Pfeiffer State Beach Arch

Das GOLDEN GATE an der Pfeiffer State BeachWas soll ich über diese kleine, versteckte Bucht an der malerischen Küste von Big Sur schreiben? Sie ist wohl einer jener Ort, wo es einem im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlägt. Auch wenn wir zuvor schon eine Handvoll Fotos gesehen hatten, so war der Anblick in natura einfach nur überwältigend. Hier stand ein gigantischer Felsbrocken in der Brandung, mit einer kuriosen Musterung und Farbe, wie wir sie noch nie an einem Strand gesehen hatten, und mit einem riesigen goldenen Tor durch das ein heller Lichtstrahl fiel. So großartig hatte ich mir weder den Pfeiffer Beach Arch noch den Beam vorgestellt!

Als wir den Strand erreichten, blieb ich nur kurz stehen, stolperte über die kleine Lagune und dann rannte ich los. Wer weiß, wie lange die Sonne noch so schön hindurch scheinen würde! Hektisch das Stativ mal links, mal rechts, mal weiter weg, mal direkt in die Sonne, andere Blende, andere Belichtungszeit, manuelle Fokussierung, ein anderer Weißabgleich, nein letzteres machte keinen Sinn. Steffen rief mir aus der Ferne etwas zu, jeder schraubte, drehte und klickte wie in Trance und dann versank mir das Stativ schon wieder im feuchten Sand. Keine 10 Minuten und die Lichtshow war vorbei. Und ich stand nur noch fassungslos vor diesem fantastischen Felsen. Unglaublich dieses Naturschauspiel und unbeschreiblich mit welcher Wucht die großen Flutwellen immer wieder durch dieses Portal donnerten! Das muss man gesehen haben, es lässt sich mit Worten einfach nicht wiedergeben!

Da wir leider viel zu wenig Zeit hatten uns vor Ort mit dem Sonnentor richtig auseinanderzusetzen, sehnen wir uns schon sehr nach einer baldigen Rückkehr! Und dann gibt es auch einen Größenvergleich, denn Weitwinkelaufnahmen täuschen hier sehr. Allein das Portal schätze ich bei Ebbe an die 3 Meter hoch.
Für das Viel-zu-spät-Kommen muss ich mich an dieser Stelle eigentlich fast noch offiziell entschuldigen. Man(n) war mir da noch einige Zeit lang böse, weil ich nach der Bixby Bridge und dem Garrapata State Park, die schwachsinnige Idee hatte noch kurz zum 10 mi südlich gelegenen Julia Pfeiffer Burns S.P. zu wollen, was zu dieser Jahreszeit ohnehin die reinste Katastrophe war (die Bucht und der McWay Cove Wasserfall lagen halb im Schatten, halb in der Sonne). So kam es, dass wir dann trotz quietschender Reifen erst 20 Minuten vor Sonnenuntergang die Pfeiffer State Beach erreichten. Definitiv viel zu spät… :(

Weitwinkelaufnahmen täuschen hier: der Felsen ist riesengroß!

Nur für kurze Zeit scheint an der Pfeiffer State Beach die Sonne durch das Tor im Felsen,...

...bis der Beam langsam wieder verschwindet.

Anfahrt: Die Anzahl der Orte, die am Big Sur “Pfeiffer” heißen, ist ordentlich verwirrend (und dann sind das allesamt auch noch “Pfeiffers mit drei Fs”… :) ). Den richtigen Pfeiffer erreicht man über die nicht ausgeschilderte Sycamore Canyon Road (36°14’25″N, 121°46’38″W), die südlich der Zufahrt zum Pfeiffer Big Sur State Park vom Hwy. 1 nach Westen abzweigt (bzw. knapp 0,6 mi nördlich vom „Restaurant Bakery“ in der Ortschaft Big Sur). Dieser Forststraße folgt man für etwa 2 Meilen bis zum kostenpflichtigen Parkplatz und von dort sind es dann nur noch wenige Meter bis zum Strand und dem “Golden Gate”.

Beste Zeit: Der Pfeiffer State Beach Arch lässt sich zu jeder Jahreszeit bewundern, für den Beam muss man aber im Spätherbst oder Winter hierher kommen. Auch die Gezeiten spielen eine große Rolle, denn nur bei Ebbe sieht er richtig gut aus. Wie tief das Niedrigwasser sein soll, das ist dann eher Geschmacksache. Wir hatten heute zu Sonnenuntergang +0,3 ft, bei Vollmond (2. November 2009) oder Neumond zieht sich das Wasser am stärksten zurück, was wohl die idealsten Bedingungen schafft. Es kann also nie schaden, vor dem geplanten Besuch die Gezeitenübersicht südlich von San Francisco etwas genauer zu studieren. Last but not least: die Sonne sollte scheinen. Das ist zwar selbstverständlich, glaube ich, aber am Big Sur leider doch reine Glücksache.

Inspired by: Das Interesse für diesen Felsbogen wurde – wie in der Vergangenheit so manches Mal – in Michael Fatalis Galerie in Springdale geweckt. Sein Bild „Ocean Breath“ war fast vollkommen schwarz, bis auf einen warmen Sonnenstrahl, der wie aus dem Nichts kam und auf die weiß schäumende Gischt schien (habe leider hierzu keinen Link im Netz gefunden). Das war im September 2007 und fast hatten wir sie schon vergessen, diese wunderschöne Aufnahme. Dann entdeckten wir ziemlich zeitgleich im Herbst 2008 die Bilder von Patrick Smith und Stephen Oachs im Netz und es war augenblicklich klar: das war Fatalis Portal! Der Felsbrocken war hier allerdings nicht schwarz sondern überzogen von Tafoni (höhlenähnliche Vertiefungen, die ein wenig an den „Schweizerkäse“ im Crack Canyon erinnerten). Nun reizte uns der Arch noch gleich viel mehr und er stand für Herbst 2009 sofort fix am Programm.
Was ich aber in diesem Zusammenhang nicht so recht verstehe: wie kann solch ein wunderschönes und vor allem auch leicht zugängliches Fotomotiv auf einer kalifornischen State Beach so dermaßen lange praktisch „unentdeckt“ bleiben?!? Jeder der sich dort abends im November, Dezember oder Januar aufhält, der muss doch fasziniert von diesem Lichtstrahl sein! Und auch heute tummelten sich zahlreiche Nichtfotografen am Strand. Wenn es die Zeit zulässt, muss ich demnächst ein wenig googeln, denn dass ein in Utah ansässiger Fotograf auch in diesem Fall den großen Run ausgelöst hat, das kann ich irgendwie nicht so recht glauben. Hier muss es doch noch irgendwo ältere Beam-Bilder geben… :)