Jeep / SUV mieten im Südwesten der USA

Im Südwesten der USA gibt es viele tolle Strecken abseits des Asphalts, die man allerdings nur mit einem Jeep oder einem anderen Geländewagen befahren kann, wie z.B. die Potash Road beim Dead Horse Point in Richtung Canyonlands Nationalpark.Bei der ersten großen Tour durch den Südwesten der USA, wird man den Geländewagen vielleicht noch nicht vermissen. Aber spätestens wenn bei der zweiten Reise Ziele abseits des Asphalts am Programm stehen, stellt sich schon bald die Frage: “Wie und vor allem mit welchem Auto kommt man am besten dorthin?”, “Wie ist das mit den Versicherungen, wenn man vor Ort nur für einen Tag ein Allradfahrzeug mieten möchte?” oder “Was mache ich in Kalifornien, wo Vermieter keine gesetzliche Mindestdeckung gewährleisten müssen?”. Da uns regelmäßig E-Mails zu diesem Thema erreichen, hier im Blog mal ein etwas ausführlicher Bericht darüber.

Bei welchem Vermieter bekomme ich ein 4WD-Fahrzeug?

Das Wichtigste mal gleich vorweg: Bei den großen Vermietern wie Hertz, National, Dollar oder Alamo gibt es auch in der Kategorie “Geländewagen” leider normalerweise keinerlei Vierradantrieb-Garantie! Und ohne Choiceline (eine Reihe mit Fahrzeugen aus der man sich ein beliebiges Modell aussuchen kann) wird man wohl oder übel sogar das nehmen müssen, was einem vorgesetzt wird. Man kann ein schlechtes Fahrzeug allerdings ggf. bei der nächsten Station gegen ein (hoffentlich besseres…) Auto umtauschen, aber irgendeinen Mangel/Vorwand sollte man möglichst dabei angeben können. Eine Anmietstation mit Choiceline wäre also schon mal eine erste gute Voraussetzung für das Erhalten eines 4WD-Modells: Hier gibt es eine Übersicht, an welchen Orten und bei welchen Vermietern man aktuell mit einer Choiceline rechnen darf, und hier eine Auflistung der Fahrzeuge, die vor Ort tatsächlich erhältlich waren. Alle Angaben allerdings gänzlich ohne Gewähr!

Verfügt die Anmietstation über eine Choiceline, kann man sich das Auto selbst aussuchen. Und wenn alle gleich aussehen, dann empfiehlt sich der Blick auf den Tacho, dieser kann recht Unterschiedliches anzeigen.Wir sind meist mit ganz normalen SUVs (Sport Utility Vehicles) unterwegs, mal von Dollar, mal Hertz, mal Alamo, mal National, ganz in Abhängigkeit, wo es die besten Angebote oder die geringste oneway fee gab. Gerade die Einweggebühren können je nach Vermieter, Standort und Richtung (!) sehr unterschiedlich ausfallen. Früher war es relativ leicht einen guten 4WD in den Choicelines zu ergattern, seit einigen Jahren ist es mancherorts reine Glückssache. Vor allem in heißeren Gegenden wie Los Angeles ist – sofern überhaupt vorhanden – die Anzahl der 4WDs äußerst beschränkt. In Denver hingegen, wo die verschneiten Rockies nicht fern liegen, ist die Lage schon etwas entspannter aus. Aber selbst dort darf man nicht davon ausgehen, dass man sein Wunschauto erhält.

Man bucht immer nur eine Kategorie, ohne Anspruch auf ein ganz bestimmtes Modell! Und in der Geländewagen-Choiceline stehen leider in letzter Zeit immer mehr und mehr 2WDs. Zudem gibt es von etlichen Modellen verschiedenste Ausführungen, d.h., der Blick auf die Beschriftung hinten (4WD oder AWD “all wheel drive”), auf die Schaltung (Low, Differential usw.) und ggf. ins (hoffentlich vorhandene) Benutzerhandbuch ist ein Muss. Auch “Jeep Cherokees” findet man vermehrt in der 2WD-Version! Ebenso wichtig ist ein Abchecken der gefahrenen Gesamtmeilen, der Reifen (Profil und eventuelle Markierungen, die auf ein “Reifenflicken” hindeuten könnten) und die Kontrolle, ob ein passender(!) Ersatzreifen und Werkzeug vorhanden sind. Bei etlichen Vermietern kommt es vor, dass sie eine gemeinsame Choiceline für Midsize und Standard SUVs haben, auch darf man sich bei einigen Alamo-Stationen zusätzlich nebenan in der National Choiceline bedienen. Das alles wechselt indessen recht schnell, so dass man hier nur schwer Empfehlungen aussprechen kann.

Eines lässt sich aber meist feststellen: Da Alamo von den Großvermietern vor Ort oft die preiswertesten Angebote hat, sind die Schlangen bei der Übernahme dort auch fast immer am längsten. Man wartet zuerst am Schalter und dann manchmal auch noch draußen, wenn es in der “Line” wieder mal “NO Choice” gibt… Hier ist es wichtig, möglichst schnell durch Immigration und Zoll zu kommen, vor allem wenn gleich etliche große Flieger gleichzeitig landen. Sonst kann es bei der “Billig”-Autoübernahme schon auch mal richtig lange dauern…

Unterwegs auf der abenteuerlichen White Rim Road im Canyonlands Nationalpark bei Moab, für die ein Jeep oder SUV dringend nötig ist.Last but not least, stellt sich noch die Frage, warum ich ganz oben im einleitenden Satz nur “normalerweise” schreibe? Weil es gibt immer Ausnahmen. Wir haben schon mehrfach einen 4WD-SUV bekommen, selbst wenn gerade keiner in der Choiceline stand. Ein nettes Gespräch mit dem “Aufpasser” bewirkt da manchmal Wunder. Manchmal aber auch gar nichts… ;)
Je nach Buchungslage kann es auch vorkommen, dass man am Schalter vor der Übernahme ein Upgrade angeboten bekommt. Und dabei wird einem – mit etwas Glück – auch tatsächlich der 4WD-Wunsch erfüllt. Das haben wir erst diesen März in L.A. so erlebt. Da gab es das Upgrade vom Midsize zum Full Size mit 4WD-Garantie für gerade mal $11/Tag, ein sehr gutes Angebot, das wir nicht ausschlagen konnten (normalerweise zahlt man fürs Upgrade zum Standard SUV bereits $11/Tag und zu Hause über FTI hätte es den Full Size ebenfalls nur für einen viel größeren Aufpreis gegeben). Auch haben wir schon erlebt, dass überhaupt kein SUV in der Choiceline stand… und das stundenlang… So passiert in LA am zweiten Weihnachtstag im Jahr 2013.
Man kann also Glück haben bei den großen Vermietern, muss aber nicht…

Darüber hinaus gibt es auch noch eine Vielzahl an kleineren Vermietern, bei denen man Fahrzeuge tageweise anmieten kann (interessant vor allem für Leute die mit dem Pkw oder Wohnmobil unterwegs sind). Bei einigen wie z.B. Rugged Rental in Salt Lake City erhält man auch für die gesamte Reisdauer einen Jeep Wrangler oder Rubicon – zu zwar teuren, aber im Vergleich zur tageweise Anmietung dann doch noch immer relativ moderaten Preisen. Mitunter problematisch sind bei der Buchung vor Ort vor allem die meist fehlenden Versicherungen, dazu noch ein separates Kapitel (siehe unten).

 

Wann brauche ich einen 4WD?

Es schneit, es schneit, es schneit... rund um Denver können bis April/Mai oder ab September/Oktober recht winterliche Bedingungen herrschen.Eine heikle Frage, die unserer Meinung nach nicht nur von den abgelegenen Zielen abhängt sondern auch vom Wetter und der Jahreszeit. Wer beispielsweise im April/Mai oder September/Oktober durch die Rocky Mountains fährt, tut dies mit einem 4-Rad-Antrieb meist deutlich entspannter. Wir haben dort schon ausreichend vereiste Straßen und Unfälle gesehen. Wer zu der Zeit in Moab mit kurzen Hosen ins Auto gestiegen ist, den könnten wenige Stunden später am Weg zum Flughafen in Denver tiefwinterliche Bedingungen überraschen oder auch schon mal eine gesperrte Interstate… (alles schon erlebt! ;) )

Bei der ersten Reise benötigt man in der Regel meistens keinen. Auch Steffen und ich sind bei unserer allerersten USA-Tour nicht mit einem SUV unterwegs gewesen (Steffen mit einem RV und ich in einem Pkw). Es gibt im Südwesten einfach so dermaßen vieles anzuschauen, das über asphaltierte Straßen gut zu erreichen ist, dass einem selbst bei einer 3-wöchigen Tour mit Sicherheit nicht langweilig wird. Die Nationalparks in Südutah und im Norden Arizonas bieten Programm für gleich etliche Urlaube.

Trotzdem mieten wir auch selbst wenn keine Dirt Roads geplant sind, gerne einen Midsize SUV. Meistens zahlt man dafür kaum mehr als für einen normalen Pkw. Einen ganz kleinen Pkw darf man sich ohnehin nicht holen, da deren Kofferraum in der Regel viel kleiner als in Europa ist und keinen Platz für zwei Koffer bietet. Großer Nachteil der SUVs: sie haben meistens keine Abdeckung und das Gepäck bleibt immer und überall für jedermann trotz getönter Scheiben sichtbar. Großer Vorteil: der Komfort und außerdem ist man auf winterliche Überraschungen vorbereitet und kann auch die eine oder andere Piste besser und flotter damit entlang brettern – und sei es nur die Zufahrt bis zum Chaco Canyon oder zum Wave-Trailhead. Und das gilt sogar für die 2WD-Ausführungen, denn auch diese haben für gewöhnlich eine deutlich bessere Bodenfreiheit als normale Pkws und oft auch etwas robustere Reifen.

Zu den populärsten Zielen im Südwesten der USA, für die ein SUV notwendig ist, zählen (hier geht es vor allem um das Thema “Bodenfreiheit” und “Reifen”):

  • Zufahrt zum Wire Pass Trailhead, dem Ausgangspunkt der Wave-Wanderung
  • Cottonwood Canyon Road – ich bin die zwar selber schon mal in einem Pkw gefahren und unter optimalen Straßenbedingungen (was eher selten der Fall ist) war es damals machbar, aber kein Vergnügen!
  • Racetrack Valley im Death Valley
  • Titus Canyon Road im Death Valley
  • Toroweap Point im Grand Canyon NP
  • Shafer Trail, Potash Road bei Moab
  • Alstrom Point am Lake Powell
  • Little Finland in Nevada
  • Hewitt Canyon Arch bei Phoenix
  • Yant Flat bei St. George
  • Fonts Point im Anza Borrego-Desert State Park
  • Sand Tufas beim Mono Lake (besser nur mit 4WD)
  • Last Dollar Road (tolle Herbstlaubstraße in Colorado)
  • Owl Creek Pass Road (noch schönere Herbstlaubstraße in Colorado)

Strecken für die ein sehr gutes 4WD-Vehikel zwingend erforderlich ist:

  • White Rim Road im Canyonlands NP (vor allem im Bereich des Murphy’s Hogback)
  • etliche Pisten rund um Moab wie z.B. zum Marlboro Point
  • Coyote Buttes South und White Pocket am Paria Plateau
  • Smoky Mountain Road (und die Left Hand Collet Rd war selbst damit ein richtiger Hammer!)
  • Hole in the Rock Road im unteren Bereich sowie die Seitenpisten zum Dry Fork, Peek-a-Boo & Spooky etc.
  • zahlreiche Dirt Roads im San Rafael Swell und in der Cedar Mesa Area
  • Sandige Flussbetten im Anza Borrego-Desert State Park
  • Schnebly Hill Road in Sedona
  • Unasphaltierte Passstraßen in den San Juan Mountains rund um Telluride, Silverton oder Ouray (oft sehr steinig und manchmal durch Schneefelder schwierig zu befahren)
  • Cathedral Valley im Capitol Reef NP (bei der vollen Runde, wenn gefurtet wird)
  • Stud Horse Point und Thousand Pockets

Selbst mit einem sehr guten 4WD-Fahrzeug nur schwer machbar:

  • Elephant Hill Trail im Needles District des Canyonland NP
  • der Teapot Canyon am Weg zum Land of Standing Rocks im The Maze District des Canyonlands NP
  • viele weitere felsige Pisten rund um Moab, etliche davon sind nur mit modifizierten Jeeps zu befahren

Bei bestem Straßenzustand und Trockenheit oftmals machbar mit einem Pkw (aber auch diese Strecken kann man in einem Midsize SUV deutlich entspannter genießen):

  • Rundparcours durch das Monument Valley
  • die Hauptrouten in den Alabama Hills
  • Apache Trail bei Phoenix
  • Bajada Loop und Golden Gate Road im Saguaro NP
  • Valley of the Gods, Muley Point und Moki Dugway
  • Zufahrten zu den Bisti Badlands und u.U. zur Ah Shi Sle Pah Wilderness Area
  • Ajo Mountain Drive im Organ Pipe NM
  • Puerto Blanco Drive im Organ Pipe NM (seit 2014 wieder geöffnet; “high clearance recommended”, aber Straßenzustand im März 2016 war z.B. ausgezeichnet)
  • Hole in the Rock Road im oberen Bereich (Zufahrt zum Devils Garden oder Zebra Canyon Trailhead)
  • Stichstraße zu Old Paria westlich von Page
  • Burr Trail/Notom-Bullfrog-Loop (wenn der Fluss kein Wasser führt)
  • Horseshoe Canyon (Great Gallery Trailhead) im Canyonlands NP
  • Dirt Road durch das Bosque del Apache National Wildlife Refuge
  • Skutumpah Road (dort befindet sich u.a. der Trailhead zum Willis Creek Slot Canyon)
  • Kebler Pass Road (Herbstlaubstraße in Colorado)

 

WICHTIG: Immer die Wettervorhersagen und den aktuellen Straßenzustand kurz vorher erfragen, denn der kann sich nach jedem Regenguss schlagartig ändern. So kann es vorkommen, dass als “Pkw-tauglich” ausgewiesene Strecken, aufgrund des lehmartigen Belags oder eines Hangrutsches etc. kaum mehr mit einem 4WD zu schaffen sind.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann für die Dirt Roads im Südwesten der USA vor Ort gut ausgestattete Jeeps auch tageweise anmieten.Eine spezielle Klausel, die Besucher im Südwesten der USA immer wieder beunruhigt: Bei nahezu allen großen Vermietern erlischt der Versicherungsschutz bei einem nicht angemeldeten Fahrer oder sobald man die “befestigten Straßen verlässt“, so dass man dann für sämtliche Schäden am Auto persönlich haftet. Streng genommen, darf man mit solch einem Mietwagen also nicht mal in alle Bereiche von so manchem National Park oder Monument hinein. Bestes Beispiel wäre der Chaco Canyon, der nur über Dirt Roads zu erreichen ist, oder ein Ausflug durch’s Monument Valley, die Fahrt über die Bajada Loop im Sagaro Nationalpark oder die beliebte Cottonwood Canyon Road im Grand Staircase-Escalante NM.

Allerdings ist der Begriff “unbefestigt” sehr dehnbar, während die einen Firmen mit einer “public”, “improved”, “regularly maintained” oder “graded” gravel road noch kein Problem haben, lehnen andere strikt sämtliche unasphaltierte Straßen ab. “Off-road” steht ohnehin nicht zur Debatte. Rechtliche Hinweise im Kleingedruckten des “Rental Agreement” (Vertrag) beachten oder ggf. nachfragen! Es wird vermutlich trotzdem einiges in der “Grauzone” bleiben. Und ob man dann das Risiko eingeht oder nicht, das muss letztendlich jeder selber entscheiden.

Wer auf “Nummer sicher” gehen möchte und weil die SUVs der großen Vermieter meist ohnehin nicht viel taugen im Gelände (2WD oder schlechte Reifen etc.), mietet vor Ort tageweise ein Allradfahrzeug an, das auch für diese Strecken zugelassen ist (siehe nächster Punkt) oder bucht einen Shuttle-Service bzw. schließt sich einer geführten Tour an (weiter unten).

 

Tageweise Anmietung von 4WD in Utah oder Arizona

Für so manche Strecken rund um Moab benötigt man nicht nur einen normalen SUV, sondern einen modifizierten Jeep mit extra dicken Reifen oder ein ATV. Und vorzugsweise so wie hier auf diesem Bild ohne Hund + Riesenknochen am Dach! ;-)(Stand: Juni 2016)
An dieser Stelle eine hoffentlich, hilfreiche kurze Übersicht zu den wichtigsten lokalen SUV-Vermietern im Südwesten der USA bzw. im “Kerngebiet”, wo man den Geländewagen sicher am nötigsten brauchen wird. Über Ergänzungen, Empfehlungen und Rückmeldungen freue ich mich sehr! Lieben Dank schon im Voraus! :)

Die Tagespreise für einen Geländewagen schwanken zwischen $130 und $300. Hinzu kommt noch eine obligatorische Kaskoversicherung: Collision Damage Waiver für $15-$60/Tag mit einem Selbstbehalt (deductible) von meist $500-$5.000. Schäden an Glas, Reifen, Dach und Unterboden werden von der CDW nicht immer automatisch abgedeckt. Extra zu zahlen sind meist auch die Kosten fürs Abschleppen oder die “Rettung” des Jeeps, sollte dieser von der Straße in den tiefen Abgrund gerutscht sein. Die Kaution wird drüben als “deposit” bezeichnet.
Nicht vergessen sollte man dabei den Abschluss einer erweiterten Haftpflichtversicherung vor der Abreise (z.B. bei “HanseMerkur” siehe unten), sofern man nicht mit der gesetzlichen Mindestdeckung losfahren und ernste Probleme riskieren möchte.

WICHTIG: Anders als bei den großen international vertretenen Vermietern, benötigt man beim kleinen Anbieter vor Ort fast immer einen “Internationalen Führerschein“!

 

SUV-Anmietung vor Ort in Kalifornien

Kalifornien nimmt leider eine Sonderrolle ein. Zwar gibt es auch in CA eine gesetzliche Mindestdeckung bei der Kfz-Haftpflicht, aber anders als in allen anderen US-Bundesstaaten gibt es dort (bis dato) keine Vorschriften für Vermieter. Diese sind daher nicht verpflichtet ihren Kunden die sog. “minimum liability protection” oder “basic liability coverage” zu gewährleisten (Quelle bzw hier).

Wer also in Kalifornien einfach in einen Rental Jeep einsteigt und unbekümmert durch die Gegend brettet, für den kann das Ganze böse enden. Denn selbst die vorhandene Aufstockungen bei einem europäischen Versicherungsträger wird null und nichtig, wenn die Grundvoraussetzung (“vorhandene gesetzliche Mindesthaftpflicht”) nicht gegeben ist! Mit der Folge, dass man bei einem selbstverschuldeten Zusammenstoß im vollen Umfang für sämtliche Schäden “außerhalb des Mietwagens” selber aufkommen darf. Vor allem wenn dabei verletzte Personen ins Spiel kommen, kann es in den USA horrend teuer werden.

D.h., bei den kleinen Vermietern in Kalifornien muss man neben der oben bereits erwähnten Kaskoversicherung (CDW) und der Haftpflicht-Aufstockung sich auch unbedingt um eine “rental liability insurance” (RLI) kümmern. Und das betrifft u.a. sehr beliebte Plätze wie das Death Valley. Die Leute von Farabee Jeep Rentals in Furnace Creek waren leider bis jetzt nicht in der Lage, mir zu diesem Thema per E-Mail Auskunft zu geben. Da werden wir wohl oder übel mal vor Ort nachfragen müssen. Denn ausgerechnet in dem Park liebäugeln wir derzeit sehr mit der Anmietung eines SUVs für ein paar “etwas wildere” Backroads. Ein entsprechendes Update folgt dann! ;)

 

Wichtiges Thema: die Versicherungen!

Bei den großen Vermietern, die man über die Reiseveranstalter/-portale hierzulande buchen kann, sind in der Regel neben den Basiskosten, Umsatz- und Lokalsteuern auch noch die Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung, die gesetzliche Mindesthaftpflicht, eine Aufstockung der Haftpflicht-Deckungssumme über eine europäische Versicherungsgesellschaft auf €1 Mio (bzw. bei “Sunny Cars” bis €7,5 Mio) sowie unlimitierte Meilen enthalten und im “Plus/Gold”-Tarif sogar noch die erste Tankfüllung und der Zusatzfahrer. Bei einigen Anbietern umfasst das teurere Leistungspaket oft auch gleich die Underinsured Motorist Protection (UMP), die bei etwaigen Schäden an der eigenen Person wirksam wird, wenn der potentielle Unfallgegner unzureichend oder gar nicht versichert ist (in den USA laut Statitik ca. 15% aller Autobesitzer) oder wenn dieser Fahrerflucht begangen hat. So ist man bestens rundumversichert und kann unbesorgt in den Urlaub starten.

Anders aber, wenn man erst beim kleinen Verleiher vor Ort bucht. Da spielen die ganzen Begriffe + Abkürzungen (siehe Liste weiter unten) eine große Rolle und man muss selber zusehen, dass man mit seinem SUV nicht total unterversichert auf Amerikas Straßen unterwegs ist. Der US-Bürger bringt teilweise seine Versicherungen mit, die unabhängig vom Fahrzeug gelten. Drüben ist die Kfz-Haftpflicht nämlich nicht fahrzeug- sondern vielmehr personen- bzw. haushaltsbezogen.

Wer mit dem Jeep der großen Vermieter wie Hertz, Dollar oder Alamo abseits des Asphalts unterwegs ist, tut dies meist gänzlich auf eigene Gefahr.Mit Ausnahme von Kalifornien (siehe Hinweise hierzu weiter oben unter “SUV-Anmietung in Kalifornien“) sind Vermieter dazu verpflichtet ihren Kunden die gesetzliche Mindestdeckung bei der Haftpflicht zu gewährleisten. Diese variiert allerdings von Bundesstaat zu Bundesstaat und entspricht in keinster Weise dem aus Mitteleuropa gewohnten Standard. Sie liegt mitunter bei lächerlichen $5.000 (Liste) und ohne Zusatzversicherung haftet man persönlich, wenn bei einem selbstverschuldeten Unfall der gegnerische Sach- und Personenschaden diesen Betrag überschreitet. In den USA, einem Land wo jeder jedem wegen jeder noch so kleinen Kleinigkeit verklagt und das auch noch erfolgreich mit hohen Entschädigungsforderungen (Stichwort “der Kaffee war mir zu heiß”), kann man kaum gut genug versichert sein!

Mit anderen Worten: Der ausländische Tourist muss unbedingt noch eine Extended Protection (EP), Liability Insurance Supplement (LIS) oder Additional Liability Insurance (ALI) erwerben. Und genau das ist leider bei den meisten kleinen Anbietern nicht möglich. Bei ihnen kann man sich lediglich einen CDW (“collision damage waiver”) mit oft hoher Selbstbeteiligung holen, aber so gut wie nie die Haftpflicht aufstocken. Um diese kümmert man sich am besten schon von zu Hause aus. Bei HanseMerkur z.B. wird ein »Mietwagen-Schutz« mit Selbstbehaltausschluss (bis zu €2.500) und erhöhter Haftpflicht ab $6 pro Tag angeboten, den man exakt für den Zeitraum abschließen kann, für die man die Versicherung benötigt (ggf. für nur 1-2 Tage). Auf den “normalen” Alamo- oder Hertz-Mietwagen lässt sich dieser Extra-Schutz übrigens nicht übertragen, da diese Versicherung ebenfalls nicht für Schäden aufkommt, die auf “nicht genehmigten Straßen” entstanden sind. ;)

Mit der richtigen Kreditkarte kann man sich diese Zusatzkosten aber mitunter sogar sparen, man sollte nur das “Kleingedruckte” wirklich genau kennen (oder ggf. nachfragen). Inhaber einiger goldener Kreditkarten genießen teilweise eine Kfz-Reise-Haftpflichtversicherung, sofern die Mietkosten damit beglichen wurden. Bei der Netbank z.B. gibt es eine Platinkarte, die sowohl Haftpflichtaufstockung als auch Mietwagen-Vollkasko beinhaltet. Bei den alten ADAC-Goldkarten ist die Aufstockung ebenfalls dabei, die neuen bieten diesen Service aber nicht mehr.

Nicht selten schaffen es die zig unterschiedlichen Bezeichnungen (für ein und “fast” dasselbe) und das ganze Wirrwarr aus Abkürzungen, mit denen man beim Abschluss von Mietverträgen konfrontiert wird, einen ganz schön zu “verunsichern”. Daher in der Folge eine Auflistung der wichtigsten Kfz-Versicherungen, ihrer Abkürzungen und Bedeutung:

ALI – Additional Liability Insurance
Haftpflichtzusatzversicherung mit einer höheren Deckungssumme für Personen- und Sachschäden

APP – Accident Protective Package
Reduzierung der Selbstbeteiligung bei Schäden am Mietauto

CDI – Collision Damage Insurance
vergleichbar mit einer Kaskoversicherung mit Haftungsbeschränkung/-befreiung für Schäden am Mietwagen (mit/ohne Selbstbehalt)

CDW – Collision Damage Waiver
vergleichbar mit einer Kaskoversicherung mit Haftungsbeschränkung/-befreiung für Schäden am Mietwagen; die Höhe der Selbstbeteiligung variiert je nach Anbieter und Fahrzeugklasse; “kann”, aber “muss” nicht, den Verlust einschließen; es gibt auch eine “bessere” CDW in den Varianten SCDW (super-CDW) oder LDW (Diebstahl/Verlust ist mit abgesichert)

EP – Extended Protection
erweiterte Haftpflichtversicherung mit erhöhter Deckungssumme; deckt teilweise auch Schäden ab, die durch einen unterversicherten oder gar nicht haftpflichtversicherten Unfallgegner verursacht werden

ERF – Excess Reduction Fee
Reduzierung der Selbstbeteiligung bei Schäden am Mietauto

LDW – Loss Damage Waiver
Vollkasko mit Haftungsbefreiung, auch bei Diebstahl oder Totalverlust durch Feuer

LI – Liabbility Insurance
Haftpflichtversicherung mit der gesetzlichen Deckungssumme für Schäden an Personen/geständen außerhalb des Mietwagens

LIS – Liability Insurance Supplement
Haftpflichtzusatzversicherung, die die Deckungssumme für Personen- und Sachschäden erhöht, und oft auch noch eine Rechtsverteidigung im Falle einer Klage beinhaltet

LLI – Lost Liability Insurance
Haftpflichtzusatzversicherung, die die Deckungssumme für Personen- und Sachschäden erhöht

LP – Liability Protection
Kfz-Haftpflichtversicherung

PAE – Personal Accident & Effects
Versicherung von Insassen und Reisegepäck; manchmal auch Bestandteil des eigenen Kreditkarten-Vertrags

PAER – Premium Accident Excess Reduction
Reduzierung des Selbstbehalts bei Schäden am Mietauto

PAI – Personal Accident Insurance
Insassenunfallversicherung; oftmals aber auch schon Bestandteil des eigenen Kreditkarten-Vertrags

PEC – Personal Effects Coverage
Versicherung des Reisegepäcks; manchmal auch Bestandteil des eigenen Kreditkarten-Vertrags

PRESPRO
Personen- und Gepäckversicherung meist mit Notfalltransport, ärztliche Behandlungskosten etc.
(nicht nötig wenn alle Fahrzeuginsassen schon in Europa gegen Personenschäden im Falle eines Unfall versichert sind und diese auch im Ausland gültig ist)

RLI – Rental Liability Insurance
trifft nur auf Kalifornien zu, dort schreibt das Gesetz den Verleihfirmen keine “basic/mininum liability protection/coverage” für ihre Kunden vor; d.h., in CA muss man diese Versicherung unbedingt noch extra erwerben, wenn man nicht völlig ohne Haftpflichtversicherung unterwegs sein möchte

RLP – Rental Liability Protection
dasselbe wie RLI

SCDW – Super Collision Damage Waiver
entspricht der deutschen Vollkaskoversicherung ganz ohne oder nur mit sehr geringem Selbstbehalt

SLI – Supplemental Liability Insurance
Haftpflichtzusatzversicherung, die die Deckungssumme für Personen- und Sachschäden erhöht

SLP – Supplemental Liability Protection
Haftpflichtzusatzversicherung, die die Deckungssumme für Personen- und Sachschäden erhöht

TP – Theft Protection
Zusatzschutz gegen Diebstahl des Mietwagens

UMP – Underinsured Motorist Protection
Haftpflichtzusatzversicherung, die Schäden abdeckt, die durch einen nicht oder unterversicherten potentiellen Unfallsgegner verursacht werden

VDI – Vehicle Damage Insurance
vergleichbar mit einer Vollkaskoversicherung mit Haftungsbeschränkung/-befreiung für Schäden am Mietwagen (mit/ohne Selbstbehalt)

 

Geführte Touren als Alternative zum Jeep/SUV

Die skurrilen Sandsteinformationen von White Pocket an der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Arizona und Utah gehören nach wie vor zu unseren absoluten Lieblingszielen im Südwesten.Bei Strecken wie zu den Coyote Buttes South oder White Pocket stellt sich meist gar nicht erst die heikle Frage nach den Versicherungen. Ohne Vierrad-Antrieb mit entsprechend guter Bodenfreiheit ist die Fahrt dorthin nicht möglich und selbst dann ist das Fahren im Tiefsand für wahr nicht jedermanns Sache. Wer die Fahrt mit dem (dort nicht versicherten) Rental Car oder eigens dafür angemieteten Jeep nicht wagen möchte, dem stehen vor Ort noch jede Menge Tour Guides zur Verfügung. Einen, den wir vorbehaltslos empfehlen können, ist Steve Dodson von der Paria Outpost. Das Mailsystem streikt zwar gelegentlich am Paria Plateau, aber sobald man einen Termin hat, klappt alles. Er bietet allerlei Touren rund um Page an sowie Shuttle-Dienste (wenn jemand über Nacht am Plateau zelten möchte oder ähnliches) und ist auch neuen Wunschzielen gegenüber offen.

Der Preis pro Person (ca. 175 USD für die Ganztagestour) hört sich zwar zunächst nach recht viel an, aber wenn man es in Relation zu einem vor Ort gemieteten Fahrzeug setzt oder gar zu einem Abschleppdienst, wenn man sich hoffnunglos im Sand/Matsch eingegraben hat, dann ist der Betrag auch eher nicht der Rede wert.
Wer übrigens in zutrittsbeschränkte Gebiete wie die Coyote Buttes South oder North möchte, muss sich selbst um die Permit-Beschaffung kümmern. Man benötigt hierbei aber nur die Genehmigung für die eigene Person und die Reisepartner. Als von BLM autorisierte Guides dürfen Steve und seine Mitarbeiter die Besucher jederzeit ohne Permit in diese Gebiete begleiten.

Über die Shuttle-Anbieter bei Escalante hatte ich bereits einen extra Blog verfasst: Escalante Shuttle-Service und 4WD Touren im GSENM.

 

Übernachten in einem Jeep/SUV

Schlafen im Auto, auch ein Grund für die Anmietung eines größeren SUVsLast but not least, auch einer der Vorteile von größeren Standard oder Full Size SUVs: Man kann darin zur Nort auch schlafen bzw. “carcampen”. Zu dem Thema habe ich bereits vor vielen Jahren mal einen recht langen Blog geschrieben -> “Schlafen im SUV

Wie auch immer Ihr im Südwesten unterwegs seid, wir wünschen Euch eine allzeit gute und sichere Fahrt! :)
Isa & Steffen