Unterwegs im Südwesten der USA – Back to the roots

Im Herbst 2010 ging es zurück dorthin, wo einst unsere große Leidenschaft für den amerikanischen Südwesten ihren Ursprung nahm, zur Wave...Lange Zeit war es unklar, wohin es uns diesen Herbst verschlagen sollte. Das Wunschziel lautete eigentlich einstimmig “Pacific Northwest“, aber wie es im Leben halt so ist: es kommt erstens anders und zweitens als man denkt! Was jedoch jetzt nicht heißen soll, dass uns die kurze Rückkehr in den Südwesten nicht trotzdem gefallen hätte! :)
Reiseresümees schreibe ich im Normalfall gerne schon während des Rückflugs oder zumindest unmittelbar direkt nach der Fototour. Das war diesen Herbst aufgrund zwei größerer Projekte leider nicht möglich (Näheres dazu dann nächstes Jahr hier im Blog!). Nun mit fast 1,5 Monaten Abstand fällt es einem etwas schwerer seine Erinnerungen wieder wach werden zu lassen und in Worte zu fassen. Aber ich werde es jetzt trotzdem mal versuchen.

...und zu den unglaublichste, bunten Sandsteinformationen. Hier spaziert Steffen auf einem Hügel, den man eigentlich nur als Crazy Hill bezeichnen kann. :-)Das Abenteuer begann dieses Mal bereits einen Tag vor dem Abflug und zwar am 28. Oktober beim Vorabend-Check-in in Dresden als es plötzlich hieß, man könne uns nicht einchecken. Unser ESTA-Antrag war zwar seinerzeit ganz regulär bestätigt worden, aber jetzt beim Anmeldevorgang in den USA wurde er sichtlich nicht anerkannt. War es eine Null im Reisepass und wieso gleich bei uns beiden? Die Mitarbeiter von Lufthansa standen vor einem Rätsel, sie hatten aber an dem Abend bereits einen weiteren solchen Fall gehabt und als Notlösung hieß es dann von oberster Stelle: die Passagiere mit einem “VISA-ähnlichen” Dokument irgendwie “pseudo-einchecken”. Die Koffer blieben also am Flughafen, aber die Ungewissheit und die Sorgen nahmen wir mit nach Hause. Mir graute vor dem Immigration Officer in Los Angeles… Da es schon recht spät war, traute ich mich nicht mehr Rainer von flywest.de anzurufen, ich schrieb ihm aber noch eine kurze E-Mail. Nur wenig später kam die Antwort, es sei alles OK und es kann sich eigentlich wirklich nur um ein vorübergehendes Systemproblem in Übersee handeln. Auch die darauffolgenden Zeilen brachten mich wieder etwas zur Ruhe und dass ich diese Nacht doch noch ein Auge zubrachte, ist wohl vor allem Rainer zu verdanken! :)

Verschlungene Wege führten uns wieder tief in die Erde hinein.Das ging ja schon mal gut los… Aber am nächsten Morgen war der Spuk tatsächlich wieder vorbei und alles so wie es sein sollte. Pünktlich ging es von Dresden nach Frankfurt, dann weiter nach LA, am Immigration Officer vorbei und schon saßen wir in unserem SUV auf dem schnellsten Weg hinaus aus diesem Moloch. Ein dunkelgrüner Santa Fe von Hyundai war es geworden, die anderen paar 4WDs, die National noch in seiner Choice Line stehen hatte, schieden aufgrund zu geringer Bodenfreiheit, schlechter Reifen oder zu hohem Meilenstand aus. Aber er schien in Ordnung und auch sein Name gefiel uns gut, zumal “Santa Fe” ja zu unseren Lieblingsstädten in den USA gehört… :x

Dieses Mal konnten wir leider nicht wie üblich die erste Nacht bei Laurent und Patricia verbringen, denn wir hatten es eilig. Unsere Wunschtermine bei den Wave Permits waren uns am 15. August verwehrt geblieben, und so hatten wir am Weg nach Page nur Zeit für einen schnellen Abstecher zum Watson Lake bei Prescott und nach Sedona (hierzu folgt noch ein Extrabericht). Außerdem hatten wir bereits am 31. Oktober ein fixes Treffen mit Tony und zwei lieben Weltreisenden in der Fiesta Mexicana in Page. Wie so oft in den USA kamen wir auch hier wieder hoffnungslos zu spät, aber die drei saßen gemütlich gemeinsam an einem Tisch und hatten sich zum Glück schon am Vormittag bei der Wave Lotterie kennengelernt. Dass Gerhard und Nora auch welche für den 1. November ergattern konnten, gab gleich doppelt Anlass zur Freude, denn so durften wir am nächsten Tag noch einige Stunden mit ihnen verbringen und ihre zwei Online-Permits für den 3. November blieben trotzdem nicht ungenutzt… :lala:

Magisch zogen uns die Sandstein Vortexe an...Wider Erwarten wanderten wir deshalb gleich zwei Tage lang von Sonnenauf- bis -untergang in den Coyote Buttes North herum und wir freuten uns, denn “vollformatige” Aufnahmen von dieser Gegend waren ja einer der Hauptgründe für unsere Tour überhaupt. Und nach xy-Besuchen hatten Steffen und ich auch endlich jene Bedingungen, auf die wir schon so lange vergebens gehofft hatten: Wasser im Eingangsbereich der Wave, absolute Windstille und die Sonne lachte vom Himmel! Von den genialen Cirrus-Wölkchen am ersten Nachmittag möchte ich gar nicht erst zu schwärmen anfangen… :)
Gerhard und Nora, an dieser Stelle noch ein RIESENDANKESCHÖN an Euch beide und viele liebe Grüße nach Down Under! :-h

Auch wenn wir wieder ein paar “weiße Flecken auf der Landkarte” in unserer Planung hatten, so stand diese Fototour doch ganz im Zeichen von bereits besuchten Locations. Es ist ungleich leichter Unbekanntes gut in Szene zu setzen als Plätze, die schon millionenfach abgelichtet wurden, und nur selten wird man während einer kurzen Tour so einzigartige Licht- oder Wolkenstimmungen haben, dass man beim Vergleich mit all den anderen bereits vorhandenen Bildern dann wirklich glücklich mit dem eigenen Ergebnis sein wird. Das Ganze hat trotzdem seinen Reiz! So manch einer mag uns für verrückt halten, aber als Fotograf hat man auch beim x-ten Besuch des Antelope Canyon seine Freude. Die wirkliche Herausforderung besteht unserer Meinung nicht darin irgendwelche Bilder namhafter Fotografen nachzustellen, sondern bei bereits “totfotografiert” Geglaubten doch noch das eine oder andere neue interessante Motiv für sich selbst zu entdecken. Und ich hoffe, dies ist uns hier und da ansatzweise gelungen.

...in denen man sich plötzlich unglaublich klein vorkam!Fast eine Woche hielten wir uns rund um Page auf, unser Santa Fe lief sogar deutlich besser als erwartet und meisterte so manche eher haarsträubende Strecke. Und einen Tag lang ließen Tony und wir die Autos stehen und genossen die Gesellschaft von Steve und Kurt. Da es am darauffolgenden Morgen schon vor Sonnenaufgang zur Wave ging, übernachteten wir auch gleich in der Paria Outpost. Thanks Susan, Steve and Kurt! :-h

Anschließend hieß es wieder “auf in den Westen”. Zum Höhepunkt der Laubfärbung trifft man im Zion N.P. wohl so gut wie jeden amerikanischen Fotografen an. Die halbe Belegschaft von NPN war anwesend und auch sonst begegnete man dem einen oder anderen bekannten Gesicht. So saßen Tony und wir am Abend des 5. November mit Ron Flickinger, Adam Kavalunas und Doug Sprock bei einem herrlichen Pork Chili Verde Burrito im Oscars’s in Springdale. Dass wir diesen Mexikaner bislang noch nicht kannten, ist ja fast eine Schande! Aber wir waren sicher nicht zum letzten Mal im Zion! Und schon gar nicht im Oscar’s… :)
Auch über die Bekanntschaft mit “Canyon Runner” Art habe ich mich sehr gefreut. An dieser Stelle viele liebe Greetz nach Denver! :-h

Herrlich leuchtete das bunte Herbstlaub in den Canyons rund um Sedona und in der Subway im Zion Nationalpark...

...und wunderschön schimmerten kleine Edelsteine an so manchem Strand.

Gar Seltsames entdeckten wir in/auf/an so manchem kalifornischen Auto! :-)

Nach einer weiteren Wanderung zur Subway (es scheint doch nie ein letztes Mal zu geben… :) ) standen zwei Sandsteintage im Valley of Fire am Programm. Auch das musste einfach wieder sein! Interessant aber (oder sollte ich eher schreiben “erschreckend”…?), wie sich so manche Dinge in kürzester Zeit ändern können: dort wo letzten Herbst noch rein gar nichts war, gab es nun einen deutlich sichtbaren, richtungsweisenden Trampelpfad! Die Fire Wave hatte sich mittlerweile nicht nur im deutschsprachigen Raum herumgesprochen, auch auf den Seiten von amerikanischen Fotografen erscheint sie nun immer öfter als Motiv.

Den Bericht über den Abend in Sin City und die Nacht im Lakeview Room im Bellagio hatte ich ja bereits hier im Blog veröffentlicht, anschließend ging es noch einmal kurz zurück in unser Lieblings-“Feuertal” und dann hieß es leider schon Abschiednehmen von Tony. Die gemeinsame Zeit und die langen Gespräche mit ihm waren wieder ausgesprochen schön und ich glaube, für beide Seiten auch ziemlich inspirierend. Tony, it’s so good to have you as a friend! :-h

Einen wunderschönen Sonnenuntergang und viel Gedränge gab es auf der Brücke vor dem berühmten Watchman im Zion Nationalpark...Ausklingen ließen wir die Fototour ganz gemütlich an jenem Platz, wo es Steffen und mir in letzter Zeit immer besser gefällt: an der pazifischen Küste. Einige der Locations waren uns neu, aber es gab auch ein Wiedersehen mit den Monarchfaltern in Pismo Beach, dem Pfeiffer Beach Arch am Big Sur, dem Ano Nuevo State Park, der “City by the Bay” San Francisco sowie mit unseren zwei Lieblingsorten Pacific Grove und Monterey. Absolut geniale Bedingungen hatten wir bei der Santa Cruz Natural Bridge, wo wir allerdings den Strand mit gut zwei Dutzend anderer Fotografen teilen mussten. Stephen Oachs leitete an dem Tag zufällig ein Workshop, aber vielleicht war auch gerade das unser Glück. Kaum ein anderer am Strand traute sich so vielen klickenden Kameras in den Weg zu stellen, wenn man mal von ein paar Möwen absieht… :)
Schmunzeln mussten wir auch über die Tatsache, dass ausgerechnet wir als Nichtteilnehmer gleich auf zwei der Fotos in seinem kurzen Bericht über den Workshop zu sehen sind. Immer wieder lustig, wie klein die Welt ist! :)

...und noch schöner war der Sonnenuntergang einige Tage später bei der Santa Cruz Natural Bridge.Unsere Fotos von der Südwest-Tour folgen im Lauf der nächsten Monate und wir werden sie sicher hier im Blog und auch auf Facebook ankündigen. Es sind aber in Summe weitaus weniger als normalerweise. Nach dem stressigen Sommer und Herbst, wo wir Abertausende Fotos hier im Osten Deutschlands gemacht haben und so gut wie kein Wochenende zu Hause verbrachten, hielt sich die Lust am Fotografieren zuweilen doch etwas in Grenzen und wir sehnten uns zwischendurch nach etwas Erholung. Und so fand man uns dieses Mal nicht selten herumlümmelnd – sei es mit einem Cappuccino auf den herrlichen Sofas im Del Monte Shopping Center in Monterey, auf einer einsamen Bank mit Blick auf den blauen Pazifik oder in einer schattigen Alkove inmitten der Paria Wilderness. Man hätte es fast “Urlaub” nennen können… :)
Stundenlang hielten uns auch drei blühende Zylinderputzer-Bäume am Zeltplatz von Pismo Beach auf. Steffen und ich konnten den huschlig kleinen Hummingbirds, die darin nisteten, einmal mehr nicht widerstehen! :x

Auch haben wir den einen oder anderen Sonnenaufgang dieses Mal schlicht und einfach verschlafen. Über einen ganz speziellen ärgere ich mich aber ein wenig: Wir hätten am 6.11 abends nicht nach St. George aufbrechen, sondern eine weitere Nacht in Springdale verbringen sollen. Eine Sturmfront war angesagt und diese kündigten sich schon mit einem dramatischen Sonnenuntergang an. Sie traf aber dann doch etwas später als erwartet ein und ließ auch den morgendlichen Himmel über dem Watchman und dem Court of Patriarchs nochmals feuerrot erstrahlen. Echt schade! Aber wer weiß, ob wir überhaupt rechtzeitig aus den Federn gekommen wären, denn unser Quartier, das Flaningan’s, hat uns ausgesprochen gut gefallen. Und es war sogar deutlich billiger als das Quality Inn auf der anderen Straßenseite. Diese Kette war jetzt im Herbst meist unsere allererste Wahl (in Page z.B. nur $44 für 2 queens, in St. George $49 usw.), aber die vielen Besucher im Zion drückten das Preisniveau ganz gewaltig nach oben: in Springdale wollte man $169 für ein eigentlich doch nur mäßiges Zimmer sehen! So versuchten wir unser Glück gleich gegenüber. Dort lautete das Angebot zunächst “$159 for a king bed“. Als Steffen und ich uns dann unsicher anschauten, fiel der Preis spontan auf $129 und als wir eigentlich schon wieder bei der Tür hinausspazieren wollten, ertönte ein zaghaftes “one o nine” von der Rezeption. Das war ein echt genialer Preis und ein absolut wunderschön luxuriöses Zimmer mit Terrasse!

Wir genossen die Stunden an unseren alten Lieblingsplätzen und in manch schattiger Alcove am Paria Plateau...

...sowie die Aussicht von den kuriosen Gebilden im Hinterland des Valley of Fire State Parks, ...

... wo wir uns einmal mehr auf die Suche nach ungewöhnlichen Felsbögen begaben und uns dann erneut eine zeitlang von den roten Felsen verabschiedeten.

NACH einer (doch eher faulen) Fototour ist VOR einer (wieder ambitionierteren) Fototour! Inzwischen haben wir unseren nächsten USA-Flug gebucht und bzgl. Wunschziel waren Steffen und ich uns – wie so meist – seeehr einig. :)
Schon bei den letzten Reisen sorgten die Kombipreise von flywest.de für Begeisterung bei uns, und jetzt im Dezember war das Angebot noch überzeugender! Die Empfehlung Flug und Auto nicht getrennt zu buchen, kann ich hier nur von ganzem Herzen geben! Es geht nichts über Anfragen nach Kombipreisen per E-Mail und Rainer beantwortet sie gern und prompt. An viele unserer Freunde habe ich sein Reisebüro schon weiterempfohlen (sogar die Weltreise von Gerhard und Nora hat er perfekt durchorganisiert), jetzt muss ich es auch hier im Blog nochmals tun. Und angesichts der raschen Spontanumbuchung im letzten Herbst und des oben geschilderten “Abenteuers vor der Reise” konnte ich jetzt nicht widerstehen und habe Flywest in unseren Blogroll unter “Empfehlungen” aufgenommen. Auch an dieser Stelle abschließend noch ein herzliches Dankeschön, Rainer! Die Vorfreude auf die nächste Tour ist bereits riesengroß und für das neue Jahr haben wir viele Träume, mal sehen welche sich davon erfüllen lassen! :)

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur,
Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!

Wilhelm Busch (1832-1908)