Übernachten im Auto – der SUV als Schlafwagen

Inside a TrailblazerWie es scheint, ein Thema, das sich einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreut. Seit geraumer Zeit erreichen uns regelmäßig Anfragen per Mail, wie das so ist, wenn wir in der USA im Auto übernachten bzw. Carcampen. Ist es sehr unbequem, auf was muss man achten, was soll man alles mitnehmen, welches Auto eignet sich am besten dafür usw. Auch Fragen zu den Isomatten, Schlafsäcken und selbst zur Hygiene vor Ort gab es schon.
Offensichtlich geht es immer mehr Leuten so wie uns. Nur wegen ein paar wenigen Nächten in der Wildnis gleich auch ein Zelt mitnehmen? Und trotzdem möchte man an einigen Orten einfach nicht darauf verzichten so z.B. in den entlegenen Coyote Buttes South, bei White Pocket oder Little Finland. Selbst am Parkplatz vor der Bisti Wilderness haben wir schon im Auto übernachtet. Will man bereits die ersten Sonnenstrahlen einfangen, so überwiegen die Vorteile, wenn man vor Ort übernachtet und nicht in aller Früh noch viele Meilen Anfahrt vor sich hat.
Aber es ist nicht so, dass wir das Zelten nie ausprobiert hätten. Steffen hat so den einen oder anderen Campingurlaub hinter sich und ich bin seinerzeit auch mit Zelt und Interrailticket quer durch Europa gedüst. Selbst bei unserer ersten gemeinsamen Tour hatten wir noch ein Zelt dabei. Ein Zelt, das allerdings nie Verwendung fand und Steffen wollte den “unnötigen Ballast” schon am zweiten Tag mit der Heimatadresse versehen bei der Post abgeben. :) Bereits am ersten Abend waren wir zu faul es aufzubauen. Wie viel angenehmer ist es da, wenn man vor der nächtlichen Ruhe nur schnell das (gesamte!) Gepäck auf die Vordersitze befördern muss! Und früh morgen “fliegt” alles einfach wieder nach hinten. Aufs Dach kommen bei uns nur die Wassergallonen und manchmal auch ein paar Wanderschuhe (kein Kommentar warum… :lala: ). Die Rücksitze werden mittlerweile meist gleich am ersten Tag umgeklappt und so bleiben sie auch bis wir das Auto wieder zurück geben (müssen).
(PS: Das was nun folgt soll jetzt kein Ratgeber sein, sondern nur ein Bericht darüber wie das “Übernachten im Auto” bei uns so abläuft!

(letztes Update am 02-04-2016)

Was haben wir immer alles dabei?

MammutMitgenommen werden von uns jeweils ein Schlafsack, eine gute Isomatte und eine Unterlage. Hier muss man unbedingt darauf achten, dass der Schlafsack qualitativ hochwertig ist. Wie man sich bettet, so schläft man auch. Die Nächte im Südwesten können nicht nur im Frühling oder Herbst bitterkalt sein. Selbst im Hochsommer ist es z.B. in der Region rund um den Bryce Canyon nach Sonnenuntergang nicht gerade warm. Dasselbe gilt für das Paria Plateau im März/April sowie Oktober. Hier können die Temperaturen nachts sehr schnell den Gefrierpunkt erreichen und wer da keinen guten Schlafsack hat, der kann sich noch so viele Kleidungsschichten übereinander anziehen und es wird trotzdem nicht viel helfen. Es ist absolut kein Vergnügen, wenn man nachts aufwacht und es zittert einem der Magen vor lauter Kälte. Hier spreche ich leider aus Erfahrung. So geschehen in den Coyote Buttes South Anfang April 2006. :-S

Schlafsäcke von Mammut sind unserer Meinung nach nicht schlecht. Am wichtigsten ist aber nicht die Marke sondern der Temperaturbereich für den die Schlafsäcke konzipiert sind. Die Angaben sind leider oftmals mit Vorsicht zu genießen. So manche “Comfort Zone” ist leider gar nicht mehr komfortabel… Unsere Schlafsäcke sind von Mammut: Mammut Ajungilak Kompakt 195 L (Toleranz bis -7°C, Extreme bis -18°C). Von Vaude weiß ich nicht so recht was ich halten soll. Denn der Vaude Travel Light 225 (Toleranz 3 bis -3°C, Extreme bis -10°C) war auch im Frühling und frühen Herbst tadellos, mit dem Vaude Dreamer 2 (Toleranz 2°C bis -4°C, Extrem bis -19°C) friert man schon erbärmlich bei +4°C… Von diesem “Träumer” können wir aus persönlicher Erfahrung nur abraten.

Auch bei den Isomatten sollte man nicht am falschen Fleck sparen. Unsere beiden von Therm-a-Rest können wir uneingeschränkt empfehlen: Therm-a-Rest Expedition self-inflating mattress, 51×183 cm, Dicke: 5 cm; R 4,9 für alle 4 Jahreszeiten geeignet. Wichtig ist hier vor allem die Dicke, die einen vor den Unebenheiten im Kofferraum schützt! Die „regular“ Größe reicht vollkommen aus, zumindest im Auto, denn da hat man eher Probleme mit Unterlagen, die größer als die Liegefläche sind. Die Anschaffung von Therm-a-Rest Matten ist in den Staaten ungleich billiger (so z.B. beim REI in Henderson bei Las Vegas). Als zweite Unterlage (zwischen Isomatte und Auto) haben wir noch zwei ca. 2-3 cm dicke Schaumstoffmatten. Diese gibt es für wenige Dollar in fast jedem Outdoorladen. Von Luftmatratzen oder weicheren Isomatten halte ich nichts, der Liegekomfort ist damit deutlich verringert (oder nicht vorhanden). Zusätzlich habe ich noch einen zweiten Billigschlafsack aus Fleece, auf den ich gern in extra kalten Nächten zurück greife. Dafür bin ich Heiko noch sehr dankbar! Und ebenso für das kleine Mini-Baumwollkissen, das ich von ihm nach seiner Frühlingstour 2007 “geerbt” habe. Steffen hat immer sein aufblasbares Kissen mit – das spart Platz!

Apropos Platz: All das oben Aufgezählte kommt bei uns in einen überdimensionalen Reisekoffer. Dieser wird zwar am ersten Tag geleert, aber im Lauf der Reise füllt er sich unwahrscheinlich schnell wieder an mit all den Sachen, die man nicht (mehr) braucht: Schmutzwäsche, neu erworbene Starbuckstassen etc etc. Irgendwie nicht so unpraktisch. :)

Recht nützlich können auch die kleinen Taschenwärmer sein, die etwas Wärme abgeben, sobald man das darin befindliche Metallplättchen leicht knickt. Sie haben mir in kalten Stunden schon sehr geholfen und deshalb finden die kleinen Beutel immer einen Platz im Gepäck. Was auch eine große Hilfe sein kann (wenngleich etwas unsexy…), das ist Thermounterwäsche als Pyjama.
Noch ein Tipp für eisige Nächte: Man verliert unglaublich viel Wärme über den Kopf. D.h., eine Haube schadet hier niemals! Steffen hat sogar eine Skifahrer-“Verbrecher”-Mütze, ganz besonders fesch (Foto darf ich leider nicht veröffentlichen…). :x
Sicher kein Vergnügen, aber trotzdem musste ich herzlich schmunzeln über das, was Kate einst widerfahren ist. Die Geschichte mit der Bommel ist so süß! :) In einer eisigen Winternacht waren Frank und sie vor lauter Kälte von ihrem Zelt ins Auto geflohen und Kate schlief mit dem Kopf an der Scheibe ein. Am nächsten Morgen war es dann aber selbst im Auto so kalt, dass sie zunächst einmal ihre Mütze auftauen musste… die Bommel war über Nacht an der Scheibe festgefroren! brrr… :-S :)

Womit wir dennoch bei einem der großen Vorteile der Nächte im Auto angelangt wären: Es ist doch spürbar wärmer als in einem Zelt und man kann, wenn man möchte, sogar kurz noch die Heizung vorm Schlafengehen einschalten. Oder beim Aufstehen, da ist es meistens am angenehmsten, wenn man diesen Luxus hat! :)
Man sollte aber immer an die Autobatterien denken und die Heizung keinesfalls die ganze Nacht laufen lassen, sonst könnte es durchaus passieren, dass am nächsten Morgen nichts mehr läuft… (außer die eigenen Beine… )

Was jetzt noch völlig in meiner Aufzählung fehlt, das sind die heißen Nächte. Hier konnten wir bislang so gut wie keine Erfahrung sammeln, weil wir im Südwesten der USA die Sommermonate meist als Reisezeit meiden. Aber einen Lesertipp dazu muss ich an dieser Stelle noch unbedingt weitergeben: Da man ja die Fenster zwecks Frischluft immer einen kleinen Spalt offen lassen sollte, hat man im späten Frühling und Sommer ein Problem mit lästigen und auch stechenden Insekten. Ein Mosquitonetz (daheim im Baumarkt erworben) und etwas Klebeband garantieren da ein ungestörtes Schlafvergnügen.

Welches Auto ist der beste Schlafwagen?

Nissan XterraAm wichtigsten ist die Größe. Der Kofferraum darf auf keinen Fall zu klein sein, die wenigsten von uns möchten die ganze Nacht im “eingerollten” Zustand verbringen. D.h., die meisten Midsize SUVs taugen eher nicht als Schlafwagen, wenn man zu zweit darin übernachten möchte. Mancherorts gab es ein gratis Upgrade und wir haben auch schon erlebt, dass man sich mit einer Midsize-Buchung in der Standard-SUV-Choice Line bedienen durfte. Aber darauf sollte man lieber nicht spekulieren. Mit einer Standard-SUV-Buchung ist man zwar etwas mehr Geld los, erkauft sich aber zugleich ein großes Plus an Bequemlichkeit.

Wir haben die letzten 10 Jahren allerlei Fahrzeuge in den USA auf ihre “Tauglichkeit” getestet. Über eine riesige Liegefläche verfügt z.B. der auch Anfang 2016 noch in den Choice Lines erhältliche Dodge Durango. Der ist hinsichtlich Schlafkomfort kaum zu toppen aber als Premium Fullsize SUV entsprechend teurer meistens (Foto vom Innenraum).
Als Standard SUV war der Nissan Pathfinder immer unser persönlicher Favorit (neben dem Toyota 4runner). Nicht nur dass der “Spurensucher” ein exzellenter 4WD ist, sondern auch der Schlafplatz erschien uns in diesem SUV am bequemsten zu sein. Hier muss man sich nicht schräg legen und man stößt weder mit dem Kopf noch mit den Füßen an Vordersitz oder Heckklappe an – perfekt für Leute bis zu 1,83 m! Der Toyota 4runner ist zwar etwas kürzer, aber noch immer ein guter Schlafwagen. Und wenn man die Vordersitze vom Nissan Xterra so weit wie möglich nach vorne schiebt (wichtig!), ist auch dieses Auto unserer Meinung nach durchaus zum Übernachten geeignet.

Jeep Cherokee Auch den Toyota RAV4, mit dem wir im Sept/Okt 2012 unterwegs waren, fanden wir hinsichtlich Schlafkomfort recht gut (im Gelände ließ er aber zu wünschen übrig…). Er ist einer der ganz wenigen Midsize-Modelle, die man empfehlen kann. Er hat aber ebenso wie der Jeep Grand Cherokee allerdings einen gewissen Leerraum zwischen den umgeklappten Rücksitzen und den Vordersitzen, der aber wenn man genügend Wasserflaschen und weiche(!) Taschen hat recht schnell und einfach ausgefüllt ist. Der seit 2012 an etlichen Choice Lines erhältliche Chevrolet Traverse, ein Standard SUV, soll sich – Rückmeldungen zufolge – ebenfalls bestens zum Schlafen für zwei Personen eignen (flache Liegefläche und lang genug für 1,83 m). Dasselbe gilt für die Ford Egde Modelle, ebenfalls aus der Kategorie “Standard SUV”. Über aktuelles Feedback freue ich mich immer! Lieben Dank! Auch danke schon im Voraus!!! :)

Toyota Landcruiser in IslandEin anderer Toyota wurde von uns 2014 bzw. 2015 im isländischen Hochland ausgiebig getestet und zwar der Toyota Landcruiser! Beurteilung: Einen ganzen Urlaub möchten wir darin nicht verbringen, aber für eine Nacht mal hier mal dort, war er auch mehr als OK.
Am schlechtesten sah es in einem Trailblazer aus, der im Westen der USA inzwischen aber eher nicht mehr in den Choice Lines zu finden ist. Bei diesem SUV klappen die Rücksitze äußerst merkwürdig nach vorne um. Das kostet schon die ersten wertvollen Zentimeter und dann hat er noch Kopfstützen, die nach dem Umkippen der Rücksitze senkrecht in die Höhe stehen und die Liegefläche um locker 20 cm verkleinern (siehe Foto ganz oben). 20 leider sehr wichtige Zentimeter, vor allem wenn man groß ist…

Jeep LibertyNotfalls (und wenn es nicht zu kalt ist) lässt sich die Liegefläche einfach vergrößern, in dem man die Heckklappe nur halb zu macht (ggf. mit Schnurr anbinden, damit sie nicht ganz hochklappt). Kalt sollte es dann lieber nicht sein! Aber diese doch eher unelegante Methode ist das Einzige, das einem übrig bleibt, wenn man groß ist und nur über einen kleineren Midsize SUV verfügt. In dem Jeep Liberty, den wir im Winter 2008 hatten, kann man unserer Meinung nach zu zweit nicht wirklich schlafen. Zumindest möchte ich es echt nicht freiwillig tun! :)
Auch der derzeit (2014) in Choice Lines oft erhältliche Ford Escape soll hinsichtlich Kofferraumgröße nicht berauschend sein, aber wahrscheinlich immer noch besser als der Jeep Liberty.

Sehr vernünftig erscheint mir auch die Variante mit Wohnwagen und Jeep einen Urlaub im Südwesten zu verbringen. Diese Variante gab es zum Beispiel früher bei Cruise America auf Anfrage (danke Svobi für den Tipp! :) ). Allerdings war das Vergnügen nicht gerade billig und so sind wir bislang auch nur mit Jeep recht gut ausgekommen. Mal eine Nacht im Motel, mal eine in der Wüste. Mehr als drei aufeinander folgende Nächte im Auto haben wir uns bislang nicht angetan!

Lustig in diesem Zusammenhang auch all die Geschichten und Anekdoten, die wir im Lauf der letzten Jahre zum Thema “was führe ich alles mit meinem SUV auf” gelesen haben. Manche betrieben es so professionell, dass sie die gesamten Rücksitze am Anfang der Reise ausbauen, zur Aufbewahrung in eine Lagerhalle geben und erst am Ende der Reise wieder einmontieren. Den Kreativen gehört die Welt! =:)

Zuletzt noch ein wichtiger Tipp: Da man nie weiß, wie sich Modelle im Lauf der Jahre ändern oder ob es nicht von Auto zu Auto Abweichungen gibt, sollte man auf Nummer sicher gehen. Wir machen deshalb fast immer bereits beim Vermieter ein kurzes Probeliegen. Besser es schauen einem dort ein paar Leute verdutzt zu, als dass man nachher das große Malheur in der Wildnis hat! :)
Und noch wichtiger für alle die dirt roads fahren möchten: Unbedingt überprüfen, ob der SUV tatsächlich 4WD hat! Cherokees z.B. tauchen immer öfter in der 2WD-Variante in den USA-Choice Line auf!

Wo abstellen?

Wichtig ist nicht nur eine ebene Liegefläche im Kofferraum (nicht bei allen SUVs der Fall!) sondern auch, dass das Auto selbst gerade steht und dass die Liegefläche kein Gefälle aufweist (sieht man oftmals auf ersten Blick nicht und merkt es erst beim Probeliegen!). Nichts ist unangenehmer, als wenn man nachts ständig aufeinander zurollt. Mag das anfangs ja noch recht schön sein, aber irgendwann möchte man doch auch ein wenig schlafen. ;;) Äußerst unangenehm ist es auch, wenn man in der Nacht allmählich aus dem Bett herausrutscht in Richtung Heckklappe, d.h. wenn der SUV vorne zu hoch liegt.

Auch sonst gilt es einige Grundregeln zu beachten. Nicht überall ist es gestattet das Auto abzustellen (z.B. in den meisten Nationalparks nicht!). Vorsicht vor allem auch was besiedelte Gebiete betrifft! In vielen US-Bundesstaaten ist das Übernachten am Straßenrand per Gesetz verboten so z.B. in New Mexico oder Idaho. Mit Geldbußen und Freiheitsstrafen ist zu rechnen (Quelle). Am Trailhead der Bisti Badlands (New Mexico…) haben wir allerdings schon öfters geschlafen und auch z.B. entlang des Extraterrestrial Highway darf man ganz offiziell neben der Straße über Nacht stehen (Quelle).

National Forests verlangen fürs Zelten oft eine geringe Gebühr, aber nicht selten kann man unweit der offiziell ausgewiesenen Campgrounds auch völlig kostenlos seinen “Schlafwagen” abstellen. Boondocking ist ein neuer Modebegriff aus den USA und bedeutet “free” bzw. “dispersed camping” (“in the Boondocks” = “draußen in der Pampa”). Eine Database zu kostenlosen Plätzen gibt es z.B. unter:

Wie schaut es mit der Hygiene aus?

Weißes Klo für ihn, rosa Klo für sieDie großen Plastikbehälter, in denen man den Salat beim Safeway bekommt, eignen sich (nachdem man den Salat verspeist hat…) hervorragend als kleines Waschbecken. Das nötige Waschwasser haben wir zuvor immer in den Hotels in die leeren Trinkwassergallonen abgefüllt. Vorne auf die Motorhaube abgestellt und mit etwas Seife und einem Handtuch und man hat alles, was man braucht.
Und für den Fall, dass man nicht so nett ausgeschilderte Toiletten in der Wildnis vorfindet (siehe Foto), empfiehlt sich die Mitnahme einer kleinen Schaufel oder eines Klappspaten. Mindestens 15 bis 20 cm tief unter der Erde lautet da die “goldene” Regel.

Was essen wir in der Wildnis?

Picknick am Alstrom PointVor meiner Zeit hat sich Steffen nicht selten einen kleinen Grill gekauft und wenn sich fleißige Leute wie Thomas oder Armand um das Abendessen gekümmert haben, dann hat es ganz besonders gut geschmeckt. :)
Seit wir gemeinsam unterwegs sind, ist diese Tradition irgendwie vollkommen eingeschlafen. Schuld war da nicht einzig und allein der ehemalige Besitzer des Crazy Jug Motels in Fredonia, der im April 2006 den Grill, den Armand uns hinterließ, als hochgradig bedrohlich eingestuft hatte und ihn deshalb entsorgte… sondern vielmehr unsere Faulheit und die Tatsache, dass ich nicht so sehr der große Fleischesser bin. Hauptgrund ist aber sicher, dass wir beide nicht auch noch Gaskocher und Campinggeschirr mitnehmen möchten. Aber es geht auch ohne Lagerfeuer oder Grill. Stattdessen haben wir meist vom Safeway eine riesige Bio-Salatschüssel mit und den obligatorischen “Adler” (Steffen´s Bezeichnung fürs Grillhendl…). Dazu gibt es noch ein frisches French Bread und allerlei andere Lebensmittel (siehe Extrabericht zum Thema “Essen und trinken in der USA“). Eine Kühlbox erübrigt sich bei uns meistens, da wir doch eher immer in den kühleren Monaten unterwegs sind.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch: Man sollte immer viele Gallonen Wasser dabei haben! In der Wildnis weiß man nie, was einem erwartet!

Wohin mit den Lebensmitteln?

Düfte und Gerüche locken wilde Tiere an. Wer dies vermeiden möchte, sollte auch dafür sorgen, dass sich keinerlei Lebensmittel (oder Abfälle!) außerhalb des Wagens befinden. Wir stellen meist die Koffer auf die Vordersitze ab, so dass unten im Fußraum noch ausreichend Platz ist für sämtliche Safewaysackerln. Man sollte die gute Nase und die Intelligenz der Tiere niemals unterschätzen!

Zum Thema Lebensmittel unter freiem Himmel gibt es eine recht lustige Geschichte, die Philippe mal vor einigen Jahren in Havasupai widerfahren ist. Er hatte dort unter freien Himmel geschlafen und wollte am nächsten Tag noch einige Wanderungen jenseits der Mooney Falls unternehmen. Seine Lebensmittel hinterließ er am Picknicktisch des Campgrounds in einer Tasche, die er noch zusätzlich mit großen Steinen beschwerte. Als er nach dem anstrengenden Tag zurückehrte, freute er sich schon auf sein leckeres Abendmahl. Von weitem sah noch alles unversehrt aus. Aber als er die Steine aufhob, merkte er, dass sich im Inneren seiner Tasche nichts mehr befand außer lauter leere Sackerln. Die frechen squirrels hatten ein Loch in den Boden genagt und Philippe komplett geplündert. :) Alles war weg, die Cashewnüsse, die Müsliriegel, das schwedische Brot, die Tomaten, die Äpfel, die getrockneten Früchte. Alles bis auf das Beef Jerky. Aber selbst diesen Sack hatten die kleinen Diebe aufgebrochen! Zum Glück hat ihnen das getrocknete Fleisch nicht so recht gemundet, denn es war das einzige das Philippe nun übrig blieb als Abendmahl und für den langen Aufstieg zum Canyonrand am nächsten Tag. :(

Eine große Ausnahme gibt es bzgl. der Aufbewahrung in Bärengebieten. Denn diese Tiere haben bekannterweise eine außergewöhnliche Nase und brechen zuweilen sogar in Autos ein. Aber in Bärengebieten schlafe ich sowieso lieber in herkömmlichen Betten zwischen vier ganz sicheren Wänden, außer die Zeltplätze sind so schön mit einem hohen Sicherheitszaun umgeben wie in Lake Louise. :)

Bequem?

Ich will jetzt nicht behaupten, dass es bequem ist, denn das ist es nicht. Aber mit ein paar dicken Unterlagen kann man dafür sorgen, dass es doch so bequem wie möglich wird. Ein lieber Freund von uns hat die Ladefläche seines SUVs ganzjährig zu einem Campingwagen umfunktioniert und mit zwei dicken Federmatratzen ausgestattet. Außerdem hat er immer seinen Gaskocher und einen kleinen Klappstuhl mit. Luxus pur! Das würde ich dann schon eher unter “bequem” einstufen! :)

Schön?

Idyllische Sonnenuntergänge im Südwesten - Saguaros at Sunset Das Übernachten in der Wildnis ist zuweilen sogar sehr, sehr schön. Wenn man abends mit offener Heckklappe in einer lauen Frühlingsnacht den sternklaren Himmel über sich hat oder eingemummelt in den Schlafsäcken den nächtlichen Geräuschen der Wüste lauscht, so sind und bleiben das unvergessliche Momente. Und anschließend wird die Heckklappe fast oder ganz geschlossen und man fühlt sich genauso sicher wie zwischen den vier Wänden eines Motelzimmers – geschützt vor Wind und Wetter sowie vor unliebsamen Wüstenbewohnern. Schon allein aufgrund der Krabbel- und “Schleich”tiere würde ich beim Biwak am Boden unter freiem Himmel keines der beiden Augen zubringen. Das könnte ich nicht mal, nach dem Konsum von etlichen Flaschen kanadischem strong beer. Aber es soll harte Männer geben haben, die danach schon mal mit nacktem Oberkörper bei Temperaturen um die 0°C und leichtem Nieselregen bei den Coyote Buttes South unter freiem Himmel geschlafen haben… Hallo Kent! B-)

Fazit

Wenn es nur irgendwie geht, schlafen wir im Motel. Aber auch die Nächte in der Wildnis gehören bei uns mittlerweile zu einem Südwesturlaub einfach dazu. Ich möchte sie jedenfalls nicht missen!