Neues aus dem Westen der USA

news-icon.jpgEs ist wieder mal an der Zeit für einen kleinen “News-Flash” mit ein paar Nachrichten aus dem Nord- und Südwesten der USA, darunter die Errichtung einer Aussichtsplattform am Horseshoe Bend in Page, die Überwachungskamera(s) bei den Coyote Buttes, die Auswirkungen der Waldbrände im Glacier/Waterton Lakes National Park sowie eine möglicherweise signifikante Erhöhung der Eintrittspreise in den beliebtesten Nationalparks der USA.

Horseshoe Bend

Sonnenuntergang am Horseshoe Bend im September 2012 - wer weiß, ob dieser Blick von der Canyonkante zukünftig noch möglich sein wird...Es wird in naher Zukunft am Horseshoe Bend zahlreiche “improvements” geben, mit den Bauarbeiten wurde bereits begonnen. Allerdings vermute ich fast, dass diese vermeintlichen “Verbesserungen” bei den meisten Besuchern, die schon mal dort waren, für eher weniger Begeisterung sorgen werden:
– Vergrößerung des Parkplatzes (dann ausgelegt für 170 Autos und 10 Busse)
– Absperrung am Rim sowie eine gesicherte “Viewing Area” an der Abbruchkante, in der sich bis zu 50 Personen gleichzeitig aufhalten können (Skizze)
– ein neuer längerer Trail, der nicht mehr über den Hügel verlaufen soll, sondern um ihn herum
– ein kleines Besucherzentrum mit Restrooms
– ein Kassenhäuschen, wo der Eintritt für die Glen Canyon NRA fällig wird (gratis mit NP Pass)
– eine Trinkwasseranlage

Ziel ist die rund 4.000 (!) Touristen pro Tag besser zu handlen. Bei dem immer größer werdenden Besucherandrang war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Maßnahmen notwendig wurden. Und sie kommen vermutlich noch gerade rechtzeitig, bevor dort im Gedränge mal einer über die Abbruchkante in die Tiefe stürzt… Dennoch ist es wieder ein Stückchen Natur im Südwesten der USA, das sich in den letzten 20 Jahren dramatisch verändert hat – von einem nahezu unbekannten Aschenputteldasein bis hin zu einem schon fast überrannten “Must See”.

 

Water Holes Canyon

Und wenn wir schon in der Ecke sind: Laut der Zuschrift von einigen Lesern (danke!!!) werden die Permits für den Water Holes Canyon nicht mehr am Upper Antelope Canyon ausgestellt sondern nur noch:

  • im LeChee Tribal Office (kleine “Holzhütte” links neben dem großen Chapter House Gebäude an der Coppermine Road, ca. 3 mi südlich von Page) und
  • neuerdings wohl auch bei “Horseshoe Bend Tours” gleich neben dem Subway an der #89.

Dieses neue Unternehmen (Horseshoe Bend Tours) scheint seit diesem Jahr auch das Monopol für die Touren zum Secret Canyon zu besitzen, wobei diese Schlucht mittlerweile von den Indianern umbenannt wurde und jetzt den Namen “Horseshoe Bend Slot Canyon” trägt. Hierbei handelt es sich um die schönste Seitenschlucht des Water Holes Canyons, für die man bislang eine Tour mit “Slot Canyons Hummer Adventures” buchen musste.

An dieser Stelle noch ein paar Worte zum LeChee Tribal Office: Ich kann nur hoffen, dass die Navajos mittlerweile dieses Büro etwas besser betreuen als früher, denn unsere letzten beiden Besuche waren nicht erfreulich. Beim ersten Mal war es bis auf Weiteres geschlossen und die Damen “gerade mittagessen” und beim zweiten Mal waren sie schwer mit Nägellackieren beschäftigt…

Die Permits für den “Water Holes Canyon” oder die “Great Wall” kosten mittlerweile $12, was aber noch immer ein richtiges Schnäppchen ist im Vergleich zu dem Antelope oder (“Secret”) Horseshoe Bend Slot Canyon.
Fotos und weitere Infos in meinem (uralten) Bericht, der eigentlich mal komplett neu verfasst gehört.

 

Überwachungskamera(s) IN DEN COYOTE BUTTES

Big Brother is watching you at the Coyote Buttes - vielen lieben Dank an Andreas für dieses Foto, das erst vor 2 Wochen aufgenommen wurde!Gerüchte, dass man in den Coyote Buttes North neuerdings nicht nur durch die immer häufiger in der Wave anzutreffenden Ranger und Volunteers kontrolliert wird, kursieren schon länger im Netz. Manchmal gar nicht so leicht zwischen echten und “fake” News zu unterscheiden, in diesem Fall ist an den Gerüchten aber etwas dran:
Das für dieses Naturschutzgebiet zuständige Bureau of Landmanagement (BLM) hat tatsächlich ein Überwachungstool entlang des Trails positioniert und zwar ziemlich geschickt hinter einem Strauch. Es handelt sich um ein recht altmodisch anmutendes Kästchen mit einem kleinen Guckloch, durch das sich eindeutig eine Kamera erkennen lässt. Vielen lieben Dank für das Foto, Andreas!
Und es heißt, dass noch weitere Kästchen dieser Art im Gebiet der Coyote Buttes verteilt wurden. Unser letzter Besuch liegt leider schon einige Jahre zurück, aber vielleicht hat der eine oder andere von Euch in letzter Zeit auch schon eine Kamera dort entdeckt?
Was damit genau registriert wird, das bleibt vorerst ein Rätsel. Es geht wohl primär darum, mit einem Bewegungssensor die genaue Zahl der Besucher zu erfassen und wo diese überall herumschwirren. Und gut möglich, dass dabei auch Fotos gemacht werden.
Mit dem “Trespassing” (unerlaubter Aufenthalt ohne Permit) ist in diesem BLM-Gebiet generell nicht zu spaßen. Die Strafen werden immer drakonischer, wobei die mittlerweile fälligen 1.500 USD (oder mehr) vermutlich noch die harmloseste von ihnen ist… Aber so lange ich nichts Konkretes darüber weiß, möchte ich auch hier nur ungern Gerüchte in die Welt setzen. ;)

 

Hwy #1 weiterhin gesperrt!

Auch nächsten Frühling/Sommer ist es leider noch nicht möglich von Monterey über Big Sur entlang der Küstenstraße bis nach Piedras Blancas oder San Luis Obispo zu fahren. Der Hwy #1 bleibt bei Meile 9 (Mud Creek) wegen dem gewaltigen Erdrutsch voraussichtlich noch bis zum Spätsommer 2018 gesperrt. Seit Mitte Oktober ist nun wenigstens die Brücke bei der Pfeiffer Beach wieder befahrbar, so dass man nun die Möglichkeit hat südlich vom Julia Pfeiffer Burns SP über die Nacimiento-Fergusson Road, Jolon Road und die Autobahn #101 weiterzufahren. Man muss dafür allerdings etwas mehr Zeit einplanen. Näheres zu dieser Umleitung (mit Karte) unter den Updates in meinem Hwy 1 Blog.

 

Glacier National Park / Waterton Lakes

Die Wälder rund um den wunderschönen Red Rock Canyon im Waterton Lakes National Park sind diesen Sommer dem Kenow Wildfire zum Opfer gefallen.Die Waldbrände haben dieses Jahr große Teile dieses “International Peace Parks” und als UNESCO-Weltnaturrebe gelisteten Schutzgebiets vernichtet oder zumindest “neugestaltet”. Das Sperry Chalet oben in traumhafter Berglage oberhalb des Lake MacDonald ist Ende August niedergebrannt, die Lodge am Seeufer konnte vor den Flammen gerettet werden. Auch die Ortschaft Waterton und das berühmte Prince of Wales Hotel sind nur knapp der Katastrophe entkommen. Das “Kenow Wildfire” hat fast die Hälfte des Waterton Lakes Nationalparks in eine Mondlandschaft verwandelt. Die verheerenden Ausmaße dieses Waldbrands lassen sich gut auf dieser Karte erkennen. Alle Touristen-Hotspots rund um die Stadt, den Cameron Lake und auch beim (absolut grandiosen!) Red Rock Canyon wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen.

 

Brand in der Columbia River Gorge

Ich versuche meinen Blog über den Gorge-Waldbrand regelmäßig upzudaten. Der Großteil der betroffenen Gebiete ist allerdings nach wie vor für Besucher gesperrt, so dass eine genauere Dokumentation der Brandschäden wahrscheinlich erst im kommenden Frühling zu erwarten ist.

 

ANGELS FLIGHT

Die ausgesprochen hübsche, orangefarbene Zahnradbahn Angels Flight, ein Relikt aus dem Jahr 1901, verkehrt wieder zwischen den hohen Glaspalästen von Downtown Los Angeles. Die “World Shortest Railway” war 2013 entgleist (es gab keine Verletzten!) und seither außer Betrieb. Für $1 überwindet man jetzt wieder gerade mal eine Strecke von 100 m mit 33% Steigung zwischen der South Hill und Olive Street.

 

Erhöhung der Eintrittspreise bei den US Nationalparks?

Noch bis 23. November 2017 läuft die öffentliche Anhörung des National Park Service zu einer möglichen drastischen Eintrittspreiserhöhung bei den beliebtesten Nationalparks der USA. Im Raum steht ein saisonal erhöhter Einheitstarif während der sog. “Peak Season” von $70/Pkw. Diese “Hauptsaison” umfasst bei den meisten Parks den Zeitraum zwischen dem 1. Mai und 30. September. Ausnahmen bilden der Joshua Tree NP (1. Januar – 31. März) sowie die Nationalparks Rocky Mountains, Mount Rainier, Acadia und Shenandoah (1. Juni – 31. Oktober). Das würde im Falle des Joshua Tree oder Canyonlands NP eine Preiserhöhung von fast 200% bedeuten!

Von den 17 Nationalparks, die zur Debatte stehen, befindet sich die große Mehrheit im Westen der USA:
Arches, Bryce Canyon, Canyonlands, Glacier, Grand Canyon, Grand Teton, Joshua Tree, Mount Rainier, Rocky Mountain, Olympic, Sequoia & Kings Canyon, Yellowstone, Yosemite und Zion NP. Ansonsten betrifft es nur noch den Acadia, Denali und Shenandoah NP (Quelle). Wer sich wundert, warum ausgerechnet der meistbesuchte Park (Übersicht der beliebtesten Nationalparks der USA 2016) nicht auf dieser Liste zu finden ist: Dort wird kein Eintritt verlangt!

America the beautiful National Park PassErstaunlicherweise soll der America the Beautiful” Pass, der seit Jahren für $80 Eintritt in alle Nationalparks und andere Einrichtungen des NPS gewährt, nicht teurer werden. Treten allerdings diese Preiserhöhungen 2018 in allen oben angeführten Parks tatsächlich in Kraft, wird der Pass umso begehrter bei allen Touristen! Der lohnt sich dann möglicherweise schon ab dem Besuch des zweiten Parks! Daher kann ich mir auch kaum vorstellen, dass sein Preis weiterhin so niedrig bleibt. Im Nachbarland Kanada kosten ähnliche NP-Pässe z.B. deutlich mehr! Und wer hier Pässe weitergibt und mit Freunden teilt (Teilen ist in den USA offiziell erlaubt, der Weiterverkauf nicht!), spart eigentlich an der falschen Stelle. Unter der derzeitigen US-Regierung haben es sämtliche Naturschutzorganisationen noch schwerer, Geld fehlt ihnen an allen Ecken und Enden. Dies ist auch der Hauptgrund für diese neuen Eintrittspreise, denn die “großen Besuchermassen” werden sich durch solche Maßnahmen sicher nicht vermeiden lassen. Nicht einmal, wenn sich der Preis für den “America the Beautiful” Pass verdoppeln würde, was angesichts der tollen Einrichtungen in den meisten Nationalparks durchaus gerechtfertigt wäre!

Mehr über die derzeitigen Budget-Probleme des NPS gibt es hier zu lesen. Entlassungen und Schließung von Campgrounds usw. werden auch als mögliche Folge genannt und bevor so etwas passiert, wäre ich als Besucher gerne bereit etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Im Vergleich zu den Gesamtkosten für eine USA-Reise sind das nach wie vor eher Peanuts!
Und an die Pläne der Regierung, das fantastische Grand Staircase-Escalante NM deutlich in seiner Größe zu reduzieren (Quelle) und dort Ölbohrungen sowie Kohleabbau zu genehmigen, mag ich schon gar nicht denken… :(