lichter zeigt (unsere jetzt Anfang September waren um ein VIELFACHES schneller… ich hätte die filmen sollen! :( ). Etwas schmunzeln musste ich angesichts der Bildauswahl, hier hatte die Redaktion wohl offensichtlich kein “pulsierendes Polarlicht” zur Hand. Oder diese Art von Aurora wurde als nicht “hübsch genug” befunden (auch ich habe die “klassische” Variante bei diesem Blog als Titelbild bevorzugt… O:-) ). Nicht alles lässt sich optimal mit Bildern einfangen, diese Nacht und diese heftig pulsierenden Polarlichter bleiben dennoch unvergesslich!

Was uns dabei erneut aufgefallen ist: Vögel reagieren auf dieses Naturschauspiel auf ganz wundersame Weise und einen besseren “Aurora-Alarm” gibt es kaum! Wenn Gänse plötzlich nachts aufgeregt zum Schnattern und zum Umherfliegen anfangen, dann sollte man sich den Himmel ganz genau anschauen! Diese Tiere dürften selbst recht schwache Polarlichter noch sehen/spüren können!
Bekannte von uns, die sich zum gleichen Zeitpunkt in der Nähe von Bergseen im Norden Islands befanden, durften während der Show sogar dem einzigartigen Gesang des Eistauchers lauschen (wer diese tollen Klänge nicht kennt -> Video).
Was ich vielleicht noch erwähnen sollte. Nein, es war überhaupt nicht kalt! Wir genossen die Polarlichter an der Südküste bei Windstille und +10°C!
Island, Du bist so traumhaft schön! :x