Sony Alpha 7R II mit Metabones-Adapter und Canon-Objektiven – ein Erfahrungsbericht

sony-alpha-7riiAngekündigt hatte es Steffen schon vor einigen Monaten hier im Blog, nun ist es nach langem Zögern und ewigem Hin und Her doch passiert: Eine spiegellose Vollformat-Systemkamera, die Sony Alpha 7R II (ILCE-7RM2), hat ihren Weg zu uns gefunden und ersetzt seit geraumer Zeit eine meiner alten Canons EOS 5D Mark II aus dem Jahr 2009. Die zwei Kameras haben extrem gute Dienste geleistet, aber nach Hundertausenden von Aufnahmen und immer allen Witterungen ausgesetzt sind sie mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommen. Als Backup- und Knipskamera (für die schnellen Schnappschüsse) noch immer TOP, aber mit einem bevorstehenden USA-Foto-Urlaub hatte ich mich kurzerhand entschlossen, “eine Neue muss her”.

Der Hauptgrund, warum es eine Sony wurde, lag daran, dass Canon derzeit leider keine brauchbare Alternativen am Markt hat. Weder der 50-Megapixel-Bolide 5DS noch die EOS 5D Mark III konnten mich überzeugen. Letztere ist zwar zweifelsohne eine ausgezeichnete Kamera, bot aber dennoch zu wenig Innovation im Vergleich zum Vorgängermodell. Nicht wegen der nahezu identischen MPs, sondern vielmehr in puncto “dynamic range”, wo Canon seinen Konkurrenten mit Sony-Sensoren seit Jahren hoffnungslos hinterherhinkt. Ein Umstieg zu Nikon kam ebenfalls nicht in Frage. Dafür hat Canon einfach zu viele gute Objektive und der Vorteil, wenn man zu zweit mit ein und demselben Linsensystem unterwegs ist und so nur eine Backup-Kamera braucht, sollte auch nicht unterschätzt werden! Und drei neue Bodies (Notfallkamera muss einfach sein!), alle Linsen neu und dann auch noch gleich doppelt… das wollte ich mir nicht ausrechnen! ;-)

Die Sony bot die Möglichkeit mittels Adapter Fremdobjektive zu benutzen. Aufgrund der vielen Erfahrungsberichte im Netz haben wir uns für den Metabones-Adapter (MB_EF-E-BT4) entschieden. So konnte ich auf Reisen dieselben Linsen parallel auch noch an meiner Canon-Zweitkamera einsetzen.

Aber die Euphorie verflog recht schnell wieder, kaum war die Sony Alpha 7R II da. Nicht nur dass sie nicht so perfekt wie die alten Kameras in der Hand lag (das Gehäuse ist einfach zu klein dafür!), das erste wirkliche Problem war vielmehr ihre umständliche Bedienung. Und mein Fazit zu dieser Kamera wäre nicht unbedingt positiv ausgefallen, hätte ich es noch vor 2 Monaten verfasst. Jetzt nach etlichen Wochen intensiver Nutzung, konnte ich neben der wirklich grandiosen Bildqualität durchaus noch einige weitere andere Vorteile entdecken.
Wer also die (lange) Geschichte über meine Anfangsschwierigkeiten mit der Kamera nicht lesen möchte, kann gleich zu den folgenden Punkten übergehen:

 

DIE ANFANGSSCHWIERIGKEITEN – PROBLEME MIT DER BEDIENUNG DER SONY A7R II

Es steckt unglaublich viel Technik in diesem kleinen Body. Oder sollte ich hier vielmehr “versteckt sich” schreiben…!?
Die “Kennenlernphase” war also alles andere als einfach, um nicht zu sagen “äußerst mühsam” und für nicht ganz so “Technikinteressierte” wie mich mitunter auch richtig demotivierend. Und nicht selten habe ich mir ein Buch “Sony α7R II für Dummies” gewünscht. Während die Handhabung meiner alten Canon-Kameras doch recht intuitiv ist und man ins Handbuch selbst anfangs kaum einen Blick hineinwerfen muss, so sieht das bei der Sony schon komplett anders aus. Dort ist das Ganze eine Wissenschaft für sich…

Dass die Knöpfe und Räder anders belegt sein würden, davon war auszugehen, aber dass man dann in der mitgelieferten, 700 Seiten dicken Bedienungsanleitung die banalsten Begriffe nicht findet (es gibt ja auch keinen Index!), das war dann doch etwas befremdlich. Das Ding kann man eigentlich getrost unausgepackt in der Schachtel lassen, es taugt einfach echt nichts! In der pdf-Form des Manuals kann man wenigstens die Suchfunktion nutzen, aber auch dort wurden wir gleich mehrfach nicht fündig…
Nur mal als Beispiel: Die “Abblendtaste” – die bei Sony “Blendenvorschau” heißt aber in beiden Varianten im Handbuch unerwähnt bleibt – lässt sich sehr wohl über die “Custom Key Settings” (MENU > > 7 > Custom Key Settings > Aperture Preview) abrufen. Mit der Sony macht man übrigens auch keine “Fotos” oder “Aufnahmen” sondern “Standbilder”! Über die deutsche Übersetzung sollte ich mich jetzt lieber nicht weiter äußern, nur soviel: Steffen hat dann irgendwann die Kamera auf Englisch umgestellt, damit überhaupt irgendwas weiter ging! ;-)

Wirklich hilfreich ist nur Google und interessanterweise standen die von uns gesuchten Sachen dann – zumindest teilweise – auf der Sony-Seite in der Online-Hilfe, d.h., diesen Link oder die deutsche Version sollte man sich unbedingt bookmarken. Und man darf sich auch nie entmutigen lassen, wenn man wieder mal eine Kamerafunktion nicht findet… sie ist meistens doch da! Nur ist im Menü rein gar nichts logisch oder alphabetisch angeordnet. Sucht man beispielsweise das Wort “Focus Magnifier” unter den Custom Key Settings, nicht gleich aufhören zu scrollen, wenn man drei Begriffe mit “Focus” hintereinander sieht, der vierte versteckt sich garantiert erst am Ende der Liste und zwar hinter XYZ… ;-)

Wirklich durchdacht ist da leider gar nichts (oder vielleicht nur auf Japanisch?). Und die Logik bei den vorprogrammierten Tasten lässt vielerorts auch sehr zu wünschen übrig… Aber wie auch immer, am Ende des Tages hatten wir es dann geschafft, unnütze Standard-Einstellungen zu eliminieren und alle Knöpfe anders bzw. sinnvoller zu belegen.

Aber das war leider noch nicht das Ende der Geschichte. Immer wieder gab es zwischendurch irgendwelche Inkompatibilitäten, plötzlich ging das nicht, dann mal jenes nicht und es dauerte immer Stunden, wenn nicht Tage, bis man der Ursache auf die Spur gekommen ist. So funktionierte plötzlich der Nachtaufnahmemodus nicht, auch der AF setzte für längere Zeit aus und dann war plötzlich der MF-Assist verschwunden. Das lag allerdings nicht immer nur an der Sony, denn auch der Metabones hat sein Eigenleben, wie ich dann unter “Probleme mit Fremdobjektiven und Metabones-Adaptern” etwas ausführlicher schildern werde…

Eines steht aber fest: Die Sony a7R II und einen Metabones kaufen und gleich loslegen, das geht nicht! Bei dieser Kombination muss auf sehr vieles geachtet werden und bei der Kamera muss wirklich alles vorher mühsamst erlernt und neu konfiguriert werden… Das hat natürlich den Vorteil, dass man sich sein Arbeitswerkzeug selber so zusammen”schnitzen” kann, wie es einem am besten passt. Aber bis man erst mal so weit ist, hat man auch garantiert ein paar graue Haare mehr. Zum Glück gibt es Google und nette Menschen, die einem im Netz mit allerlei Tipps versorgen. Beim “Troubleshooting” ist man allerdings trotzdem leider nicht selten auf sich allein gestellt und auch zum Thema “Empfohlene Einstellungen bei der Sony alpha 7RII” hat wirklich jeder seine ganz persönlichen Ansichten. Meine Einstellungen habe ich weiter unten auch in einer Tabelle veröffentlicht und vielleicht hilft dem einen oder anderen auch dieser Bericht bei der Klärung von “rätselhaften Phänomenen” oder unklaren Punkten etwas weiter.

Vielleicht vorweg an dieser Stelle schon, weil doch recht wichtig: Den Flugzeugmodus aktivieren! Seit wir den unter “MENU > > 1″ entdeckt haben, hält der Akku auch etwas länger als nur eine halbe Stunde… ;-)

sony-airplane-mode

Nun ja, soviel mal zu den ersten “Kämpfen”…
Aber das war es noch nicht… Neben den unübersichtlichen, nicht durchdachten Menüs und der schlechteren Bedienbarkeit nimmt man beim Fotografieren mit der spiegellosen Systemkamera und Fremdobjektiven noch ein paar weitere Nachteile in Kauf:

 

Die NACHTEILE DER SONY A7R II

DER STROMFRESSENDE MONITOR:
Etwas, das einem sofort auffällt und einen eingefleischten DSLR-User anfangs ziemlich stören könnte, ist die Tatsache, dass sich der Monitor nicht einfach per Tastendruck ein- und ausschalten lässt. Er ist per Default immer an und daran kann man auch nichts ändern! Er geht automatisch erst nach einer Minute aus oder wenn man durch den Sucher schaut. Klingt vielleicht recht praktisch dieser Automatismus, aber wer will den Monitor nach einer Aufnahme noch so lange unnötig laufen lassen oder gleich immer an haben, sobald man die Kamera einschaltet…!? Dies war mein erster Eindruck, bis ich nach vielen vielen Tagen feststellen musste, was sich tief tief im Menü hinter der Option “MENU > > 2 > Pwr Save Start Time” verbarg. Dort kann man nämlich die Zeit, bis die Kamera in den Stromsparmodus übergeht, auf “10 Sekunden” verkürzen. Das ist gut und schön, aber ich würde mir eher Einstellungen wie “20 s” bzw. “30 s” wünschen und dass man sich diesen Punkt unter das schnell zugängliche, persönlich zusammenstellte “Fn Menü” (siehe unten) legen könnte. Denn 10 Sekunden ist nur selten die richtige Wahl und schon gar nicht in Situationen, wo es manchmal auf Sekunden ankommt, wie z.B. wenn man früh morgens auf die aufgehende Sonne wartet und den Sonnenstern optimal erwischen möchte.

Aber wie gesagt, dieses Feature ist wenigstens besser als gar nichts, nur muss man es erst “entdecken”. Wir haben aber auch einen Button so umprogrammieren, dass man den Monitor nach Bedarf abdunkeln kann (MENU > > 7 > Custom Key Settings > Deactivate Monitor). Damit wird er nicht “deaktiviert” sondern nur schwärzer und die Belichtungszeit/Blende/ISO usw. bleiben nach wie vor sichtbar. D.h., er braucht trotzdem noch etwas Strom und diese Menüfunktion erfüllt meiner Meinung nach auch nicht so ganz ihren Zweck.

Selbst der Stromsparmodus ist nicht so ganz unproblematisch. Wer nach dem Shooting vergisst die Kamera über Nacht auszuschalten, hat schon verloren…
Das einzig wirklich Sinnvolle, das man bei der Sony tun kann: Sobald man eine kurze Pause macht, sie wieder auszuschalten. Das mag zunächst vielleicht ganz schön gewöhnungsbedürftig klingen, aber interessanterweise stört einem das schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Ganz im Gegenteil, es dauert nicht lange und man will – ohne Nachzudenken – dann auch plötzlich die Canon vorne am Knopf nach dem Fotografieren ausschalten… ;-)
Recht umständlich ist leider das Betrachten der Bilder am Monitor bzw. der Wiedergabezoom der Sony. Will man die Schärfe schnell nach einer Aufnahme checken, ist das nicht ganz so leicht wie mit den Canons. Zuerst darf man warten, bis das Bild erscheint. Das dauert schon mal… Und anschließend muss nach dem Drücken der Lupentaste (C3) erneut geduldig gewartet werden, bis der Zoom automatisch auf 100% springt. Wer währenddessen unten am Rad dreht, hat keine Chance je zu erfahren, wann genau die 100% erreicht sind, denn damit kann man völlig unsinnigerweise weit über die 100% hinauszoomen (wer bitte braucht so etwas!??). Zumindest ich habe noch nicht herausgefunden, wie das anders funktionieren könnte. Ganz im Gegenteil, selbst dass der Zoom nach einer Weile “hineinhüpft” war auch eher eine “Zufallsentdeckung”. Wie eben so vieles beim Kennenlernen dieser Kamera…

Was auch auch nicht unerwähnt bleiben darf, sind die Macken des Lifeviews… Ich habe leider inzwischen mehrfach beobachtet, dass sobald etwas Feuchtigkeit in der Luft liegt, funktioniert nur noch der Sucher! Und man kann machen was man will, der Lifeview zeigt sich meistens erst wieder im Auto oder Zimmer… Man kann damit leben, aber besonders toll ist es nicht!

Praktisch ist bei der Sony dafür die Taste “Bildindex“, der Mini-Druckknopf, den man kaum wahrnimmt und der sich direkt auf dem AF/MF-AEL-Schalter befindet. Hiermit kann man sich am Monitor mehrere Bilder gleichzeitig anschauen. Durch einen zweiten Klick wird ein Kalender aktiviert: Nun werden die Bilder direkt am Tag, an dem man sie aufgenommen hat, angezeigt (sofern man nicht wie ich anfangs das Jahr falsch eingestellt hat…). Wenn man während einer Reise also das Bild, das man vor einer Woche zum Sunset aufgenommen hat, sucht, geht das ungleich schneller als mit meiner alten Canon.
Das Feature habe ich allerdings auch nur beim Herumklicken gefunden. Das verschweigt selbst die Online-Hilfe zum Thema “Bilderbetrachten”.

kalender-sony

 

An dieser Stelle noch ein hilfreicher Quick-Link in die Online-Hilfe: -> Liste der Symbole auf dem Bildschirm.


DIE LEISTUNGSARMEN SONY-AKKUS:
Die allergrößten Sorgen bereiteten mir vor der Abreise die kleinen, leistungsarmen Sony-Akkus (NP-FW50). Wie viele davon brauche ich um über den Tag zu kommen? Keine vernünftigen Angaben im Web und leider keine Zeit um das mal ein paar Tage lang selber auszuprobieren. Wirklich beruhigend ist die Tatsache, dass von Haus aus gleich zwei Akkus der Kamera beiliegen, auch nicht. Sony weiß schon warum…

sony-akkuDas führte aber letztlich dazu, dass sich die Zahl meiner Akkus spontan auf 5 erhöhte. So im Nachhinein betrachtet, wäre das vermutlich nicht nötig gewesen. Die Sony-Akkus halten zwar deutlich kürzer als die größeren von Canon (LP-E6), aber sie sind dennoch nicht so eine “große Katastrophe” wie anfangs befürchtet. Bei den allerersten Versuchen zu Hause waren die Dinger immer im Nu leer, aber im Outdoor-Praxistext war ich dann doch positiv überrascht. In den USA hatte ich mit Sunrise- und Sunset-Shooting (inkl. ständigem manuellem Schärfen am Monitor) am Ende des Tages meistens trotzdem nur maximal 2 leere Akkus in der Tasche. Aber selbst so ist das mit dem Aufladen über Nacht nicht so ohne, vor allem wenn man nicht im Hotel sondern im Auto übernachtet.

Auch den Praxistest in Island, wo ich tagsüber und auch nachts extrem viel fotografiere (Polarlichter…), haben die Akkus durchaus bestanden, mehr als 3 leere gab es nur selten. Update: Interessanterweise hat die Canon Eos 5D Mark IV (damit fotografiert Steffen neuerdings) im Vergleich hinsichtlich Akkuverbrauch nicht wirklich besser abgeschnitten. Da waren wir doch überrascht!

Von offizieller Seite heißt es, ein aufgeladener Akku reicht für knapp 300 Aufnahmen. Diese Zahl ist nur dann realistisch, wenn man nicht zu lange Belichtungszeiten hat. Sie schrumpft auch spürbar, sobald man den Monitor/Sucher etwas intensiver nutzt. Bei meinen ersten Outdoor-Versuchen kam ich daher eher auf 200 Aufnahmen/Akku.

Drei Dinge muss man bei den Sony-Akkus unbedingt beachten:

  • Die Kamera sofort ausschalten nachdem man seine Bilder aufgenommen hat! Eine Canon schalte ich meistens tagelang gar nicht aus, die Sony aber grundsätzlich schon nach nur wenigen Aufnahmen (oder sobald ich mein Stativ nur um wenige Meter bewege).
  • Den Akku nachts aus der Kamera nehmen ist ebenfalls keine schlechte Idee. Einige Typen (darunter die Original-Sony-Akkus!) verlieren sonst immer ein paar Prozent!
  • Der wichtigste Tipp überhaupt: Die Sony in den Flugzeugmodus versetzen (MENU > > 1 > Airplane Mode)!

Über die preiswerteren Fremdakkus (Baxxtar, Patona oder uniross) kann ich bislang nichts Negatives berichten, ganz im Gegenteil. Vor allem der uniross ist mir durch seine praktisch nicht vorhandene Selbstentladung aufgefallen. Einer der original Sony-Akkus hingegen hat beachtlich an Leistung verloren, als er ein paar Wochen herumlag. Kann aber sein, dass das nur Zufall war! ;-)

Die Sony lässt sich übrigens auch über ein USB-Kabel laden, d.h. auch im Auto, am Computer oder mit großen Akku-Packs, die man ev. mal für das Aufladen von Smartphones erworben hat.


DAS FOTOGRAFIEREN ZUR BLAUEN STUNDE:
Fotografieren zur Blauen Stunde ist mit der Sony eine wahre Herausforderung! Hier haben Lifeview/Sucher nur noch Rauschen angezeigt...Das ist vermutlich der Punkt, der mich im Lauf der Zeit an der Sony leider immer mehr und irgendwann sogar am allermeisten gestört hat. Die sog. “Blaue Stunde” vor dem Sonnenaufgang oder nach dem Sonnenuntergang zählt zu meinen absoluten Lieblingsfototageszeiten und genau dann versagt die spiegellose Kamera auf ganzer Linie. Sobald es nur etwas dunkler wird, vermatscht der Lifeview/Sucher der Sony zu einem Sammelsurium an bunt blinkenden Pünktchen. Nicht nur dass man dann den Motivausschnitt nicht mehr sieht, auch das manuelle Schärfen wird völlig unmöglich. Da ich aber ausgerechnet zu dieser Tageszeit gerne mit dem Stativ von einer Stelle zur anderen herumhüpfe, sehnt man sich da mehr denn je nach dem phänomenalen Lifeview der Canon-DSLRs. Wer mit der Sony den Bildausschnitt nach Sonnenuntergang verändern möchte, kann dann nur “nach Gefühl” die Kamera schwenken und auch nur “nach Gefühl” schärfen! Wie viel “Vergnügen” dieses trial & error bereitet, muss ich wahrscheinlich nicht näher schildern… Und damit Ihr Euch besser vorstellen könnt, unter welchen Lichtbedingungen der Monitor/Sucher bereits versagt, habe ich hier rechts mal eine Aufnahme hinzugefügt, wo meine Sony schon nichts mehr erkennen konnte. Leider zum allerbesten Licht, wenn die Landschaft im Abendrot nochmals so richtig aufglüht (ich nenne daher diese Zeit gerne “Glow Hour”!). Eigentlich ein absolutes NO GO für Landschaftsfotografen, zumindest für solche die nicht nur stundenlang an ein und demselben Fleck verharren. Wenn die Stimmung toll ist, gibt es ja meist Dutzende von schönen Motiven – und genau dafür ist die Sony das völlig falsche Werkzeug!

ABER… das ändert sich schlagartig, wenn es dann wirklich finster wird! Da bin ich absolut begeistert von der Sony! Nachts, z.B. zum Festhalten von Polarlichtern, geht meiner Meinung nach nichts über die Sony und ihr “Bright Monitoring”, siehe weiter unten unter “Vorteile / Fotografieren in der Nacht“! Zum Fotografieren in der Blauen Stunde ist das Feature aber leider nicht wirklich einsetzbar, denn man kann damit nicht scharfstellen.


DIE DATENSPEICHERUNG:
Die Sony α7R II hat einen ganz gravierenden Nachteil gegenüber der Canon EOS 5D Mark III oder 5DS: Sie verfügt über einen einzigen Slot für SD-Karten, während man mit der Canon die RAWs und JPGs auf getrennten Speichermedien aufzeichnen kann (oder wer mag, die RAWs doppelt). Was für ein Riesenvorteil das ist, weiß jeder der schon mal eine defekte SD- oder Compact Flash Karte in Händen gehalten hat… Mit der Sony hat man keinerlei Backup und muss umso öfter seine Daten sichern, sonst läuft man Gefahr, alle Bilder auf einen Schlag zu verlieren. Mehr zu diesem Thema in meinem Blog über die “Datenrettung von einer SD-Karte“.
Etwas irritierend ist auch die Zeit, die vergeht, bis das soeben aufgenommene Bild als Vorschau auf dem Monitor erscheint und bis man versehentlich Ausgelöstes löschen darf. Aber knapp 100 MB für das unkomprimierte (!) RAW + JPG sind auch bei sehr schnellen Karten noch recht ordentlich. Daher der Tipp, hier ja nicht am falschen Fleck zu sparen, alles unter 95MB/s Schreibgeschwindigkeit ist keine gute Idee!


DIE JPEGs/RAWs DER SONY:
Und wenn wir schon beim Thema “Datenspeicherung” sind… Mir ist vor Ort während der Fototour aufgefallen, dass es einen (am Monitor sichtbaren!) Qualitätsunterschied zwischen ISO-100- und ISO-400-Bildern gibt. So etwas war mir bei Canon noch nie aufgefallen, zumindest war es nicht so augenscheinlich wie hier. Aber dadurch habe ich dann auch zufällig festgestellt, dass meine alte Canon die Large JPGs immer mit einer besseren Komprimierung “97” abspeichert, die Sony hingegen macht bei der Kombination RAW+JPG manchmal je nach ISO-Werten (manchmal je nach Wetterlage!?), was sie will: Hintereinander aufgenomme Fotos vom exakt dasselbem Motiv gibt es dann als JPG in allen Qualitätsstufen von 89-95. Beeinflussen kann man das aber nicht, wann sie was macht. Was das für einen Sinn hat und wie man das ändern kann, habe ich bis dato noch nicht herausgefunden…
Dies betrifft allerdings nur das JPG, das gemeinsam mit dem RAW aufgenommen wird, denn das wird nur im Modus “FINE” abgespeichert. Ein XFINE mit Qualität “100” gibt es meines Wissens nur im “JPG only Modus”.

Die RAWs haben eine Auflösung von 14 Bit pro Pixel, wenn man im Menü unter “MENU > > RAW File Type > Uncompressed” eingestellt hat. Aber wie immer gibt es auch hier wieder Ausnahmen: Befindet man sich im BULB-Modus, macht Serienaufnahmen oder geräuschlose Aufnahmen (Silent Shooting) oder hat die Langzeit-Rausch-Minderung (Long Expoure Noise Reduction) aktiviert, dann wird lediglich ein 12-Bit-RAW aufgenommen. Zusätzlich geht bei der Variante “Silent Shooting” einiges vom Dynamikumfang verloren.
Wichtig in diesem Zusammenhang: Kontrolliert die Firmware-Version und macht ggf. ein Update, denn das “uncompressed RAW” gibt es erst ab 2.0!


DIE HANDLICHKEIT DER SONY:
An dieser Stelle noch ein paar Sätze zur Kamera im Allgemeinen. Dass sie nicht so gut in der Hand liegt wie die größeren DSLRs, hatte ich eingangs schon erwähnt. Aber es gibt noch weitere Mankos, die zarte Frauenhände vielleicht nicht ganz so stören, aber wer mit Knubbelfingern diese Kamera bedienen muss, wird wenig Freude haben. Alles hat eher die Größe wie bei einer Kinderspielzeugkamera, vor allem das filigrane “Rädlein” (Rad ist etwas anderes…) macht selbst beim Durchscrollen der Fotos am Monitor nicht viel Spaß. Man kommt unweigerlich immer wieder auch beim “Disp” an und verstellt ununterbrochen seine Ansichtseinstellungen. Mühsam, wirklich mühsam!
Und wenn es draußen kalt ist und man die Kamera mit Handschuhen bedienen möchte, ist die Katastrophe perfekt! Das klappt selbst mit ganz dünnen Fleecehandschuhe nur sehr, sehr schlecht!

Dass das SD-Kartenfach bei einer 3.500-Euro-Kamera eher eine klapprige Angelegenheit ist und dass das Akkufach nicht von selber zugehen mag, ist auch nicht so das Gelbe vom Ei…

Aber immerhin soll die Sony ganz schön was aushalten. Ein Freund hatte seine versehentlich in das eiskalte Wasser der Gletscherlagune Jökulsarlon getaucht. Der (Kamera-)Body hat es überlebt! Auch hielt sie wohl einen Fall aus fast 2 m Höhe stand! An dieser Stelle hoffe ich aber mal, dass keine Updates meinerseits folgen… ;-)

 

DIE PROBLEME MIT FREMDOBJEKTIVEN UND DEM METABONES-ADAPTER:

Unsere zweite große anfängliche Sorge war, dass die Sony mit Fremdobjektiven bzw. einigen unserer Canon-Objektive nicht zurechtkommt. Nun ja, diese Sorge wird man leider auch tatsächlich nicht so schnell los…

Der Metabones Smart Adapter Mark IV (MB_EF-E-BT4) hat zwar die besten Kritiken und einen stolzen Preis, aber dennoch ist er recht anfällig für “Spinnereien aller Art”. Das Zusammenspiel von Canon-Linsen, Metabones und Sony α7RII funktioniert zwar meistens, aber leider nicht immer. Plötzlich geht aus heiterem Himmel der AF nicht mehr und man rätselt tagelang, woran es denn liegen mag… Aber auch mit manuellem Fokus, kommt es hin und wieder zu kleinen “Katastrophen”: Ausgerechnet in den blödesten Situationen bzw. dann wann das Licht am schönsten ist, erscheint plötzlich die Fehlermeldung “unsupported lens” am Display und es geht einfach nichts mehr. Da ist man kurz schon der Verzweiflung nahe… :((

Daher an dieser Stelle vier Tipps, die in der Not schnell und effizient helfen:

  • Kontrollieren ob beide Anschlüsse (Metabones-Sony sowie Metabones-Objektiv) wirklich gut eingerastet sind. Zweimal ist es mir inzwischen passiert, dass ich mich über “Metabones-Spinnereien” geärgert habe und dabei war nur einer der Kontakte etwas locker geworden…
  • Kamera ausschalten, Akku raus und wieder einschalten. Das klappt bei mir fast immer!
    Vor allem hilft das bei meiner Kamera hinsichtlich ihrer häufigsten “Spinnereien”, die dann entstehen, wenn ich nach dem Ausschalten zu rasch wieder einschalten möchte. Dabei bockt sie (oder der Metabones?) nämlich fast immer!Wenn das alles nichts bewirkt:
  • Bei eingeschalteter Kamera das Objektiv halb (nur halb) vom Metabones abschrauben, wieder in die Ausgangsposition zurückdrehen und dann die Kamera aus- und einschalten (klingt total verrückt, funktioniert aber erstaunlich gut; diesen Tipp hatte ich aus dem Everlook-Blog, vielen herzlichen Dank dafür!). Und wenn alle Stricke reißen:
  • Im Menü unter (der zweite Reiter) beim “Punkt 4” das “release w/o lens” auf “enable” stellen. Das hat den Nachteil, dass man ab dann sämtliche Einstellungen manuell vornehmen muss und dass in den exifs keine Blendenzahl zu sehen ist, aber sicher trotzdem noch die bessere Lösung als die schönsten Momente bei einem Sonnenuntergang zu verpassen. Ich spreche auch hier inzwischen aus Erfahrung…

Zum Glück, hat der Metabones sich aber bislang immer noch beruhigt. Wichtig ist auch, die Kontakte möglichst sauber zu halten, und wenn man manuell fokussiert, den AF/MF-Schalter am Objektiv immer vorher umstellen. Denn das verzeiht einem der Metabones oftmals sonst nicht. Manchmal beschwert er sich nur, manchmal bockt er aber dann komplett. Dann hilft nur -> siehe Kasten oben.


Ein Kapitel für sich sind auch die zwei Einstellungen des Adapters, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden. Was in dem einen Modus geht, funktioniert im anderen nicht und umgekehrt. Und alles hängt nur davon ab, wie das Objektiv befestigt wird bzw. ob man dabei auch die Kamera eingeschaltet und ein Knöpfchen gedrückt hat! Mit anderen Worten, wer glaubt, dass man den Metabones einsetzen kann, ohne die Bedienungsanleitung auf dessen Webseite genauestens zu studieren, der irrt gewaltig…

Und so kam es, dass z.B. der “MF Assist” am Anfang der Reise noch funktioniert hat und ich mich gefreut habe, dass mir beim manuellen Fokussieren auch gleich immer die Distanz, auf der der Schärfepunkt lag, angezeigt wurde. Als das Feature dann “einfach aus heiterem Himmel” verschwunden war, habe ich mich zwar gewundert, aber erst zu Hause nochmal damit beschäftigt. Steffen fand dann heraus, dass es am Metabones lag und dass die Übertragung der “distance information” nur im “fortgeschrittenen Modus” funktioniert. Daraufhin haben wir den Metabones dauerhaft in den “advanced mode” versetzt, was aber – wie sich dann erst viele Tage später herausstellte – auch keine besonders gute Idee war. Mein Autofokus funktionierte plötzlich nicht… Ich dachte zunächst, dass ich nur wieder etwas Inkompatibles bei den Kamera Settings eingestellt hatte, aber das war es nicht. Nach einem Metabones Firmware-Update erwachte mein AF plötzlich wieder zum Leben. Rein zufällig wollte ich ausgerechnet an jenem Abend Steffen zeigen, wie toll die Live-Blendenvorschau mit meiner Sony ist beim Blümchenfotografieren. Der übliche Vorzeigeeffekt, jetzt ging plötzlich das nicht mehr!
Nun ja, man/frau hätte sich doch etwas intensiver mit dem Thema “Metabones” beschäftigen müssen…

Daher hier ein schneller Überblick zu den beiden Einstellungsmöglichkeiten und was bei denen jeweils funktioniert oder eben gerade nicht:

GREEN MODE:

  • per Default an
  • geringerer Stromverbrauch
  • Autofokus geht immer, wenn man am Objektiv den Schalter auf “AF” hat
  • MF geht immer, wenn man am Objektiv den Schalter auf “MF” hat
  • der MF Assist geht nicht (mir nicht so wichtig, denn den mag ich ohnehin nicht)
  • “Dauerblendenvorschau” (DOF-Preview) geht nicht (jenes tolle Feature der Sony, dem ich unter den “Vorteilen” sogar ein extra Kapitel eingeräumt habeAlternativ kann man hier aber mit der Abblendtaste arbeiten, die man sich allerdings erst einrichten muss.)

ADVANCED MODE:

  • muss beim Befestigen des Objektivs aktiviert werden
  • größerer Stromverbrauch
  • Der Autofokus geht gar nicht (!)
  • Anzeige am Display auf welcher Distanz (in Metern) der Fokuspunkt liegt
  • der MF Assist funktioniert
  • Man hat eine dauerhafte Blendenvorschau (DOF-Preview), d.h., sobald man am Blendenrad dreht, sieht man die jeweilige Schärfentiefe schon vor dem Auslösen; die Abblendtaste ist in diesem Modus überflüssig!

So weit, so gut. Nun muss man aber noch wissen, wie man den “fortgeschrittenen Modus” aktiviert und auch dass dies nur ein temporärer Zustand ist und dass der Metabones sofort wieder in den grünen Modus springt, wenn man nicht bei jedem(!) Linsenwechsel aufpasst bzw. wenn man nicht immer vor dem Befestigen eines Objektivs
(1) die Kamera einschaltet und dann
(2) den sogenannten “Wide-Open Button”, einen kleinen unscheinbaren runden Knopf am Adapter, gedrückt hält während man die Linse anschraubt.

Metabones wide-open button

Wer den Autofokus nie benutzt, der hat auch die Option den Metabones dauerhaft in den Advanced Modus zu versetzten. Hierfür geht man ähnlich wie oben vor, schaltet aber die Kamera nach dem Anbringen des Objektivs aus und das aber mit noch immer gedrückter “Wide-Open-Taste”. Wer die Umstellung aus welchen Gründen auch immer bereut, der kann den Vorgang erneut durchführen, dann ist wieder der grüne Modus aktiv. Endlos ist das Spielchen allerdings nicht wiederholbar, nach 10x ist Schluss und man kann den Modus nur noch temporär ändern und muss so bei jedem Linsenwechsel wieder aufpassen. Erst ein Firmware-Update (zu finden hier) stellt die Permanentoption wieder her.

Der Vollständigkeit halber an dieser Stelle auch noch der Link zur Anleitung auf der Metabones-Webseite und zu der Liste der mit dem Mark IV-Adapter kompatiblen Linsen.


Die SONY (mit Fremdlinsen) als “KNISPKAMERA”

Das war aber noch nicht alles zum Thema “Metabones”. Hinsichtlich Abbildungsqualität gibt es zum Glück keine Probleme oder Auffälligkeiten. Hier waren interessanterweise sogar Linsen wie das uralte “EF 24-105 mm F4” erstaunlich brauchbar und die Ecken nicht wirklich unschärfer als mit einem 21-MP-Canon-Body. Der Autofokus funktioniert grundsätzlich auch. Er ist zwar nicht der schnellste, aber durchaus noch im Bereich “akzeptabel” mit Ausnahme meines 100-400er Teles (aus dem Jahr 2004, d.h. aus erster Generation). Dort ist der AF viel zu lahm und zum Tierefotografieren völlig ungeeignet!

Im Großen und Ganzen bin ich von der Sony als “Knipskamera” für den schnellen Schnappschuss zwischendurch bisher wenig angetan… Nicht nur weil man da mit Kanonen auf Spatzen schießt (wer braucht Motelzimmer, dumm lustig dreinschauende Mitreisende usw. schon in 42 MP Größe!!? :) ) und nicht nur weil sie mit Fremdobjektiven einfach nicht schnell und verlässlich genug ist (manchmal löst sie einfach nicht aus…). Mir kam es bislang auch immer so vor, als wäre die Sony-Automatik (analog zum gern von mir für Schnappschüsse genutzten “P” bei Canon) nicht sinnvoll programmiert. Die Blendenzahl ist vor allem im Weitwinkelbereich grundsätzlich zu klein und die Belichtungszeit zu kurz gewählt. Was für einen Sinn machen 1/250s und F7.1 bei 24mm!??

Des weiteren stören mich zum Thema “Knipskamera” dann auch noch Kleinigkeiten wie das viel zu dünne Umhängeband der Sony. Das mag für Kinder ganz ok sein, aber einem Erwachsenen purzelt das ständig von der Schulter und um das Handgelenk wickeln, so wie ich das mit den Canonbändern gerne mache, das funktioniert genauso wenig. Man muss da leider echt aufpassen, dass einem das “Leichtgewicht” nicht irgendwann mal aus der Hand rutscht…

 

LAST BUT NOT LEAST, die VORTEILE

DIE BILDQUALITÄT:
Vorteil Nr. 1 ist ganz klar die Bildqualität im Vergleich zu unseren alten Canons (EOS 5D Mark II/III). Da liegen nicht Welten, sondern ganze Universen dazwischen! Das ist jetzt nicht allein auf die Verdoppelung der Megapixel von 21 auf 42 MP zurückzuführen, sondern auf die grandiose Sensortechnologie, die in der Sony Alpha R7II zum Einsatz kommt. Sämtliche Bilder – RAWs wie auch JPGs – haben einen gigantischen Dynamikumfang. Die unvermeidbaren dunklen Bereiche in den Fotos konnte man bei Canon eigentlich nur durch Belichtungsreihen und nachträglichem Überblenden handhaben (das Aufhellen im RAW-Konverter hat ja außer einer verrauschten, grauenhaften Farben”pracht” nicht viel bewirkt…).

Und weil man es eben so gewohnt war, nahm ich anfangs mit der Sony auch meine Belichtungsreihen (+1/-1) auf. Über die Resultate musste ich dann ziemlich schmunzeln, denn sogar die Kamera JPGs sahen so noch immer nahezu identisch aus. Ich bin ja als Frau nicht ganz so ein “Technikfreak”, aber der Unterschied war schon frappierend und absolut überzeugend! Da geraten dann auch sämtliche Bedienungsprobleme und Metabones-Ärgernisse schnell wieder in Vergessenheit. ;-)

Unglaublich wie selbst Gegenlichtaufnahmen mit so einem Sensor gelingen. In Situationen, wo ich bei der Canon früher meistens 2-3 Bilder machen musste, um alle Helligkeitsbereiche sicher abzudecken (so dass nichts “ausfrisst” oder “absäuft”), reichte jetzt mitunter ein einziges Foto! Denn selbst dunkle Bereich lassen sich nun sehr gut ohne das übliche Farbrauschen aufhellen. Für Landschaftsfotografen ist das bei sich schnell ändernden Lichtbedingungen schon von unschätzbarem Vorteil! :stern: :stern: :stern: :stern: :stern:

Out-of-the-cam, hier erspart man sich viel Zeit bei der Bildbearbeitung:

sony-alpha-7rii-monitor

Aber auch die Bildgröße (7952×5304 Pixel) spielt eine Rolle. Bei der ersten Probeaufnahme von unserer Bücherwand, bin ich nach dem Blick auf den Computer-Monitor bei 100% gleich nochmal zu den Büchern zurück gegangen. So viele Details hatten selbst meine Augen dort noch nie wahrgenommen! Da braucht man schon fast eine Lupe um all das zu sehen, was die Sony da mit dem Sensor festgehalten hatte! :stern: :stern: :stern: :stern: :stern:

Und was natürlich auch toll ist: Man kann die Bilder wirklich ordentlich beschneiden. Jetzt hat der Vogel, der ev. noch etwas zu weit weg am Baum saß, trotzdem noch immer eine beachtliche Anzahl an Megapixel. Wenn man z.B. aus einem Querfoto direkt eine Hochformat-Aufnahme ausschneidet, sind das bei einer Kantenlänge von 5304 px noch immer knapp 19 MP!


LIVE-DOF-PREVIEW BEI DER BLUMENFOTOGRAFIE:
sony-live-previewWie unendlich praktisch so ein “Live-DOF-Preview” (dauerhafte Blendenvorschau) am Monitor sein kann, hatte ich lange Zeit gar nicht bemerkt. Wenn man nur Landschaften fotografiert, fällt einem der Unterschied zu einer DSLR noch nicht wirklich auf. Aber wer die Kamera auf das Stativ stellt, eine Blume anvisiert und sich mit der Schärfentiefe herumspielt, wird es sehr bald zu schätzen wissen, dass hier keine Abblendtaste mehr gedrückt werden muss. Dank Live-Preview sieht man nun bei jeder Blende gleich das Endergebnis am Monitor und das schon vor der eigentlichen Aufnahme! Man muss so nur noch am Blenden-Rad herumdrehen für die gewünschte Unschärfe und dann den Auslöser drücken. Die Spielereien gehen auf diese Art wirklich ungleich schneller. TOP! :stern:

Voraussetzung für dieses Feature: Der Metabones-Adapter muss sich im “Advanced Mode” befinden (siehe oben)!

Das bezieht sich jetzt natürlich nicht nur auf “Blümchen” sondern auf die Makrofotografie im Allgemeinen. Und in diesem Zusammenhang gleich noch ein Punkt, der ebenfalls von großem Vorteil ist, wenn man auf einer Blumenwiese unterwegs ist:


DAS KLAPPDISPLAY:
sony-klappmonitorEin tolles Feature, das ich von meinen Canon DSLRs nicht kannte, und das ich auch erst beim Fotografieren in einer Wiese voller Schachbrettblumen so richtig zu schätzen gelernt habe. Wer hauptsächlich Motive im Querformat findet, der spart sich so das unbequeme (und zeckenanlockende) am Bodenherumliegen. Aber was mich stört: Es klappt nur in eine Richtung heraus, d.h., sobald man zwischendurch mal ein paar Hochformataufnahmen machen möchte, bringt es einem auch nichts. Ganz im Gegenteil, man muss dann schauen, dass man das Display wieder gut verstaut, sonst sieht man noch weniger. Und wenn die Sonne sehr stark scheint, legt man sich dann doch auf den Boden und schaut lieber durch den Viewfinder. Von Vorteil ist das Klappdisplay sicher auch in Slot Canyons, also in engen Orten, wo man schon von Haus aus kaum Platz hat, um das Motiv ordentlich zu komponieren.


DAS FOTOGRAFIEREN IN DER NACHT:
Ein tolles Feature der ILCE-7RM2 ist ihre ausgezeichnete Low Light Wiedergabe am Monitor, der selbst noch in einer stockfinsteren Nacht die Umgebung anzeigen kann mit einem erstaunlich hellen Display und wirklich vielen Details. Hier kann meine alte Canon nicht mithalten! Aber – wie so fast alles bei der Sony – man verzweifelt regelrecht bis man endlich mitkriegt, dass die Kamera überhaupt so eine Fähigkeit besitzt! Ich habe anfangs eher nur geschimpft, weil schon in der zweiten Hälfte der Blauen Stunde am Life View kaum noch was außer rotschwarzes Rauschen zu erkennen war und ich weder fokussieren noch ein Bildmotiv ordentlich komponieren konnte. Das gern im Web empfohlene “einfach die Blende vergrößern, die Belichtungszeit verlängern und die ISOs hinaufschrauben” war einfach nicht zielführend und in der Praxis undenkbar. So ist jedes Polarlicht über 7 Berge verschwunden ehe ich die Kamera und das Motiv eingestellt habe…

Das Zauberwort hierzu heißt “Bright Monitoring” (mit der grandiosen deutschen Übersetzung “Helle Überwachung“). Man findet den Begriff aber nicht im mitgelieferten Handbuch sondern wiederum nur in der Online-Hilfe (Link) und dann nicht in den normalen Kameramenüs, sondern nur unter den Custom Key Settings (und dort auch nur “unter ferner Liefen”…). Man muss also erst einer Taste diese Funktion zuweisen um die “Helle Überwachung” überhaupt nutzen zu können. Damit aber nicht genug, denn so lange man das Objektiv nicht auch auf “MF” stellt und den “MF Assist” (MENU > > 1 > MF Assist) nicht ausschaltet, wundert man sich, wieso das mit der Überwachung denn so gar nicht klappt…

Hier mal ein Beispiel, wie das “Bright Monitoring” in einer wirklich stockfinsteren Nacht aussieht. Während die Augen schon praktisch nichts mehr erkannt haben, leuchtet selbst das Gras wieder “grün” am Monitor:

 

bright-monitoring

 

Update Herbst 2016: Nach dem letzten Polarlichter-Shooting in Island im September 2016 kann ich die Kamera in dieser Hinsicht nur über den grünen Klee loben! Nicht nur dass ich mit der “Hellen Überwachung” – ohne ständig Probefoto machen zu müssen – den Himmel abscannen und schon die geringsten Verfärbungen erkennen kann, auch konnte ich noch nie dermaßen schnell die Motive anpassen. Noch nie hat das Fotografieren nachts soviel Spaß gemacht! Sich schnell über das gesamte Firmament bewegende Polarlichter kann man bestens damit verfolgen und erfassen. Und während man mit DSLRs in der Finsternis mehr oder weniger trial & error betreibt, sieht man mit der “Hellen Überwachung”, immer exakt ob man ggf. die Spiegelung abschneidet oder wenn sich störende Elemente im Vordergrund befinden. Nur hineinzoomen zum manuellen Schärfen kann man damit leider nicht, das wäre dann die Traumkamera schlechthin!

Update 2017: Auch jetzt, wo ich zu Canon (Mark IV) zurückgekehrt bin, verwende ich nachts ausschließlich die Sony! Sie ist für mich die nahezu perfekte Polarlichter-Kamera! Das “nahezu” nur deshalb, weil die Sony halt doch so ihre (oben beschriebenen) Macken hat – vor allem wenn es mal feuchter ist oder man sie zu rasch hintereinander aus- und wieder einschaltet. Wobei Letzteres wahrscheinlich eher dem Metabones anzulasten ist.

 

Der Bulb-Modus versteckt sich bei der Sony unter dem Programmpunkt “M”, es gibt kein “B” auf dem oberen Drehrad wie bei Canon. Und auch hier gilt es wieder ein paar Besonderheiten zu beachten. Die Kamera darf nicht auf Serienbild eingestellt sein und HDR sowie Auto-Smilie müssen ebenfalls deaktiviert sein, sonst funktioniert wieder mal gar nichts…


DIE HIGH ISO FÄHIGKEITEN:
Das ist leider etwas, mit dem ich mich noch mehr beschäftigen muss. Mit den ersten Versuchen bei ISO 1600 oder 3200 war ich allerdings recht zufrieden. Angeblich schneidet sie sogar im direkten Vergleich mit der Nikon D810 (Link) erstaunlich gut ab und muss sich selbst hinter der Mittelformat-Kamera “Phase One” nicht verstecken (Link).
(an dieser Stelle könnte es zukünftig noch einige Updates geben)


DER HERVORRAGENDE ELEKTRONISCHE SUCHER:
Bei grellem Sonnenlicht habe ich den elektronischen Sucher sehr zu schätzen gelernt. Steffen und ich nutzen beim manuellen Schärfen fast immer den Live-View in Verbindung mit der Zoom-Funktion. Bei der Canon gibt es dieses Feature nur am Monitor, bei der Sony hat man eine perfekte Alternative, wenn es immer schwieriger wird am Monitor noch etwas zu erkennen. So kam es, dass immer dann, wenn Steffen (mit der Mark III) geschimpft hat, er sieht nicht mehr, was er fotografiert, ich mir dachte: “Oh ja, die Sony hat selbst in der Handhabung so ihre Vorteile!”.

Der Sony Viewfinder ist hochauflösend und von Haus aus herrlich hell (theoretisch kann er – wie der Monitor – sogar noch um einiges heller eingestellt werden unter “MENU > > 1 > Viewfinder Brightness”). Und er ist auch sonst dem optischen Sucher einer DSLR-Kamera überlegen, denn man kann sich damit nicht nur die aufgenommenen Fotos anschauen (sehr praktisch im Sonnenlicht!) sondern damit wirklich gut manuell schärfen.

Dafür steht einem u.a. der MF Assist zur Seite. Dieser hüpft allerdings an eine x-beliebige Stelle im Bild bzw. in die Mitte und ist daher meiner Meinung nach nur bedingt zu gebrauchen. Und er funktioniert mit Fremdobjektiven nur, wenn der Metabones sich im “Advanced Mode” befindet.

Deutlich einfacher und besser geht das manuelle Fokussieren mit dem Focus Magnifier, den man bereits vom Lifeview am Monitor der DSLR gewohnt ist. Bei der Spiegellosen hat man denselben 5- und 12,5-fachen Zoom auch noch zusätzlich im Viewfinder zur Verfügung und kann damit wunderbar genau den Fokuspunkt festlegen. Dieser Zoom-Button (für mich als Naturfotograf einer der wichtigsten überhaupt!) ist wieder eine jener Tasten, die es bei der Sony im Werkszustand gar nicht gibt! Sie muss erst über die “Custom Key Settings” aufgerufen werden und man kann dann eine der (andernfalls sinnfreie) Tasten damit belegen: MENU > > 7 > Custom Key Settings > Focus Magnifier.

Hilfreich beim schnellen Fokussieren kann auch das “Focus Peeking” (MENU > > 7 > Custom Key Settings > Focus Peeking) sein, weil es einem sofort anzeigt, welche Bereiche im Bild gerade scharf sind. Es ist allerdings leider lange nicht so treffsicher wie unser Auge.

Weniger gut ist meiner Meinung nach die Abblendtaste bei der Sony. Diese kann man sich zwar über die “Custom Key Settings” (MENU > > 7 > Custom Key Settings > Aperture Preview) einrichten, aber sie funktioniert nicht so, wie man es von Canon gewohnt ist. Bei der Sony lässt sie sich nicht gleichzeitig mit dem Focus Magnifier benutzen (zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, wie das gehen könnte…). Daher wird sie angesichts der oben beschriebenen Live-DOF-Preview eigentlich überflüssig.

Was man an dieser Stelle auch noch erwähnen sollte: Der Sucher verbraucht angeblich mehr Strom als der Monitor!


EIN LEICHTGEWICHT:
Gerne als Pluspunkt von Spiegellosen wird das geringere Gewicht angeführt, aber durch den Einsatz des Metabones-Adapter (MB_EF-E-BT4) ist die Sony nicht wesentlich leichter als die EOS 5D Mark II, gerade mal 128 g. Bei der Mark III wird der Unterschied aber schon spürbarer, über ein 1/4 kg (268 g). Aus dem Vorteil entsteht allerdings recht schnell ein Nachteil: die Kopflastigkeit des Sony-Systems, aber wenn man die Kamera über den Metabones an das Stativ befestigt, wird das Ganze wieder etwas stabiler. Und man gewöhnt sich auch daran recht schnell.


DER FÜNF-ACHSEN-BILDSTABILISATOR:
Immer wieder hervorgehoben wird auch die sogenannte “in-body image stabilization” (IBIS) bzw. wie man mit dieser innovativen Technologie bei Freihandaufnahmen und schlechten Lichtbedingungen 3-4 Blenden gut machen kann. Die Faustregel, dass die Belichtungszeit in etwa den Kehrwert der Brennweite erreichen darf, die mit allen Megapixel-Boliden bislang nicht hinzubekommen war, gilt dank 5-Achsen-Bildstabilisator nun wieder bei der ILCE-7RM2.
Wer so wie ich Canon-Linsen an der Sony benutzt, muss aber aufpassen, denn der Schalter am Objektiv entscheidet, welcher Bildstabilisator gerade aktiv ist. Die “optical image stabilization” (OIS) schaltet automatisch die “in-body image stabilization (IBIS) aus. Wer beides deaktiviert haben möchte, muss den wide-open-button (siehe Metabones-Kapitel) am Adapter drücken, während er den Stabi auf der Linse in die Off-Position bringt. Im Menü findet man diese Funktion übrigens unter “MENU > > 8 > SteadyShot”.


WEITERE (POSITIVE) KLEINIGKEITEN:
Aber das war noch nicht alles. Im Praxistext fällt einem dann doch das eine oder andere noch auf, so z.B.:

    • Ist es nur ein wenig windig, müssen z.B. beim Blumenfotografieren doch recht oft die ISOs umgestellt werden. ISO 100 für das ganze Bild und dann ein HIGH ISO um die Bewegung einzufrieren, dann das ganze Spielchen wieder von vorne. Dies geht mit der Sony viel schneller, weil alles an nur einem Rad zu ändern ist . Vor allem wenn man durch den Viewfinder schaut, ist das wirklich sehr bequem von der Handhabung.
    • Die Sony hat ein Rad für die Belichtungskorrektur, das den Bereich “-3” bis “+3” abdeckt (die Mark II nur bis “+/-2”) und seine Anbringung oben auf dem Kameragehäuse (und nicht hinten) finde ich ausgesprochen praktisch.
    • Die Wasserwaage auf dem Monitor oder im Sucher (Vorteil gegenüber der Mark II; bei der Mark III wurde ja bereits auch so ein Feature installiert)
    • Der Verschluss soll bei der Sony sehr lange halten, bis zu 500.000 Auslösungen. Das ist eine gewaltige Zahl mit der unsere Canons mithalten können. Zumindest bei der 5D Mark II/III ist es im Schnitt bei 200.000 vorbei und dann muss sie zur Reparatur einschickt werden – unsere zweite EOS Mark II hat nicht mal bis 100.000 durchgehalten, unsere erste hingegen aus dem Januar 2009 hält sich mit weit über 200.000 noch ganz tapfer.
    • Was mir auch sehr gut gefällt sind die persönlich hinterlegten Programmplätze. Bei der Sony kann man genau wie bei der Canon am Rad den Stopps C1-C3 (bei der Sony “1-2”) seine üblichen Einstellungen zuweisen (F14, Zeitautomatik, ISO 100, 2s-Timer etc.). Vor Ort gibt es dann aber einen entscheidenden Unterschied, der mich bei der Mark II schon lange ärgert: Wählt man nur einen der Parameter spontan anders, so “vergisst” die Kamera das wieder, sobald man nur für kurze Zeit inaktiv war. Bei der Sony hingegen bleiben die geänderten Einstellungen sogar dann noch erhalten, wenn man sie zwischenzeitlich ausschaltet! Erst wenn man am Einstellungsrad ein anderes Fotoprogramm wählt, vergisst die Kamera diese Settings oder wenn man den Akku entfernt. Das hat den Nachteil, dass man aufpassen muss, dass man früh am Morgen nicht mit den ISO 1600 von letzter Nacht weiterfotografiert. Aber für mich überwiegen da eher die Vorteile. Mit der Canon habe ich im Lauf eines Abends ständig immer wieder alles zurück umstellen müssen oder wenn mir das zu blöd wurde, bin ich irgendwann auch mal komplett in den M-Modus geswitcht.

 

MEINE EINSTELLUNGEN BEI DER SONY A7R II

Wie bereits oben erwähnt, lassen sich sämtliche Knöpfe bei der Sony neu und ganz individuell belegen, so dass man sich seine “perfekte Kamera” zusammenbasteln kann. Die Individualisierungsmöglichkeiten sind schier endlos und genau das macht das Einstellen und Einarbeiten mit dieser Kamera umso schwieriger. Und so kann es schon passieren, dass man so manche Taste nachträglich wieder umprogrammiert.

sony-custom-key-settings

Vor allem die Custom Key Settings sind bei der Sony richtig toll, aber man muss sie auch zu nutzen wissen. Mit insgesamt 63 Funktionen können u.a. die Tasten C1-C4 belegt werden. Hier ein Überblick, was dort grundsätzlich alles zur Auswahl steht (in alphabetischer Reihenfolge). Ist natürlich Ansichtssache, aber für mich ist – nach einigem Hin und Her – folgende Tastenbelegung für die Landschaftsfotografie recht sinnvoll :

Control Wheel – Not set (das kann man meiner Meinung nicht wirklich mit einer Funktion belegen, da man beim Fotografieren dort leider ständig ankommt und somit alles verstellt)
Custom Button 1 – Focus Magnifier (Zoom beim manuellen Fokussieren)
Custom Button 2 – Deactivate Monitor
Custom Button 3 – Bright Monitoring (für Nachtfotografie)
Custom Button 4 – White Balance

Der Custom Button 3 dient trotz dieser Zuweisung als Zoom-Taste, sobald man den Play-Button drückt und zur Bilderansicht kommt. Und “C4” ist auch nur dann der Delete-Button.


Wer von den Canons gewohnt war das “My Menu” zu nutzen, kann sich Ähnliches hier schnell über den Fn-Button abrufen. Man muss sich vorher nur seine Favoriten unter “MENU > > 7 > Function Menu Set” selber aussuchen und anordnen. 12 freie Plätze sind dort zu vergeben, so viele wird man vermutlich gar nicht benötigen. Dort habe ich mir u.a. das “Zebra” und das “Fokus Peeking” hinterlegt. Unter Normalbedingungen komme ich mit den Peeking-Einstellungen “red” (diese Farbe hebt sich am besten ab) und “mid” am besten zurecht (bei “high” sieht man bald nur noch rot). Bei Nachtfotos will man aber dieses Feature schnellstmöglichst wieder loswerden, denn dann irritiert es ziemlich beim manuellen Fokussieren. Auch bei Blumenmacros bleibt es meistens ausgeschaltet.
Unter den “Fn-Buttons” stehen aber leider nicht ansatzweise so viele Einstellungsmöglichkeiten wie bei den Custom Buttons zur Auswahl (Link).


Am oberen Drehrad befinden sich – ähnlich wie man es von der “Canikon” gewohnt ist – der Aufnahmemodus “P” (Automatik), “S” (Blendenautomatik), “A” (Zeitautomatik) oder “M” (manuell) und anstelle der C1-C3 nur die Ziffern “1” und “2”. Über MENU > > 9 > Memory” kann man sich dort seine Einstellungen abspeichern (Anleitung). Wer schnell zwischen dem Knipsmodus und dem Fotografieren auf dem Stativ wechselt, kann sich z.B. beide Plätze entsprechend belegen. Theoretisch gäbe es noch weitere Speicherplätze, die man mit persönlichen Einstellungen versehen kann, aber diese werden auf der SD-Karte angelegt… ->? … Die Erläuterung, was passiert wenn man diese dann immer wieder löscht und formatiert, erspar ich mir, glaube ich…;-)


Und hier nun meine ganz persönlichen Einstellungen im Sony-Menu, die für mich als Naturfotograf am besten passen (wer die Menüführung auf Deutsch hat, kann zum Vergleich unter “MENU > > 4″ vorübergehend zu Englisch umswitchen):

MENU > > 1

Image Size – L:42M
Aspect ratio – 3:2
Quality – RAW&JPG
Raw File Type – Uncompressed
Panorama Site – leer
Panorama Direction – leer

MENU > > 2

Movie File Format – AVCHD
Record Setting – 50i 17M (FH)
Dual Video Rec – Off
Drive Mode – Single Shooting (für “P”) oder Self-timer “2 Sec” (über meine C1/C2-Tasten festgelegt)
Bracket Settings – leer bzw. nur bei Bedarf

MENU > > 3

Flash Mode – Fill-flash
Flash Comp. – 0
Red Eye Reduction – Off
Focus Mode – mit Metabones am Objektiv einzustellen
Focus Area – Flexible Spot “L”

MENU > > 4

Focus Settings – leer
AF Illuminator – Auto
AF speed drive – Normal
AD Track Sens – Normal
Exposure Comp. (das stellt man mit dem Rad oben auf der Kamera ein!)
Exposure step – 0.3EV

MENU > > 5

ISO – ISO 100
ISO AUTO Min. SS. – Standard
Metering Mode – Center
White Balance – Auto
DRO/Auto HDR Off
Creative Style – Standard

MENU > > 6

Picture Effect – Off (kann im Modus “RAW” oder “RAW&JPG” nicht ausgewählt werden)
Picture Profile – Off
Zoom – leer
Focus Magnifier (bei mir auf der C1-Taste)
Long Exposure NR – Off (Rauschreduzierung verdoppelt die Belichtungszeit!)
High ISO NR – Off (nur für JPGs)

MENU > > 7

Center Lock-on AF – Off
Smile/Face Detect. – Off
(nur die Face Detection darf auf “on” stehen, bei Smile “on” funktioniert Blub nicht!)
Soft Skin Effect – Off
Auto Obj. Framing – Off
Auto Mode – leer
Scene Selection – leer

MENU > > 8

Movie – leer
SteadyShot (der Bildstabilisator ist automatisch “on”, wenn der Schalter am Objektiv auf “off” steht und umgekehrt)
SteadyShot Settings – Auto (der Metabones überträgt so automatisch die Brennweite und Fokusdistanz an die Sony)
Color Space – AdobeRGB
Auto Slow Shut. – On (nur für Filme)
Audio Recording – Off

MENU > > 9

Audio Rec Level – leer
Audio Out Timing – Live
Wind Noise Reduction – Off
Memory recall (nur wenn am oberen Rad C1 oder C2 eingestellt ist, sonst “grau”)
Memory (hier lassen sich die C1/C2-Tasten programmieren)

MENU > > 1

Zebra – Off (Anzeige der überbelichteten Bereiche; verwende ich selten, da selbst bei “100+” gern noch etwas blinkt, wo im RAW meist noch Strukturen gut sichtbar sind)
MF Assist – Off (ich finde den Focus Magnifier viel besser; “On” verhindert außerdem das “Bright Monitoring”)
Focus Magnif. Time – No Limit
Grid Line – Rule of 3rds Grid
Marker Display – Off
Marker Settings – leer

MENU > > 2

Audio Level Display – On
Auto Review – 2 Sec
DISP Button – leer
Peaking Level – Mid (oder machmal auch Low/Off)
Peaking Color – Red
Exposure Set. Guide – On

MENU > > 3

Live View Display – Setting Effect ON
Disp. cont. AF area – On
Phase Dect. Area – On
Pre-AF – Off
Zoom Settings – Optical zoom only

MENU > > 4

Eye Start AF – Off
Finder/Monitor – Auto
Release w/o Lens – Disable
Release w/o Card – Disable
Priority Set in AF-S
bzw. AF-C – Balanced Emphasis

MENU > > 5

AF w/ shutter – On
AEL w/shutter – Auto
Silent Shooting – Off (praktisch für Hochzeiten etc., aber man verliert damit Dynamikumfang!)
e-Front Curtain Shut. – On
S. Auto Img. Extract. – leer

MENU > > 6

Exp.comp.set – Ambient&flash
Reset EV Comp – Reset
Face Registration – leer
APS-C/Super 35 mm – Off
(kann angeblich mit Metabones-Adapter und Canon-Linsen zu Problemen führen)
AF Micro Adj. – leer (hier wird das Objektiv kalibriert)

MENU > > 7

Lens Comp. – leer
AF System – leer
Video Light Mode – Power Link
Function Menu Set. (hier kann man sich die Auswahl unter der Fn-Taste zusammenstellen)
Custom Key Settings
(hiermit können alle Tasten individualisiert werden, siehe grüner Kasten weiter oben)
Dial Setup – F/no. SS

MENU > > 8

Dial Ev Comp – Off
Zoom Ring Rotate – leer
Movie Button – Movie Mode Only (sonst dreht man immer sofort Videos, wenn man versehentlich am roten Knopf ankommt!)
Dial/Wheel Lock – Unlock

MENU > > 7
Airplane Mode – On (!!!!!)
“Off” wenn man das Wi-fi nutzen möchte

MENU > > 1

Alle “leer” bis auf:
Display Rotation – Manual
(ob ein Hochformatfoto bei der Wiedergabe automatisch um 90° gedreht wird; ist Geschmackssache, was man hier lieber hat)

MENU > > 1

Monitor Brightness – Manual
Viewfinder Brightness – Manual
Finder Color Temp – +/-0
Volume Settings – 0
Audio Signals – Off

MENU > > 2

Tile Menu – Off
Mode Dial Guide – Off
Delete confirm. – “Delete” first
Display Quality – Standard
Pwr Save Start Time – 1 Min (oder ggf. 10 Sec)
NTSC/PAL Selector – leer

MENU > > 3

Cleaning Mode
(hier beginnt die Kamera den Sensor zu reinigen; nicht erschrecken, das wackelt deutlich mehr als bei einer DSLR!)
Demo – Off
Remote Ctrl – Off

MENU > > 4

USB Connection – Mass Storage
USB Lun Setting – Multi
USB Power Supply – On
Language – English
Date/Time Setup (hier kann man Datum und Uhrzeit einstellen)

MENU > > 5

Copyright Info (Name eingeben)
Format (formatiert die Karte!)
File Number – Series
Folder Name – Standard Form

MENU > > 6

Version (Firmware Version)
Setting Reset (setzt Kamera auf die Werkseinstellung zurück… der SUPERGAU! ;-) )

 


Die Anzeige “wie viel Speicherplatz noch auf der SD-Karte vorhanden ist” bzw. “wie viele Bilder man noch aufnehmen kann” ist nicht sonderlich glücklich platziert. Ich habe sie zu Beginn, wie so vieles, verzweifelt gesucht. Daher hier der Tipp: Nur wer unter “DISP” am hinteren Rand sich die volle Anzahl an Icons am Monitor anzeigen lässt, wird auch im linken oberen Eck neben dem Symbol, das die Speicherkarte und nicht eine “leere Batterie” darstellen soll, die gesuchte Zahl sehen. Ständig soviel “Mist” am Monitor macht aber in der Regel beim Fotografieren nur wenig Freude. D.h., ein Hin- und Herschalten lässt sich hier nicht vermeiden. Oder man wirft zwischendurch einen Blick in den elektronischen Sucher, dort wird die Zahl nämlich interessanterweise immer angezeigt. Trotzdem nicht gerade praktisch…


Was hier in diesem Blog völlig fehlt ist das Thema “Autofokus”, dieses ist bei dieser Sony-Kamera ebenfalls extrem aufwendig. Es ist aber von vielen Fotografen schon gut dokumentiert im Web zu finden (auch mit Videos), so dass dies einer der wenigen Punkte ist, auf die ich nicht näher eingehen werde. Schon allein aus dem Grund, weil mir hierzu die Praxis noch fehlt. Ich verwende derzeit die Sony immer nur mit einem Stativ und als Landschaftsfotograf bin ich da einfach gewohnt, alles immer nur manuell zu fokussieren. Da habe ich schon bei der Canon dem Lifeview-Zoom in Kombination mit dem AF-Modus viel zu wenig vertraut (wobei der bei der Mark III wirklich gut funktioniert und Steffen fast immer so fotografiert).

 

DAS FAZIT

Wer diesen doch recht kritischen Blog von Anfang an gelesen hat, erwartet vermutlich hier schon das “bittere Ende”. Dem ist aber nicht so. Denn ich habe die Anschaffung nicht bereut, GANZ IM GEGENTEIL! Mit den wenigen Nachteilen (vor allem den Metabones-Problemen…) lernt man mit der Zeit zurecht zu kommen.

ABER (großes “aber”! ;-) ) für den schnellen Schnappschuss zwischendurch (und als Backup) werde ich nach wie vor noch meine Canon nutzen ist. Die Sony auch als “Knipskamera” einzusetzen, mit dem Gedanken kann ich mich wirklich noch gar nicht anfreunden. Die neue Kamera mit Fremdobjektiven ist mir einfach zu lahm, zu störungsanfällig und zu unhandlich. Und komplett zu Sony wechseln steht derzeit auch nicht zur Debatte, dafür baut Canon einfach zu gute Linsen, vor allem im praktischen Zoom-Segment.

Kurz und knapp: Die Sony mit Metabones ist und bleibt für mich vorerst eine reine MF-Stativkamera! Aber sie überzeugt durch ihre Bildqualität! Und jetzt, wo sie komplett umprogrammiert ist und ich im Lauf der Zeit alle möglichen Fehler kennen bzw. zu beheben gelernt habe, ist sie langsam aber doch auch von der Handhabung ganz OK.

Und gut möglich, dass ich bei all den unüberschaubaren Einstellungsmöglichkeiten der Sony (und ev. auch des Metabones) hier im Blog über Dinge schimpfe, die sehr wohl noch irgendwo angepasst werden können und die ich nur leider bislang nicht gefunden habe. Da bin ich über jeden Hinweis dankbar! ;-)

Das ändert dennoch nichts am Fazit: Wie TOP und intuitiv die Canons von der Bedienung her sind, lernt man erst so richtig zu schätzen, wenn man mal eine Sony in der Hand hatte! D.h., mein und vor allem Steffens Herz schlägt schon nach wie vor für Canon! Wie sehr, das zeigt sicher eine Aussage von ihm, die erst kürzlich angesichts eines erneuten Metabone-Problems kam: “Hoff bloß, dass Canon eine g’scheite Kamera herausbringt, damit ich mir diesen Sch— nicht holen muss!” Ich glaube, dem muss ich nichts mehr hinzufügen. ;-)

Jetzt gerade funktioniert alles reibungslos und Sony + Metabones machen nach vielen Wochen Einarbeitung endlich das, was ich will. Allerdings war es noch jedes Mal so, dass genau dann, wenn ich mir das gedacht habe, plötzlich ein neues Problem auftauchte. Das Fotografieren damit ist und bleibt sicher auch weiterhin “spannend”! ;-)

Als Fotograf braucht man aber eigentlich ein Handwerkszeug, auf das man sich immer und überall verlassen kann. Und so bleibt uns nur das Warten und das Hoffen. Das Hoffen, dass Canon doch nochmal wieder so eine innovative Kamera auf den Markt bringt, wie es seinerzeit die EOS 5D Mark II war! Oder einfach mal eine mit einem besseren Dynamikumfang, das wäre ja auch schon mal ein Anfang! Und bis dahin sollte Steffens EOS 5D Mark III noch durchhalten… Denn eine zweite Sony – so gut wie die Bildqualität auch sein mag – wird es bei uns nicht so schnell geben. Wobei mit diesem langen Blog sollte wenigstens jetzt das Einrichten der Kamera schneller vonstattengehen und im Troubleshooting sind wir mittlerweile ja auch schon etwas geübt…

Wie auch immer, lange Rede kurzer Sinn: Vielleicht hilft das alles hier auch dem ein oder anderen von Euch, der sich gerade eine Sony geholt hat und diese mit den alten Objektiven nutzen möchte! ;)

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Update 2017: Höchste Zeit für ein Update! Steffen hat sich im Herbst 2016 die Canon Eos 5D Mark IV zugelegt und ich wurde bei der Saturn-Mehrwertsteuer-Aktion im Januar 2017 dann schließlich auch schwach… Aber das heißt nicht, dass ich meine Sony jetzt weggelegt habe! Und sie dient uns auch nicht nur als “Backup-Kamera”, ganz im Gegenteil! Nachts bin ich – nach der letzten Polarlichter-Tour im März 2017 – begeisterter denn je von dieser Kamera! Die Canon leistet hervorragende Dienste tagsüber und zur Blauen Stunde, aber nachts kommt bei mir ausschließlich die Sony zum Einsatz! Für Polarlichter-Fotografie ist sie aufgrund ihrer Funktion “Helle Überwachung” echt nicht zu toppen, ein unschätzbarer Vorteil und hier wird vermutlich keine Spiegelreflexkamera so schnell mithalten können!