Lake O’Hara – Alpine Circuit Trail

Blick auf den türkisblauen Lake O Hara Lake und den im Sonnenlicht hellgrün schimmernden Mary Lake vom Opabin Prospect am Alpine Circuit Trail im Yoho NationalparkImmer zahlreicher und reisewütiger werden wir Erdenbürger. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass in vielen Parks und Naturschutzgebieten heute “Permits” ausgestellt werden, um besonders schöne Plätze vor dem ganz großen Ansturm zu bewahren. Diese Reglementierung der Besucherzahlen kennt man von den Coyote Buttes (20 Personen/Tag), dem West Coast Trail (75/Tag), der White Rim Road (100/Tag), der Playa de las Catedrales (5000/Tag) und zahllosen anderen Locations weltweit. Mancherorts sind die Chancen minimal eine dieser Bewilligungen zu ergattern, so auch leider bei der Lake O’Hara Gegend, einer entlegenen Seenlandschaft im kanadischen Yoho Nationalpark. Wir hatten aber Glück und durften heute einen wunderschönen Tag dort verbringen.

Ein perfekt angelegter Höhenwanderweg durch eine unberührte schroffe Bergkulisse und der durchgehende grandiose Blick hinunter auf eine bunte Seenwelt machen dieses Kleinod so besonders. Wo sonst hat man gleich 4 unterschiedlich gefärbte Bergseen gleichzeitig im Sichtfeld? Der Alpine Circuit zählt ganz zu recht zu den beeindruckendsten Wanderrouten in den kanadischen Rockies. Vorausgesetzt man ist naturbegeistert und das Wetter spielt mit, gehört dieser Permit-Tag sicherlich zu den schönsten der gesamte Kanada-Reise. Und so war es auch bei uns… aber nun mal der Reihe nach! :)

Alles begann vor vielen Jahren, als man sich noch relativ leicht vorab sein Busticket per Telefon sichern konnte. Damals bin mit dem 8:30 Shuttle hin, den ganzen Tag in den Bergen herumgekraxelt (Bericht “Yoho NP – Alpine Circuit“) und am Abend stand fest: Hier MUSS ich unbedingt nochmal hin! Ganze 12 Jahre sollte es dauern, aber jetzt war es endlich soweit.

Die Cabins von der Lake O Hara Lodge befinden sich in traumhafter Lage direkt am Seeufer. Wer dort übernachtet, der erhält auch garantiert eines der heißbegehrten Bustickets. Allerdings sind diese Hütten für Normalsterbliche nahezu unbezahlbar...Für den 20. April 2017 hatte ich mir den Wecker gestellt und dann bei der Reservierungsseite wie bekloppt “reload” gedrückt. Als diese dann um 16:00:00 Uhr MEZ sämtliche Termine für den Sommer 2017 freigegeben hat, traute ich meinen Augen kaum. Es war absolut alles weg! Sämtliche 8:30 und 10:30 Busse in unserem Zeitfenster waren bereits mit einem roten Kreuz belegt. Wie kann denn das sein!? Ich bin halb verrückt geworden, so schlimm war das ja nicht mal seinerzeit bei den Wave-Permits. Ich wollte es einfach nicht wahr haben und irgendetwas ließ mich noch 20 Minuten lang immer und immer wieder auf den “reload”-Button drücken… Und dann stand da plötzlich aus dem Nichts heraus ein grüner Haken, zwar nicht an unseren Wunschtagen und auch nicht bei meiner Wunschuhrzeit, aber egal. In Windeseile sicherte ich mir diese zwei Bustickets und konnte mein Glück kaum fassen.

Und ich habe da nach wie vor keine Ahnung, wieso plötzlich nach 20 Minuten erst etwas frei oder “wieder frei” wurde…!? Jemand, der die falsche Kreditkartennummer eingegeben oder ein Time-out hatte, weil der-/diejenige noch nicht im Parks Canada Online Reservation System angemeldet war..!? Das sollte man auf gar keinen Fall vergessen im Vorfeld schon zu erledigen. Aber ich hatte mir dort zum Glück schon meinen “GCKey” geholt!
(auf dieser Seite unter “Sign in using GCKey” und dann “Sign up”)

Noch am Vortag versteckten sich die Berggipfel entlang des Trans-Canada Highways hinter dichten Rauchschwaden, gleich mehrere großflächige Waldbrände wüteten in den Rocky Mountains.Nach diesem kleinen Ausflug in die “Welt der Bürokratie”, hatte ich erst recht alle Hände voll zu tun. Unsere ganze Reiseroute musste umgeplant werden, da wir nun doch gleich einige Tage “zu früh” in der Lake Louise/Banff-Gegend eintreffen würden. Aber was tut man nicht alles wegen ein paar Permits!?
Wobei das ja strenggenommen ja gar keine “Bewilligungen” waren, sondern nur Bustickets. Aber ohne diese kann man den Alpine Circuit Trail rund um den Lake O’Hara eigentlich vergessen, zumal man dann noch zusätzliche 11 km auf der Zufahrtstraße zurücklegen muss. Und abends am Heimweg gleich nochmal, wenn man keinen Platz im Bus finden kann…

Aber wir hatten ja die Tickets, jetzt musste nur das Wetter passen! Und genau das war unsere nächste Sorge… Im Westen von Kanada wüteten dieses Jahr ganz besonders viele Waldbrände und leider auch hier im Herzen der Rocky Mountains. Als wir am gestrigen Tag durch Golden fuhren, vorbei am Lake O’Hara Shuttle Stopp und weiter in Richtung Lake Louise, schwante uns Böses. Eine dicke Dunstglocke hatte sich über die Region ausgebreitet, von der Sonne und von den ganzen tollen Bergen sah man so gut wie gar nichts. Es brannte im benachbarten Mount Assiniboine Park, und nicht nur dort…
Was sollen wir so beim Lake O’Hara!? Und was wollen wir die nächsten Tage außer Canyons überhaupt fotografieren, wenn man von der tollen Landschaft überall gar nichts sieht…!?

Umso mehr freuten wir uns am heutigen Morgen über den strahlend blauen Himmel. Dazu noch Sitzplätze im Lake O Hara Shuttle-Bus, was will man mehr!? :-)
Alle die, kein Busticket ihr Eigen nennen können, müssen zusätzliche 11 Kilometer entlang der staubigen und langweiligen Forststraße zum Lake O Hara wandern - one-way!
Handyschnappschuss von der Lake O Hara Karte die am Le Relais aushängt. Da die Wanderwege gut ausgeschildert sind, sollte diese Karte im Prinzip auch ausreichend sein.

Aber es kam alles anderes. Neuer Tag, neues Glück! Als wir heute Morgen in Banff aus unserem Hotelfenster schauten, schien die Sonne! Schon seit Tagen ein seltener Gast, heute freuten wir uns umso mehr über das Wiedersehen.
Schnell um 9 noch zwei Cappus geholt und 40 Minuten später standen wir schon am Shuttle-Parkplatz (ausgeschildert; unmittelbar südlich des Trans-Canada Hwy 12 km westlich von Lake Louise). “You have plenty of time”, hieß es und das war auch beruhigend, den wir hatten noch unsere 7 Sachen zu packen. Sogar ein Jackerl musste mit und ein Poncho sicherheitshalber auch, im Hochgebirge weiß man ja nie. Das Autothermometer zeigte uns schon seit Tagen über 30°C in den Kaskaden und Rockies an, heute gab es erstmals vernünftigere Wandertemperaturen mit nur knapp über 20°C.

Am Parkplatz standen gleich zwei alte, zu Shuttlen umfunktionierte Schulbusse. Heute wollten besonders viele Camper zum Lake O’Hara hin, so dass wir nicht alle in nur einen Bus passten. Da online nirgends eine Zahl zu finden war, wie viel Leute denn täglich in das Naturschutzgebiet dürfen, bekam ich hier endlich eine Antwort. Die Warden (kanadische Rangerin) meinte es sind in etwa 230 Leute am Tag, wenn man alle Übernachter mitzählt. Nicht bei der Zahl berücksichtigt sind alle, die zu Fuß in das Gebiet wandern. Heute waren es 37, von denen haben aber bei weitem nicht alle den Lake O’Hara erreicht. Mit dem Bus ist man ganz bequem und in weniger als einer halben Stunde dort.

Wanderstöcke müssen nicht extra mitgenommen werden, diese kann man sich bei Le Relais ausleihen.
Einen Blick sollte man bei der Le Relais Hütte auch auf die Aushänge werfen, dort erfährt man u.a. wann und wo die letzten Bären gesehen wurden. Denn genau wie anderorts in den Rockies sind auch hier Begegnungen mit Schwarz- oder Grizzlybären nicht ganz auszuschließen.
Am Weg hinauf zum himmelblauen Lake Oesa kommt man beim herrlich grünlichen Lake Lefroy vorbei.

Von der Le Relais Hütte, dem Shuttle-Stopp am Seeufer, auf 2.035 m ist man im Uhrzeigersinn rund um den Lake O’Hara relativ flott und nach nur 3,2 km beim Lake Oesa auf 2.275 m oben. Wir sind den Rundweg am See gegen den Uhrzeigersinn gegangen vorbei am West und East Opabin Trail und den Seven Vails Falls, was auch nur unwesentlich länger dauerte. In Serpentinen ging es dann den Lake Oesa Trail bergauf, vorbei am Yukness Lake, den man aber von diesem Wanderweg kaum gesehen hat. Schöner war dann der Blick weiter oben bei einer kleinen Kaskade und anschließend vom Lefroy Lake.

Der phantastische Blick auf die vielen unterschiedlich farbigen Seen, den man von den Huber Ledges genießt, der blieb einem hier leider größtenteils verwehrt. Die Tour mit Start über den Wigwaxy Gap, wo man 495 Höhenmeter in nur 1,5 km überwindet, bin ich im August 2005 gegangen. Die hat mir um ein Vielfaches besser gefallen! D.h., wer mehr Zeit mitbringt und frei von Höhenangst ist, dem rate ich von dieser Abkürzung ab. Aber da wir erst mit dem 10:30-Uhr-Bus angekommen sind und meine Achillessehnen-OP nur ein 3/4 Jahr her war, wollten wir auf Nummer sicher gehen und entschieden uns für die Kurzvariante.

Hier der Blick aus einer etwas anderen Perspektive auf den Lefroy Lake und dem Lake Oesa im Hintergrund
Am Weiterweg, von den Yukness Ledges, hat man dann eine hübsche Aussicht über den Lake O Hara. Rechts am Berghang erkennt man die Serpentinen und das Geröllfeld, über die wir zum Lake Oesa hinaufgewandert sind. Bei der Tour über den Wigwaxy legt man deutlich Höhenmeter zurück; der Weg dorthin startet weiter hinten am See und führt hinauf bis zur Bergscharte rechts im Bild!
Steffen fotografiert hier einen der zahlreichen kleineren Seen am Opabin Plateau.

Vom Lake Oesa (die meiste Zeit des Jahres über gefroren, daher die Bezeichnung der Stoney-Indianer “Oesa”=”Eis”) ging es dann über die meiner Meinung nach recht harmlosen, exponierten Steilhänge der Yukness Ledges (2.280 m) noch 2,3 km weiter bis hinüber zum Hungabee Lake am weitläufigen Opabin Plateau. Dort war alles gut ausgeschildert, so dass Steffen und ich auch ganz leicht zum schönsten Aussichtspunkt der Rundwanderung gefunden haben, dem Opabin Prospect mit Blick hinunter auf den türkisblauen Lake O’Hara und den grün schimmernden Mary Lake (Foto links unten und das erste hier im Blog).

TokenDie Zeit war rasend schnell vergangen. Ehe wir uns versahen, eilten wir schon den West Opabin Trail hinunter und am Ufer des Mary Lake entlang zurück in Richtung Lake O’Hara Lodge und Shuttle-Bus-Stopp. Jeder, der keinen “Token” (Jetons die wir bei der Hinfahrt erhalten hatten; Foto rechts) vorweisen konnte, der musste CAD 10 entrichten. Und das waren gleich eine Handvoll glücklicher Wanderer, die auch ohne regulärem Busticket mit dem Shuttle zurück zum Parkplatz mit durften. Wie schon bei meinem ersten Besuch war es erstaunlich, wie wenige Leute mit dem letzten Bus zurückfahren wollten! Man hat also wahrscheinlich gar nicht mal so selten gute Chancen, die Zufahrtsstraße nicht doppelt gehen zu müssen. Aber riskieren würde ich es trotzdem nicht wollen, schon allein weil dann einfach zu wenig Zeit (und Kraft?) für den Alpine Circuit bleibt, wenn man früh morgens schon einen Anlauf von 11 km hat. Und diese dann leider auch noch auf einer staubigen, reichlich unspektakulären Forststraße zurücklegen muss…

Am längsten verweilten wir am Opabin Prospect, einem Aussichtspunkt am gleichnamigen Plateau mit herrlichem Blick auf den türkisblauen Lake O Hara und den grünen Mary Lake. Steffen hatte auch noch ein perfektes Foto-Shirt an! :-)Nach all den Höhenmeter ist man abends meistens ohnehin müde. Und wir hatten ja schließlich noch Programm, es sollte uns noch eine längere Nacht bevorstehen. Ein Sonnensturm war vorhergesagt, ab einem kp-Index von 4 wird es auch rund um Lake Louise und Banff schon interessant. Ab kp=5 kann es dort bereits ein wahres Feuerwerk am nächtlichen Himmel geben! An dem Abend haben Steffen und ich leider noch keine gesehen, aber in der Nacht darauf haben wir tatsächlich welche beobachten können, wenn auch der angekündigte Sonnensturm leider nicht ansatzweise so stark ausfiel wie angekündigt. Aber grundsätzlich sollte man während eines Kanada-Urlaubs auch immer an Polarlichter denken und die Vorhersagen im Auge behalten. Sobald es dunkel wird, können sie jederzeit auftreten, in Süden Kanadas auch mitten im Hochsommer! Alle Tipps dazu in unserem Blog über “Polarlichter fotografieren“.

Als Resümee bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen, die ganzen euphorischen Adjektive in diesem Blog sprechen sicher für sich. Und auch wenn der Song von Phil Collins eigentlich eher nachdenklicher Natur ist, so passt der Titel hier als Abschluss trotzdem recht gut: “Another Day in Paradise“, der Tag am Lake O’Hara war wieder mal wunderschön!

 

Hier noch mal alle wichtigen Infos auf einen Blick (Stand Sommer 2017):

Lake O’Hara Shuttle: verkehrt täglich um 8:30 und 10:30 Uhr vom 16. Juni bis 1. Oktober und kostet CAD 14,70/Person + Reservierungsgebühr CAD 9
Die Reservierungsseite wird meist Mitte April freigeschaltet; unbedingt den GCKey im Voraus besorgen!
Ein Busticket ist auch allen garantiert, die es schaffen sich (auf den Tag exakt 3 Monate) vor der geplanten Wanderung einen der 30 Zeltplätze telefonisch zu sichern (Link) oder einen Schlafplatz in der Elizabeth Parker Hut ergattern (Verlosung meist schon im Herbst!) bzw. das nötige Kleingeld für eine Übernachtung in der Lake O’Hara Lodge aufbringen (derzeit $1.370-$1.940, da “two nights minimum“).

Wanderwege:
Den Aussichtspunkt Opabin Prospect erreicht man vom Shuttle-Stopp am schnellsten über den West Opabin Trail. Hier beim Abstieg mit Blick in Richtung Norden.Beschreibung der Trails rund um den Lake O’Hara mit Karte des gesamten Gebiets; die Wanderkarte kann man bequem als PDF auf dem Smartphone mitnehmen oder die (bessere) Detailkarte vor Ort bei der Relais-Hütte abfotografieren (siehe Foto oben) bzw. dort käuflich erwerben.
Ein 2,8 km langer, relativ ebener Wanderweg führt rund um den Lake O’Hara, das Minimalprogramm jedes Besuchers. Aber es ist einfach unverzeihlich, wenn man einigermaßen gut zu Fuß ist, dass man nicht zumindest den Opabin Prospect über den West Opabin Trail aufsucht oder – noch besser – einen kleinen Abschnitt des Alpine Circuit Trail zurücklegt. Die Tour über Wigwaxy bis zum Opabin Prospect, die ich bei meinem letzten Besuch gemacht, ist meiner Meinung nach am beeindruckendsten (wenn man frei von Höhenangst ist!). Hier nochmal alles über diese Tour im August 2005 -> Yoho NP – Alpine Circuit.

Link: Offizielle Webseite des Yoho Nationalparks